Viele Orte, deren düstere Geschichten faszinieren, werden von Touristen überrannt. Dazu gehört auch die sogenannte Knochenkirche bei Kutná Hora, einer Stadt in Mittelböhmen in der Tschechischen Republik. Viele planen einen Tagesausflug vom 70 Kilometer entfernten Prag ein. Nach der Prager Burg soll die Knochenkirche mit 500.000 Besuchern pro Jahr das beliebteste Ziel von Touristen in Tschechien sein.

Sie kommen, um die im Stadtteil Sedletz stehende gotische Kirche zu besichtigen. Die Allerheiligenkirche (tschechisch: Hřbitovní kostel Všech svatých) wirkt von außen recht gewöhnlich, doch im Untergeschoss wartet ein Schatz für Dark Tourism. Tausende Menschenknochen schmücken die Gewölbe der Kapelle. Der Name Knochenkirche ist also Programm – eigentlich wird sie jedoch als Sedletz-Ossarium bezeichnet. 

Bis zu eine halbe Million Menschen strömt in die mit Knochen verzierte Kirche. Fotos schießen ist jedoch ab kommendem Jahr tabu.

Knochenkirche nahe Prag: Touristen benehmen sich für Like-Jagd daneben

Dass es sich trotz der schaurigen Atmosphäre um einen heiligen Ort handelt, scheinen viele der Touristen im Foto-Wahn zu vergessen. Für ein Selfie vor den kunstvoll angerichteten Skeletten werden die guten Manieren abgelegt.

„Sie machen verschiedene Selfie-Porträts mit den Schädeln und zögern nicht, die Schädel und Knochen sogar zu berühren“, beschwert sich die Leiterin der Stätte, Radka Krejčí, wie der tschechische Nachrichtensender „CT24“ berichtet.

Knochenkirche bei Kutná Hora: Fotografieren ist ab 2020 verboten

Mitverantwortlich für die Hysterie macht sie auch die sozialen Medien, auf denen die schaurigen Fotos Likes bringen sollen. Je krasser, desto besser. Nun ziehen die Verantwortlichen der Stätte die Reißleine und kündigen ein ab 2020 geltendes Foto-Verbot an. Bei Reiseveranstaltern hätte das bereits jetzt für Ärger gesorgt, da Touristen eingeschränkt würden.

Auf dem Sedletzer Friedhof sollen allein 30.000 Opfer der Pest begraben worden sein. Im 15. Jahrhundert wurden die Überreste, also auch die Knochen, exhumiert. Künstler František Rint formte 1870 aus ihnen Kronleuchter, ein Familienwappen und Wandverzierungen.

Doch Radka Krejčí beharrt auf dem Verbot, um klarzumachen: „Menschen, die hierherkommen, um menschliche Überreste zu berühren, gehören nicht zum angestrebten Segment.“ Statt auf dem Handy die Schnappschüsse zu checken, und die Knochen-Installation nur durch die Kameralinse wahrzunehmen, sollen Touristen mit dem Verbot wieder Zugang zu dem Kunstwerk finden. Denn die Knochenkirche sei keine „bizarre Burg des Grauens“, wie die Leiterin hervorhebt.