Katalanen demonstrieren seit einer Woche in Barcelona weitgehend friedlich gegen das Urteil gegen mehrere Separatistenführer und gegen Polizeigewalt. Immer wieder kommt es dabei aber auch zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen der Polizei und den Demonstranten. 

Am vergangenen Freitag legte ein Generalstreik Katalonien lahm, zahlreiche Flüge fielen aus, und auch der Bus- und Bahnverkehr lief auf Sparflamme. Hinzu kamen zahlreiche Straßensperrungen. Zu Beginn der Proteste am Montag hatten Hunderte Demonstranten den Flughafen El Prat gestürmt und dafür gesorgt, dass mehr als 150 Flüge abgesagt wurden. Und noch immer gehen täglich Hunderttausende auf die Straße.

Barcelona: Gewalt zwischen Polizei und Demonstranten eskaliert 

Zahlreiche Videos in den sozialen Medien zeigen, wie die Auseinandersetzungen immer wieder eskalieren. Polizisten gehen mit Schlagstöcken auf Demonstranten los.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez will am heutigen Montag nach Barcelona reisen, um die Polizisten zu besuchen, die bei den Ausschreitungen in den vergangenen Tagen verletzt wurden. Genaue Details gibt der Politiker nicht bekannt, um Demonstrationen zu vermeiden. Außerdem ließ Sánchez den Präsidenten der katalanischen Regionalregierung Generalitat de Catalunya, Quim Torra, am Wochenende abblitzen.

Der Regionalpolitiker, der sich für eine Loslösung Kataloniens von Spanien einsetzt, habe der spanischen Zeitung „El País“ zufolge zweimal versucht, den Ministerpräsidenten anzurufen. Dieser antwortete in einem Schreiben und machte deutlich, nicht in Kontakt treten zu wollen, ehe Torra das gewalttätige Verhalten deutlich verurteile. Entsprechend soll es bei seinem Besuch auch zu keinem Treffen zwischen den Politikern kommen.

Proteste in Barcelona: So erleben Urlauber die Situation

Urlauber, die sich vor Ort oder kurz vor der Abreise befinden, zeigen sich verunsichert von der Situation in Barcelona. Einige berichten, sich hauptsächlich in ihren Unterkünften aufzuhalten, um dort sicher zu sein. Viele besorgte Kunden wenden sich per Twitter an ihre Reiseveranstalter mit der Frage, ob Urlaub in Barcelona derzeit überhaupt sicher sei.

Andere berichten, dass die Proteste bislang erst am späten Nachmittag gestartet seien und ihre Reise nicht beeinträchtigt hätten: 

Eine andere Twitter-Userin schildert, sie sei am frühen Samstagabend in Barcelona angekommen und habe von den Protesten nichts zu spüren bekommen: „Außerhalb der Bereiche, in denen demonstriert wird, laufen die Leute herum, essen, trinken und machen, was man im Urlaub so macht. Es fühlt sich sehr sicher an.“

Das Auswärtige Amt rät Urlaubern in Barcelona noch immer, sich über lokale Medien und bei der Stadtverwaltung über die aktuelle Verkehrssituation zu informieren. Aktuelle Informationen gibt es auch auf der Twitter-Seite der katalanischen Generaldirektion für Bevölkerungsschutz.

Außerdem sollten Urlauber Demonstrationen und größere Menschenansammlungen weiträumig meiden und die Anweisungen der Sicherheitskräfte befolgen. Bei Problemen können sie sich an die Hotline der Tourismusbehörde der Stadt Barcelona wenden: 0034 932853834.

Video: Friedlicher Sitz-Streik in Barcelona

Wie friedlich die Proteste sein können, zeigte sich am Sonntagabend: Hunderte Katalanen saßen mit ihren Handylichtern vor dem Hauptbüro der spanischen Polizei in Barcelona.