London: Warum du unbedingt nach Waltham Forest musst

London: Warum du unbedingt nach Waltham Forest musst

Endhaltestelle: Waltham Forest! Natur, Kunst und spannende Märkte liegen hier nah beieinander. Entdecke ein buntes Viertel in Londons Osten, das 2019 stolz den Titel „London Borough of Culture“ trägt.

Häuserzeile an der Blackhorse Road nahe der gleichnamigen U-Bahn-Station.
Häuserzeile an der Blackhorse Road nahe der gleichnamigen U-Bahn-Station.

Foto: Dörte Nohrden

Londons Stadtteil Waltham Forest hatte lange keinen guten Ruf. Doch 2019 wurde er zum ersten „Borough of Culture“ in London gewählt.

In einer Videobotschaft an Donald Trump zu dessen Staatsbersuch im Vereinigten Königreich sagte Londons Bürgermeister Sadiq Khan: „Wir in London glauben, dass Diversität keine Schwäche, sondern eine Stärke ist.“

Khan war es auch, der folgende Idee hatte: Um lokale Kunst-, Kultur- und Community-Projekte in den Bezirken der Hauptstadt zu stärken, konnten sich Ende 2017 erstmals Stadtteile für eine Förderung als „London Borough of Culture“ bewerben.

Der Gewinner für 2019 wurde „Waltham Forest“ in Nordosten Londons, ein ethnisch sehr diverser Stadtteil. Schon seit mehreren Jahren wird er bei jungen Familien und Kreativen immer beliebter. Waltham Forest bietet noch eher günstige Mieten, viel Grün und Raum für Inspiration.

„Welcome to the forest“: So lautet der Claim des diesjährigen London Borough of Culture Waltham Forest.
„Welcome to the forest“: So lautet der Claim des diesjährigen London Borough of Culture Waltham Forest. Foto: Dörte Nohrden

Das eigens für dieses Kultur-Jahr engagierte Kreativteam hat für 2019 ein buntes wie außergewöhnliches Kunst- und Kulturprogramm auf die Beine gestellt. Aber auch abseits der zahlreichen Veranstaltungen kannst du hier ein typisch buntes London erleben – ganz ohne die üblichen Touristenmassen. Es lohnt eine Fahrt zur Endhaltestelle der Victoria Line: Walthamstow Central.

Obststand auf dem Wochenmarkt mit den typischen Schüsseln zu je einem Pfund.
Obststand auf dem Wochenmarkt mit den typischen Schüsseln zu je einem Pfund. Foto: Dörte Nohrden

Londons historischer Straßenmarkt und der „Farmers’ Market“

Von dienstags bis samstags zieht sich einer der ältesten und längsten Straßenmärkte Europas entlang der Walthamstow High Street. Von der Sandale bis zum Hut, vom Kochlöffel bis zur Tischdecke wirst du hier fündig, und das seit 1885.

An zahlreichen Obst- und Gemüseständen kannst du deinen Rucksack für nur ein Pfund pro Schale mit Weintrauben oder Bananen als Wegzehrung füllen.

Jeden Sonntag wiederum baut sich hier der etwas kleinere „Farmers’ Market“ auf – mit leckeren lokalen Produkten wie Käse, Kräuter, Honig und warme Mittags-Snacks.

Walthamstows „Makers Space“ – der Blackhorse Workshop

Hier, im sogenannten „Makers Space“, zeigt sich die Community der kreativen Macher Walthamstows in geballter Kraft. Vor fünf Jahren öffnete der Blackhorse Workshop als großzügige Holz- und Metallwerkstatt und täglich geöffnetes Café. Laien und Profis können sich in diesen Hallen einmieten. Wenn du rechtzeitig buchst, kannst auch du an spannenden Workshops teilnehmen.

Office Managerin Julie Lee im Blackhorse Workshop, diese Schüsseln kann man in Kreativworkshops herstellen.
Office Managerin Julie Lee im Blackhorse Workshop, diese Schüsseln kann man in Kreativworkshops herstellen. Foto: Dörte Nohrden

Draußen haben sich zudem Künstler und Designer in bunten Schiffscontainern samt Werkstatt eingerichtet. Wie etwa Mick Lapsley, der individuelle Fahrradrahmen baut. Gut zwei Monate Arbeit würden in so einem Drahtesel stecken, erzählt er.

