Typisch Phnom Penh
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Phnom Penh: Der Verkehr rollt am Tempel von Wat Ounalom vorbei.
© Quelle: imago/Pacific Press Agency
Der große Graben zwischen viel Arm und einer schmalen Schicht Reich ist nur einer davon. Du findest tolle Hotels, Restaurants, mitreißende Livemusik und in direkter Nachbarschaft bettelnde Straßenkinder und Müll.
Frankreichs Kolonialherrschaft, die 1953 endete, hinterließ das heute von Touristen geschätzte Erbe gehobener Gastronomie, stilvolle Cafés und hervorragenden Kaffee eingeschlossen.
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Du kannst Phnom Penh und das Kambodscha von heute nur verstehen vor dem Hintergrund einer kurzen, fatalen Phase. Der Genozid der Roten Khmer (1975 bis 1979) tötete ein Viertel der Bevölkerung und stürzte das Land in Jahrzehnte lange Bürgerkriege und Guerillakämpfe. Die Narben sind noch zu sehen, nicht alle sind verheilt.
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Doch die Jungen, die Nachgeborenen können die Historie hinter sich lassen und sich unbelastet einer besseren Zukunft widmen. Ihr Anspruch ist es, Phnom Penh wieder zu einem lebenswerten Zentrum zu gestalten, eine vibrierende Szene von Kunst und Kultur eingeschlossen.
Was ist heute typisch Phnom Penh?
1. Der amerikanische Dollar
Das fängt ja gut an. Doch der US-Dollar ist tatsächlich die legale Parallelwährung zum einheimischen Riel. Der fällt Ausländern nur als Wechselgeld ins Portemonnaie. Zahlreiche Geldautomaten halten ausreichende Dollarmengen bereit, ausreichende Deckung der Kreditkarten vorausgesetzt. Der Gast aus Deutschland kann sogar problemlos die EC-Karte einsetzen.
2. Stadtplan
Ohne Stadtplan bist du verloren. Die Straßen sind im Zentrum zwar weitgehend schachbrettartig angelegt, die Reihenfolge ihrer Nummerierung allerdings gibt Rätsel auf.
3. Zeugen der Vergangenheit
Kambodscha ist mehr als jedes andere asiatische Land bemüht, eine dunkle Vergangenheit aufzuarbeiten. Das Foltergefängnis S21 (auch Tuol Sleng genannt) sowie die Killing Fields (Choeung Ek) vor den Toren der Stadt zeugen von der Schreckensherrschaft der Roten Khmer, in der zwei Millionen Menschen getötet wurden oder an Entkräftung und Hunger starben.
4. Königspalast und Nationalmuseum
Beide Gebäudekomplexe sind Nachbarn unweit des Zusammenflusses von Tonle Sap und Mekong. Sie erinnern an die reiche kulturelle Vergangenheit des Königreichs Kambodscha und an das Imperium der Khmer vor tausend Jahren.
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5. Buddhismus/Wat Ounalom
Buddhismus ist Staatsreligion in Kambodscha. Der wichtigste Tempel des Landes, der Wat Ounalom, liegt in Sichtweite der Uferpromenande Sisowath Quai, wie so viele andere Sehenswürdigkeiten auch. In diesem Tempel lebt der höchste buddhistische Mönch Kambodschas. Angesichts der Bedeutung des Wats überrascht es viele Besucher (Eintritt frei), dass es im Inneren meist still und besinnlich zugeht.
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6. Wat Phnom
Das höchstgelegene religiöse Bauwerk der Stadt auf einem 27 Meter hohen, künstlichen Hügel. Wat heißt Tempel, Phnom Hügel. So bedeutet Phnom Penh wörtlich übersetzt „Hügel Penh“.
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7. Kantha Bopha („Duftende Blume“)
Vor Doktor Beat Richner verneige ich mich tief. Auf Initiative des Schweizer Arztes wurden in Phnom Penh fünf Kinderkrankenhäuser gebaut und in Siem Reap eins. Richners Team, mehr als 2.500 kambodschanische Ärzte und Pflegekräfte, retteten über 100.000 Kindern das Leben.
85 Prozent aller kranken Kinder Kambodschas werden in den Kantha-Bopha-Spitälern behandelt – kostenlos! Finanziert weit überwiegend durch private Spenden und ein wenig staatliche Unterstützung.
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8. Frankreich
Frankreichs Kolonialherren waren nicht freundlicher als ihre Kollegen aus England oder Spanien. Doch wir schätzen ihr Erbe, die spezielle Atmosphäre in Restaurants, Bistros, Cafés. Für den gehobenen Anspruch empfehlen wir das Restaurant Armand`s. Der Franko-Kambodschaner Armand Gerbie ist vermutlich einer der temperamentvollsten und extrovertiertesten Menschen des Erdballs, hat in seinem bewegten Leben schon ein Restaurant geführt in Australien, als Maître im Lido in Paris gearbeitet und eine Cameo-Rolle in „The Matrix: Reloaded“ gespielt.
Adresse: 33,, 108 Pasteur St. (51)
Telefon: +855 15 548 966 (Reservierung empfohlen)
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9. Bistros entlang des Sisowath Quai
Sie liegen nur wenige Meter auseinander, bieten gute Küche und einen Blick auf das alltägliche und allabendliche Treiben auf dem Sisowath Quai, der Uferstraße entlang Tonle Sap und Mekong.
