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Das unbekannte Litauen: ein Urlaubsziel für Entdecker

Litauen ist die südlichste und größte der drei baltischen Republiken. Obwohl es nicht weit von Deutschland entfernt liegt, gehört es nicht zu den bei uns bekannten Reiseländern – dabei hat es vor allem für Entdecker viel zu bieten! Die größte Attraktion der Republik ist in jedem Fall die Ostseeküste, aber auch die Städte sind reizvolle Destinationen, und in den Nationalparks kann man sogar einen Wanderurlaub verbringen.

Wie du hinkommst

Der zentrale Flughafen ist der der Hauptstadt Vilnius. Direktflüge dorthin werden von vielen deutschen Flughäfen angeboten, wie Berlin, Bremen, Dortmund, Frankfurt, Frankfurt-Hahn, Hamburg, Köln/Bonn, München und Nürnberg. Aber auch von Wien und Zürich wird die Stadt angeflogen. Da die Republik nicht besonders groß ist, sind alle Urlaubsdestinationen von hier aus gut zu erreichen.

Vilnius liegt knapp 1.000 Kilometer von Berlin entfernt und kann daher zumindest vom nördlichen und östlichen Deutschland aus auch mit dem Auto gut erreicht werden. Die Anreise erfolgt dabei durch Polen, für Süddeutsche und Österreicher kann eine Teilstrecke durch Tschechien sinnvoll sein. Da sowohl Litauen als auch Polen zum Schengen-Raum gehören, brauchst du dir wegen der Grenze keine Sorgen zu machen.

Eine preisgünstige Alternative zu Auto oder Flieger ist das Reisen mit dem Fernbus; dafür musst du allerdings eine ganze Menge Zeit einplanen, denn eine Fahrt von Berlin in die Metropole dauert rund 16-18 Stunden. Manche Busse fahren direkt, bei anderen musst du in Warschau umsteigen.

Eine weitere interessante Reisealternative ist die Fähre: Es gibt durchgehende Fährverbindungen von Kiel zum litauischen Ostseehafen Klaipéda. Die Fahrzeit ist mit rund 20 Stunden (meist über Nacht) zwar ziemlich lang, dafür beginnt der Urlaub dann gleich mit einer Art Minikreuzfahrt.

Ein Sommer am Meer

Litauen ist ein typisches Sommerreiseziel, denn im Winter kann es hier ziemlich kalt werden. Generell werden die Monate Juni bis August empfohlen; dann liegen die Temperaturen fast durchgehend in einem Bereich zwischen 20 und 25 Grad, und durch die weit nördliche Lage sind die Tage angenehm lang. Allerdings sind im Sommer natürlich auch am meisten Touristen unterwegs, an den Stränden kann es dann etwas eng werden. Wenn du die Hauptsaison meiden willst und auf Badewetter nicht ganz so großen Wert legst, sind die Randmonate Mai und September ein guter Tipp. Ein Städtetrip ist grundsätzlich das ganze Jahr über möglich.

Litauen mit kleinem Urlaubsbudget

Generell ist Litauen, so wie alle osteuropäischen Staaten, ein eher preisgünstiges Reiseziel. Wie weit man die Kosten der Reise noch drücken möchte, ist dann eher eine Frage des persönlichen Anspruchs. Und der verfügbaren Zeit: Denn die günstigste Variante zu reisen ist gleichzeitig auch die längste, nämlich der Fernbus.

Neben Hotels in jeder Preisklasse sind hier auch zahlreiche Ferienapartments oder private Airbnb-Unterkünfte zu haben. Auch Camping ist beliebt in Litauen; vor allem an der Ostseeküste gibt es sehr viele schöne Plätze. Wildcampen ist hier übrigens kein Problem, und auch im Wohnmobil kannst du überall für eine Nacht stehen bleiben – außer in Ortschaften und in der Nähe von Häusern.