William Morris Gallery & Lloyd Park

Wie kaum ein anderer prägte das Multitalent William Morris (1834–1896) die Designs des 19. Jahrhunderts mit, etwa in Form von kunstvollen Textil- und Tapetendrucken mit floralen Mustern. Der einstige Mitbegründer der „Arts and Crafts“-Bewegung und Inhaber des Design-Unternehmens „Morris & Co“ lebte in seinen Jugendjahren in genau diesem Haus.

Heute erinnert die Villa mit rund 10.000 Objekten an sein Wirken. Morris war auch Poet und politischer Aktivist. Er forderte, dass Bildung, Kunst und Freiheit allen Menschen gleichermaßen zugänglich sein sollten, nicht nur Privilegierten wie ihm selbst. Hinter dem Gebäude kannst du mit einem Tee oder Kaffee im wunderschön angelegten Lloyd Park entspannen oder zur Wiese hinter dem großen Spielplatz flanieren. Gallerie und Park sind auch für Familien ein tolles Ziel.

Blick auf dem Park und die William Morris Gallery.
Blick auf dem Park und die William Morris Gallery. Foto: Dörte Nohrden

Bunte Läden und Restaurants in der zentralen Hoe Street

Meilenweit schlängelt sich die Hoe Street von Nord nach Süd durch Walthamstow. Dort entlang findest du internationale Restaurants und individuelle Läden zum Stöbern. Streetart leuchtet an manchen Hausfassaden, an Straßenecken wachsen Kräuter in Communitygärten. In der kleinen Pflasterstein-Seitenstraße Hatherley Mews kannst du dich in der gut besuchten Pizzeria „Sodo“ stärken. Sie verwendet saisonale und nachhaltige Lebensmittel.

Auf Höhe der U-Bahn-Station „Walthamstow Central“ ragt die empfehlenswerte, günstige Travelodge Walthamstow empor, von deren oberen Stockwerken du einen umwerfenden Blick auf die Londoner Skyline genießen kannst. Die Zimmer Richtung Süden sind im Sommer allerdings sehr warm. 

Wood Street Market – Camden in Kleinformat

Dieser Wood Street Indoor Market erinnert an den Camden Market, jedoch ohne dessen Menschenaufläufe. Hier kannst du wesentlich entspannter entlang kleiner Läden streunen und findest einen lustigen Mix: vom Hollandrad über Vintagemode bis Vinyl; von Brautmode über „esoterische Lebensberatung“ bis zu afrikanischer Kunst.

Zwischen den beiden Eingängen zum Wood Street Indoor Market versteckt sich ein dritter: Gehst du die schmale Gasse durch den Blumenstand und das „Georgian Village“ entlang, landest du am Ende in einem winzigen, sonnengelb gestrichenen Innenhof: einem sehr herzlichen, karibischen Mini-Restaurant mit leckeren Fischgerichten.

Wood Street unweit des Indoor Markets.
Wood Street unweit des Indoor Markets. Foto: Dörte Nohrden

Walthamstows „grüne Lungen“ erkunden

Im Osten von Waltham Forest erstreckt sich das kilometerlange Band des dichten „Epping Forest“, in dem du durch herrliches, dichtes Grün spazieren kannst. Im Westen wiederum erstrecken sich die „Walthamstow Wetlands“. Das 200 Hektar große Naturreservat zählt zu den weitläufigsten städtischen Feuchtgebieten Europas.

Das Reservoir ist Trinkwasserspeicher für Millionen Londoner und Refugium zahlreicher Wasservögel. 2017 wurde das einst abgesperrte Gebiet als Erholungspark eröffnet. Die alte Pumpstation, das „Engine House“ von 1894, ist in ein informatives Besucherzentrum verwandelt worden. Sehr schön sind das großzügige Café und der weite Blick auf die Wetlands von der oberen Aussichtsterrasse.

Epping Forest – hier am kleinen See.
Epping Forest – hier am kleinen See. Foto: Dörte Nohrden

Diese Reise wurde unterstützt von Visit Britain. Über Auswahl und Inhalt entscheidet allein die Redaktion.

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