Restaurant „Olala“: Hier läuft man nicht Amok, sondern isst es. Amok ist die kambodschanische Nationalspeise. Mein Favorit hingegen bleibt der würzige Mango-Salat mit Nüssen und gegrillten Streifen vom Huhn. Vegetarier bestellen den Salat natürlich ohne totes Geflügel.
Adresse: Preah Sisowath Quay
Tel.: +855 23 223 193
Öffnungszeit: 07:00 – 24 Uhr
Bistro La Croisette: Geführt vom Deutschen Tassilo Brinzer. Auch er war einer der Mutigen, die in Kambodscha schon investierten, als das Land alles andere war als eine sichere Bank.
Adresse: 241 Sisowath Quay
Tel.: +855 23 220 554
Öffnungszeit: 07:00 – 01:00
Riverside Bistro: Hier wird das Oktoberfest gefeiert, was auf einen weiteren deutschen Gastronom in Phnom Penh schließen lässt. Und richtig: Andreas Stanke heißt er und stammt aus Wuppertal.
Adresse: 273A Preah Sisovath
Tel.: +855 23 213 89
Öffnungszeit: 07:00 – 01:00
10. Foreign Correspondent Club Cambodia (FCCC)
Dieser „Klub der Auslandskorrespondenten“ ist, anders als etwa in Bangkok oder Hongkong, kein exklusiver Treff für Journalisten. Sondern ein beliebter öffentlicher Treffpunkt auf drei Stockwerken mit Restaurant, Bar, Galerie, Livemusik am Wochenende und auch Hotel (neun Zimmer). Am Sisowath Quai gelegen, mit Blick über die Straße hinweg auf die Stellen, wo sich die Flüsse Tonle Sap, Mekong und Bassac vereinen.
Tipp für Mittwoch- oder Freitagabend: „The Mansion“. Das historische Gebäude im Rücken des FCCC scheint kurz vor dem Verfall zu stehen. Doch wenn die Fassade purpur und hellblau angestrahlt und von Livemusik auch akustisch illuminiert wird, schreibst du in dein Reisetagebuch: „Unvergesslich“.
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11. Verkehr
„Hallo Tuk-Tuk“ ist der Ruf, der dich vom Aufstehen bis zum Schlafengehen verfolgt in Phnom Penh. Und doch ist die motorisierte Dreiradrikscha noch immer das beste Vehikel, um sich die Stadt anzuschauen. Vor allem aber den beeindruckenden Verkehr – enger kommen wir nie mehr zusammen. Entfernungen werden in Dollar gemessen; für drei Dollar bist du schon ein gutes Stück unterwegs. Preis für die Fahrt vom neuen Flughafen mit dem Taxi zum Zentrum: zehn bis zwölf Dollar.
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12. Mikroökonomie
Hört sich nicht nach Reisen an oder Urlaub und hat doch sehr viel damit zu tun. Junge Ausländer, die auf der Durchreise in Phnom Penh hängengeblieben sind, gründen kleine Unternehmen mit dem Ziel, die Stadt für ihre Menschen lebenswerter und für Gäste attraktiver zu machen. Denn Phnom Penh ist eine große Chance für kleine Unternehmen.
In ihrem Café „Farm to table“ (Adresse: 16, Street 360) zum Beispiel bietet die Amerikanerin Brittany Sims die Produkte lokaler Bauern an. Sims arbeitete früher für eine NGO, während Erich Phillips und Bob Oudemans als Urlauber kamen. Und blieben. Nun betreiben sie die Mikro-Brauerei Cerevisia und die Bar Botanico Wine & Beer Garden (Street 29).
13. Märkte
Der Alltag der Hauptstadtbewohner beginnt oder endet mit dem Einkauf auf den traditionellen Frischmärkten. Für Besucher aus Europa eine olfaktorische Herausforderung – es duftet hier definitiv anders als in einer Pariser Parfümerie.
Der Zentralmarkt (Orussey Market) liegt im geografischen Zentrum der Stadt und ist bekannt für eine unüberschaubare Auswahl an getrocknetem Fisch. Sehenswert auch der Russenmarkt (Phsar Toul Tom Poung) im Süden der Stadt, der seinen Namen der Beliebtheit bei russischen Einwanderen in den 80er-Jahren verdankt. Hier fanden sie sogar Dinge, die sie gar nicht gesucht hatten.
14. Time to say Goodbye
Craft Bier (handwerklich gebrautes Bier mit hochwertigen Zutaten und unkonventionellen Geschmacksrichtungen) ist inzwischen angekommen in der internationalen Szene – Phnom Penh setzt noch einen drauf mit der Craft Cocktail Bar „Le Boutier“ (Waren nicht Cocktails immer schon Handwerkskunst mit hochwertigen Zutaten und speziellen Geschmacksrichtungen? Egal). Nimm Abschied von Phom Penh Zentrum mit den „1000 Tränen der Tarantula“:
Samai Rum, Kaffir-Limette, Curry, Kokosnuss, Bénédictine, Ananas und einem Spritzer der lokalen Umami … einer Fischsoße.
Reisereporter