Island will keinen Overtourism: Weg zu nachhaltigem Tourismus

Überfüllt? So will Island Overtourism verhindern

Das raue und wilde Island zieht immer mehr Touristen in seinen Bann. Bevor es dem Massentourismus zum Opfer fällt, versucht Island, den Ansturm mit Maßnahmen und nachhaltigem Tourismus zu bändigen.

Im Süden von Island liegt der Skógafoss: Die Gegend Islands ist besonders bei Touristen beliebt – dabei hat die Insel so viel mehr zu bieten.
Im Süden von Island liegt der Skógafoss: Die Gegend Islands ist besonders bei Touristen beliebt – dabei hat die Insel so viel mehr zu bieten.

Foto: imago images/Frank Wiedemeier

Es ist die spektakuläre und facettenreiche Landschaft Islands, die es zu einem Naturjuwel hoch im Norden macht. Von Gletschern über Geysire bis zu saftig grünen Schluchten – Touristen bekommen hier das volle Programm. Doch das empfindliche Ökosystem droht unter dem steigenden Zulauf zu zerbrechen.

Trauriges Beispiel ist die Fjaðrárgljúfur-Schlucht, die von Justin-Bieber-Fans überrannt und daraufhin für Besucher vorübergehend gesperrt wurde. Und die Bieber-Fans sind nicht die Einzigen: 2010 kamen noch 489.000 Menschen nach Island, 2018 waren es bereits 2,34 Millionen. Im Vergleich zu der Bevölkerungszahl von 350.000 Menschen – ganz schön heftig.

Video: Island bietet genug Platz für Touristen

Auf jeden Isländer kommen also sechs Touristen pro Jahr. Sie landen in Reykjavík und bleiben für einen Städtetrip auch oftmals dort, doch das gleiche Schicksal wie Venedig oder Amsterdam soll die isländische Hauptstadt nicht ereilen.

Dabei hilft: die Weite des Landes. Nach Angaben der Tourimusbehörde könnte das Land sogar noch mehr Touristen vertragen, von sieben Regionen in Island seien die meisten noch gar nicht entdeckt worden, sagt Inga Hlín Pálsdóttir, Direktorin bei „Visit Iceland“.

Overtourism und Massentourismus: Island verfolgt schon lange clevere Strategie

Ein weiterer Vorteil sei, dass das Land zu allen Jahreszeiten ein tolles Reiseziel sei, auch im Winter oder zur Weihnachtszeit. Aktuell kommen die meisten im Sommer – um Overtourism und Massentourismus nicht anzukurbeln, sollten Reisende ohnehin lieber die Nebensaison ansteuern.

Während andernorts Einheimische die negativen Folgen des Massentourismus deutlich spüren und sogar schon Benimmregeln für Urlauber als Straf-Maßnahme ergriffen wurden, seien Ingas Einschätzung nach die Isländer froh über die vielen Fremden: Island würde richtig aufleben, außerdem sorge das Wachstum für Innovation und förderliche Projekte. 

Von den Hotspots weglenken und vernachlässigte Regionen bekannt machen sowie die Vorzüge der kälteren Tage anpreisen: Diesen Weg hat auch das Tourismusmarketing der Niederlande kürzlich eingeschlagen. Island geht jetzt schon weiter und hat auf Drängen der Einwohner große Busse aus dem Stadtzentrum der Hauptstadt verbannt. Ähnliche Forderungen gibt es auch in Paris.

Außerdem gelten strikte Regeln für Airbnb-Hosts. Sie dürfen an nur maximal 90 Tagen im Jahr ihre Unterkunft privat über die Plattform vermieten. Auf die Lebensqualität der Reykjavíker wird Rücksicht genommen, indem in manchen Straßen nur eine begrenzte Zahl an Restaurants, Bars und Kneipen erlaubt sind. Um den Kern der Hauptstadt zu entlasten, wurden Museen, Lokale und Kunstgalerien nach außen verlagert.

Tipps für deine Reise: Mehr von Island erleben und zur Nebensaison kommen

Wenn du das Land im Vorhaben eines nachhaltigen Tourismus unterstützen möchtest, dann plane mehr als nur einen Abstecher nach Reykjavík oder einen Trip in den Süden entlang des Goldenen Rings ein. Das hat auch reisereporter Nils gemacht und Island von einer nahezu unberührten und wunderschönen Seite erlebt. Hier geht’s zu seinen Tipps.

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