Probleme beim A220: Piloten dürfen nicht mehr Vollgas geben

Probleme bei A220: Piloten dürfen nicht mehr Vollgas geben

Mehrfach kam es in den vergangenen Wochen zu Triebwerksproblemen beim Airbus A220. Der Grund ist noch unklar, fest steht jedoch: Die Piloten dürfen in großer Höhe nicht mehr mit vollem Schub fliegen.

Ein Airbus A220-300 von Swiss in der Luft.
Vermehrte Probleme am Triebwerk der A220-Maschinen bei Swiss haben diverse Luftfahrtbehörden auf den Plan gerufen. Sie führen nun Vorsichtsmaßnahmen ein.

Foto: imago images/Pius Koller

Plötzlich fällt in der Luft ein Motor in einem der Triebwerke aus, Teile werden nach außen geschleudert: Diese Szenarien ereigneten sich in den vergangenen Monaten beim Airbus A220 – bei der Airline Swiss gleich dreimal innerhalb des vergangenen Quartals.

Zwar gaben andere Fluggsellschaften, die mit dem Vogel fliegen, Entwarnung: Ihre Triebwerke seien alle voll funktionsfähig. Nun gibt es dennoch Konsequenzen: Die Piloten der Problemflieger dürfen im Reiseflug vorläufig nicht mehr vollen Schub geben. 

Das geht aus einer entsprechenden Handlungsanweisung hervor, welche der Hersteller Airbus Canada sowie die kanadische Luftfahrtbehörde Transport Canada herausgegeben haben. Die europäische Luftfahrtbehörde Easa hat die Anweisungen übernommen; das Bundesamt für Zivilluftfahrt in der Schweiz (Bazl) veröffentlichte das Dokument am vergangenen Montag.

A220-Betreiber bekommen Auflagen: Vollgas ist auf bestimmter Flughöhe verboten

Für alle A220-Betreiber mit den Triebwerken PW1500G von Pratt & Whitney gilt künftig: Ab einer Flüghöhe von 29.000 Fuß, also ungefähr 8.840 Meter, dürfen Piloten nicht mehr bei voller Geschwindigkeit fliegen. Bei 94 Prozent Schub ist Schluss. Außerdem muss die automatische Schubkontrolle ausgeschaltet sein, denn sie greift in die automatische Schubregelung ein.

Falls auf dieser Höhe Piloten dennoch für mehr als 20 Sekunden mit Vollgas fliegen sollten, müssen sie das ihrer nationalen Luftfahrtbehörde melden. Nach einem Bericht der schweizerischen „Handelszeitung“ hätten die betroffenen Betreiber bis zum 2. November für die Umsetzung Zeit. Swiss habe unlängst gehandelt und unter anderem die Flughöhe der 94-Prozent-Maximalleistung angepasst.

Ursache für Triebwerkspannen beim A220 weiterhin unklar

Die genaue Ursache für die Pannen steht allerdings noch nicht fest. Sollten die Auflagen ignoriert werden, könnte es zu einem „uncontained engine failure“ kommen, wie zuletzt bei Swiss Mitte Oktober auf dem Flug LX359 von London nach Genf. Wie der „Aerotelegraph“ berichtete, soll es einen hörbaren Triebwerksdefekt gegeben haben, sodass die Piloten außerplanmäßig in Paris landen mussten.

Daraufhin wurden alle 29 Swiss-A220-Maschinen der sogannten C-Serie vorübergehend gegroundet und inspiziert. Nicht der erste Vorfall dieser Art: Ende Juli fielen auf dem Flug LX348 von Genf nach London abgesprengte Triebwerksteile über einem Waldgebiet nahe Paris herunter. Wie der Mutterkonzern Lufthansa dem reisereporter auf Nachfrage mitteilte, habe Lufthansa diesen Flugzeugtyp nicht in Betrieb.

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