Schwere Unruhen in Chile: Auswärtiges Amt rät zu Vorsicht

Unruhen in Chile: Auswärtiges Amt rät zu Vorsicht

In Santiago de Chile und in weiteren Orten gilt der Ausnahmezustand. Grund sind die eskalierten Proteste gegen die Preiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr. Das Auswärtige Amt rät Touristen zu Vorsicht.

Gewalt auf den Straßen von Santiago de Chile: Demonstrierende legen die Stadt lahm, das Militär greift mitunter brutal ein.
Gewalt auf den Straßen von Santiago de Chile: Demonstrierende legen die Stadt lahm, das Militär greift mitunter brutal ein.

Foto: imago images/Aton Chile

Wer aktuell in Chile ist, sollte Vorsicht walten lassen. Dazu rät das Auswärtige Amt seit gut einer Woche, nachdem für weite Teile der Stadt Santiago sowie für Valparaíso und Concepción der Notstand ausgerufen wurde. Bei den gewalttätigen Aufständen sind bisher mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Weitere Eskalationen auch in anderen Regionen des Landes seien nicht auszuschließen.

​Wer sich derzeit in Chile aufhält, sollte Menschenansammlungen und Protestveranstaltungen weiträumig meiden und die Lage in den lokale Medien verfolgen. 

Gewalttätige Proteste in Chile: Flughafen und Bahnverkehr lahmgelegt

Denn die Ausschreitungen bekommen auch Urlauber zu spüren: Der öffentliche Nahverkehr ist eingeschränkt, Metrostationen in der Hauptstadt Santiago wurden schwer beschädigt. Auf Twitter teilte die Bahngesellschaft am Fotos und bedauerte die derzeitige Situation.

Zudem wurden und werden Ausgangssperren verordnet. Über aktuell verhängte Ausgangssperren sollten sich Urlauber bei der deutschen Botschaft in Santiago informieren.

Die Sperrungen führten in der Sonntag Nacht (Ortszeit) am 20. Oktober dazu, dass ankommende Passagiere den Flughafen Santiago de Chile nicht mehr verlassen konnten, Angestellte kamen nicht zur Arbeit. Infolgedessen stellte Latam Airlines den Betrieb von 19 bis 10 Uhr am Montagmorgen (Ortszeit) ein.

Auch andere Airlines wurden vom Protest beeinträchtigt: Mehr als 60 Inlandsflüge strichen die Billigairlines Sky Airline und Jetsmart am vergangenen Montag. Der Reisende Ivan filmte die menschenleere Abflughalle am Sonntagabend. 

Die Flughäfen sind mittlerweile wieder in Betrieb, dennoch kommt es wegen der nächtlichen Ausgangssperren zu Einschränkungen der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit. Grenzübergänge nach Argentinien, Bolivien und Peru sind nachts geschlossen, informiert das Auswärtige Amt.

Reisende, die während der Ausgangssperren am Flughafen in Santiago ankommen, wird eine Ausnahmeerlaubnis „Salvoconducto“ asugehändigt, um den Flughafen verlassen zu können.

Bürger demonstrieren wegen sozialer Missstände in Chile

Auslöser der Demonstration war die Preiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr von 800 auf 830 Pesos (umgerechnet rund vier Cent mehr auf 1,03 Euro). Dabei waren die Preise erst im Januar dieses Jahres angezogen worden. Präsident Sebastián Piñera hat die Erhöhung mittlerweile zurückgenommen.

Der andauernde Ausnahmezustand ist eine Folge der allgemeinen Unzufriedenheit wegen zu stark gestiegener Lebenshaltungskosten im Lande: Die zunächst friedlichen Demonstrationen von Schülern und Studierenden arteten in Vandalismus und Straßenkämpfe zwischen Protestierenden und dem Militär aus. Präsident Piñera spricht gar von einem Krieg, berichtet das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“.

Die gewalttätigen Ausschreitungen wegen sozialer Missstände forderten nun sogar zehn Menschenleben. Die Leichen wurden nach Plünderungen gefunden, unter anderem in ausgebrannten Supermärkten. Gelegte Brände, mutwillige Zerstörung von U-Bahnhöfen und andere vom Präsidenten als „kriminell“ bezeichnete Taten sollen den Einsatz von rund 9.400 Soldaten notwendig machen. Bei Zusammenstößen kamen Wasserwerfer und Tränengas zum Einsatz.

Aufseiten der Polizei soll es auch zu Verletzten gekommen sein; nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat es bisher 1.554 Festnahmen gegeben. 

Brennpunkte weltweit könnten derzeit die Reisepläne vieler durcheinanderbringen. In Hongkong gehen Menschen noch immer wegen der befürchteten Einflussnahme Chinas trotz Verbots auf die Straße, in Barcelona demonstrieren Hunderttausende gegen eine Hafstrafe für zwölf Kämpfer für die katalanische Unabhängigkeit.

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