Die schönsten Urlaubsorte

Die Republik umfasst einen recht ansehnlichen Teil der Ostseeküste, ein rund 100 Kilometer langer Abschnitt zwischen der russischen Exklave Kaliningrad im Westen und dem nördlich angrenzenden Nachbarland Lettland. Ungefähr die Hälfte der litauischen Küste gehört zur Kurischen Nehrung, einer schmalen Landzunge, die das Haff von dem offenen Meer trennt.

Die Nordküste der Landzunge, also die der Ostsee zugewandte Seite, ist praktisch ein einziger, endlos langer Sandstrand. Das macht die Nehrung zu einer der beliebtesten Urlaubsregionen der Baltenrepublik. Hier befinden sich außerdem die größten Sanddünen Europas, die der Gegend auch den Namen „Baltische Sahara“ eingebracht haben. Vor allem im südöstlichen Abschnitt, nahe der Grenze zu Kaliningrad, gibt es besonders schöne und hohe Dünen.

Die Kurische Nehrung wird wegen ihrer riesigen Sanddünen auch als „Baltische Sahara“ bezeichnet und ist sowohl Nationalpark als auch UNESCO-Weltnaturerbe. Daher gibt es dort auch nur wenige, kleine Ortschaften wie Pervalka, Juodkrantė oder Nida. Nida, das sich der Grenze zu Kaliningrad am nächsten befindet, besitzt eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur, die im Sommer viel genutzt wird. Da sich alle Orte an der dem Festland zugewandten Ostseite befinden, hast du den Strand nicht direkt vor der Tür, er ist aber immer nur einen kurzen Spaziergang entfernt. Die riesigen Dünen rund um Nida laden zu einer kleinen Wanderung ein.

Die Nehrung hat keine Landverbindung zum litauischen Festland, ist also aus litauischer Sicht praktisch eine Insel – am südwestlichen Ende gibt es zwar eine Landverbindung, die aber für den Verkehr nicht nutzbar ist, da sie sich in Kaliningrad und damit auf russischem Staatsgebiet befindet. Dieses Defizit kompensieren die von Klaipédra nahezu ständig verkehrenden Fähren, die die hier nur wenige hundert Meter breite Meerenge überqueren.

Endlose Strände

Nahezu die ganze litauische Küste ist ein einziger Sandstrand! Die schönsten und einsamsten Strände gibt es auf der Kurischen Nehrung, die eben schon erwähnt wurde. Aber auch im nördlichen Abschnitt der litauischen Küste, der nicht mehr zur Landzunge gehört, gibt es schöne, ausgedehnte Sandstrände. Die machen etwa das wenige Kilometer nördlich von Klaipédra gelegene Städtchen Palanga zu einem der beliebtesten Urlaubsorte. Im Gegensatz zu den Örtchen im Süden ist hier allerdings mehr Partystimmung angesagt. Gelegentlich wird Palanga sogar als „Ballermann der Ostsee“ bezeichnet. Wenn du es lebhaft magst, ist Palanga also richtig für dich – wenn nicht, ist Nida die bessere Wahl. Auch in unmittelbarer Umgebung der Hafenstadt Klaipėda gibt es schöne Strände, die vor allem von den Locals genutzt werden und daher eine weniger touristische Atmosphäre haben, wie etwa Smiltynė, der quasi der Stadtstrand von Klaipėda ist.

Die litauischen Strände werden im Sommer vor allem zum Baden besucht. Daneben kannst du hier natürlich auch viele Arten von Wassersport betreiben: Vor allem Segler und Kitesurfer mögen die beständigen Winde der Ostsee! In den Touristenorten gibt es auch Segel- und Kiteschulen, falls du diesen faszinierenden Sport lernen oder dich verbessern möchtest.

