Die schottische Stadt Dundee steht für drei Js: Da ist zum einen die Jute; die Stadt war einst ein Zentrum der Juteindustrie. Dann Jam – die bittere Orangenmarmelade wurde um 1760 herum in der Stadt am Fluss Tay erstmals kommerziell hergestellt. Das dritte J steht für Journalism – und für das Verlagshaus DC Thomson & Co. mit der Zeitung „The Sunday Post“.

Diese gab einer der beliebtesten schottischen Figuren 1936 erstmals eine Plattform: Oor Wullie, übersetzt so viel wie „Unser Willi“. Am 8. März des Jahres veröffentlichte die Zeitung den ersten Comicstrip mit den Abenteuern des mondgesichtigen kleinen William „Wullie“ Russell.

Erstes Oor-Wullie-Comic erschien 1936

Gemeinsam mit seinen Freunden Fat Bob, Wee Eck und Soapy Soutar sowie seiner Manchmal-Freundin Primrose Paterson durchstreift er seine (fiktive) Heimatstadt Auchenshoogle, ärgert sich über seinen Lehrer, der ihn William nennt, schmiedet unrealistische Pläne, wie er schnell reich werden kann, und bringt seine Eltern Ma und Pa regelmäßig zur Verzweiflung.

Zwei Dinge gehören untrennbar zu Wullie: ein Metalleimer, den er umgedreht als Sitzmöbel nutzt – und sein schottischer Slang. Vermutlich Letzterer sorgte dafür, dass Schottland Wullie in sein Herz schloss; einer Umfrage des schottischen „Sunday Herald“ zufolge gehört die Lektüre eines Wullie-Comicstrips zu den „100 things to do in Scotland before dying“, also den 100 Dingen, die man vor seinem Tod in Schottland getan haben muss.

Skulptur erinnert an den Comic-Helden

Die Stadt Dundee hat dem berühmten Comicbengel zum 80. Geburtstag ein Denkmal gesetzt: Seitdem finden Reisende vor den McManus Galleries am Albert Square eine Oor-Wullie-Skulptur. Im gleichen Jahr feierte Schottland Wullie erstmals mit einem Kunstprojekt namens „Oor Wullie’s Bucket Trail“. Zahlreiche Künstler erschaffen für einen guten Zweck Wullie-Skulpturen und stellen diese in schottischen Städten aus.

Bis heute erscheint Woche für Woche ein neues Abenteuer in der „Sunday Post“. Im Buchhandel gibt es Wullie-Jahrbücher.