Urbanität und Natur

Abgesehen von der Ostseeküste ist die Hauptstadt Vilnius die größte Attraktion der Baltenrepublik; ein Besuch der Kapitale gehört daher in jedem Fall zu einem Urlaub dazu. Vilnius, das manchmal auch mit dem deutschen Namen Wilna bezeichnet wird, ist keine Hafenstadt, sondern liegt fast 300 Kilometer von der Küste entfernt in der Nähe der Grenze zu Weißrussland. Die Hauptstadt ist mit einer Einwohnerzahl von über einer halben Million eine moderne, lebhafte Metropole.

In den verwinkelten Gassen der Altstadt kannst du locker einen ganzen Tag verbummeln. Besondere Attraktionen sind die Kathedrale, die St.-Anna-Kirche und die Pilies gatve (auf Deutsch Burgstraße), die die Burg mit der Altstadt verbindet. Der mittelalterliche Gediminas-Turm liegt auf einem Hügel über dem ansonsten recht flachen Altstadt-Areal und bietet damit eine schöne Aussicht. Wenn es etwas alternativer sein soll, ist das Künstlerviertel Užupis das perfekte Ziel für dich: Die Bewohner betrachten ihr Viertel sogar als eigenständigen Staat und haben sich eine eigene Hymne und eine Nationalflagge gewählt. Ein- und ausreisen darf man aber trotzdem jederzeit, und das lohnt sich vor allem für die coole, alternativ angehauchte Atmosphäre mit etlichen Cafés und Bars. Auch am Stadtrand gibt es schöne Sehenswürdigkeiten zu entdecken, wie etwa die inmitten einer romantischen Inselwelt gelegene mittelalterliche Burg Trakai.

Auch Kaunas, die mit gut 300.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt, ist mit dem historischen Zentrum, dem Schloss, dem Kloster Pazaislis und vielen Museen ein interessantes Ausflugziel. Kaunas war sogar einmal der Regierungssitz, was in der ausgedehnten Altstadt mit vielen historischen Gebäuden deutlich wird. Da die beiden Städte nur rund 90 Kilometer voneinander entfernt sind, kannst du sie gut zu einem Ausflug verbinden.

Ungefähr in der Mitte der litauischen Ostseeküste liegt Klaipėda, die größte Hafenstadt der Republik. Mit ihren verwinkelten, kopfsteingepflasterten Gassen und dem Geruch des Meeres, der hier stets in der Luft liegt, ist Klaipėda eine besondere Attraktion. Die roten Ziegelsteinhäuser und die Holzbauten, die man hier überall findet, erinnern an den starken deutschen Einfluss, der die Handelsmetropole in früheren Zeiten ausmachte. Das Museum in der Burg, die das Zentrum auf einem Hügel überragt, gibt dir einen Überblick über die Geschichte des Landes. Klaipėda ist aber auch wegen seiner Festlichkeiten eine der interessantesten Städte des Landes: Hier findet jedes Jahr das traditionelle Hafenfest statt, daneben Musikfestivals und Segelregatten.

Wenn dir nach so viel Urbanität der Sinn nach unberührter Natur steht, wirst du auch diese in der Baltenrepublik finden: Der Nationalpark Dzūkija bietet mit seinen endlosen Wäldern und Sumpflandschaften Gelegenheiten für Wanderungen jeglicher Größenordnung.

Seltsame Knödel

Die litauische Küche ist bodenständig und generell ziemlich üppig. Das litauische Nationalgericht heißt Cepelinai oder Zeppelinas, das sind mit Hackfleisch oder Quark gefüllte Kartoffelknödel. Anders als unsere Knödel sind sie nicht rund, sondern haben eine längliche Form, die an einen Zeppelin erinnert – daher auch der Name, der im Ersten Weltkrieg entstanden sein soll, als die Deutschen in Zokniai eine Wartungshalle für ihre Zeppeline unterhielten. Ob das nun wirklich so stimmt, ist schwer überprüfbar, aber die Cepelinai sind überall im Land beliebt. Gegessen werden sie entweder mit zerlassenem Speck und Zwiebeln oder mit einer Butter-Sahne-Sauce.