Bhutan: Ein Land, in dem Glück wichtiger ist als Geld

Bhutan: Ein Land, in dem Glück wichtiger ist als Geld

Das asiatische Königreich Bhutan im Himalaya ist geheimnisvoll und rätselhaft: Unberührte Landschaften, faszinierende Tempel und außergewöhnlich glückliche Menschen. Wir nehmen dich in unserem Video mit.

Christiane Wittenbecher
Wer den Tempel „Tigernest“ besuchen will, muss einen Wanderweg nehmen und die Kamera draußen abgeben.
Wer den Tempel „Tigernest“ besuchen will, muss einen Wanderweg nehmen und die Kamera draußen abgeben.

Foto: Christiane Wittenbecher

In diesem 360-Grad-Video entführen wir dich in ein Land, das nicht viele Menschen vor dir gesehen haben. Denn: Einreisen ist teuer. Und nur möglich mit einem persönlichen Tourguide. Deinen Backpack kannst du also getrost zu Hause lassen. Dafür bekommst du aber alles all-inclusive: Von der Übernachtung bis zur täglichen Verpflegung.

Das Land öffnet sich erst seit wenigen Jahren der Welt, ganz langsam und behutsam. Denn die kulturellen Schätze und fast unberührten Landschaften sollen vom Massentourismus verschont bleiben. Nepal und Indien gelten hier als Negativschablonen. Deshalb ist der Tourismus streng reglementiert.

Video: 360-Grad-Tour durch Bhutan

Bhutan: Umweltschutz in der Verfassung verankert

Der Naturschutz ist sogar Teil der Verfassung: Ein Gesetz schreibt vor, dass etwa 60 Prozent der Landesfläche von Wald bedeckt sein müssen. Wilder Bauwut ist damit also schon von vornherein eine Grenze gesetzt. Und auch beim Bau selbst gibt es Vorschriften: Neue Häuser sollen dem traditionellen Look entsprechen, Hochhäuser wirst du hier nicht finden.

Auf dem Land siehst du schnell: Das Leben der Bauern ist sehr einfach. Aber der Erzählung, die Bhutaner seien die glücklichsten Menschen der Welt, wirst du schnell Glauben schenken, wenn du ein paar Nächte mit deinen Gastgebern in einem Bauernhaus verbringst. Als Gast wirst du das größte und schönste Zimmer im Haus bekommen. Nur fließend Wasser und Heizung gibt es nicht. Dafür aber alle Bettdecken für dich, die die Gastgeber zur Verfügung haben.

Viele Bauern betreiben Landwirtschaft ganz ohne Maschinen.
Viele Bauern betreiben Landwirtschaft ganz ohne Maschinen. Foto: Christiane Wittenbecher

Viele Bauern betreiben Landwirtschaft ganz ohne Maschinen. In Regionen wie dem Phobjika-Tal in Zentralbhutan sind die Highlights nicht Kino oder Konzerte, sondern die berühmten tibetanischen Schwarzhalskraniche. Auf die wartet man im Herbst schon ganz sehnsüchtig.

Etwas, das dir überall begegnen wird, sind die bunten buddhistischen Gebetsfahnen. Sie sind mit vielen kleinen Mantras bedruckt. Der Wind soll sie zu allen fühlenden Wesen hinaustragen und ihnen Glück bringen. Je ausgeblichener eine Gebetsfahne, desto besser also.

Je ausgeblichener eine Gebetsfahne, desto besser.
Je ausgeblichener eine Gebetsfahne, desto besser. Foto: Christiane Wittenbecher

Bunte Phallus-Symbole überall

Bei dieser Entdeckung müssen westliche Touristen meist kichern: An vielen Hausfassaden finden sich witzige Phallussymbole. Manchmal auch mit lustigen Gesichtern und bunten Schleifen. In allen möglichen Varianten, meist finden sich auf einer Wand gleich mehrere in verschiedenen Größen.

Der Tour-Guide, der das Gekicher nicht wirklich versteht, erklärt es so: „Diese Zeichnungen haben nicht unbedingt etwas mit Sexualität zu tun. Sie sollen vielmehr die Bewohner davor beschützen, dass über sie schlecht geredet wird.“

An vielen Hausfassaden finden Phallussymbole.
An vielen Hausfassaden finden Phallussymbole. Foto: Christiane Wittenbecher

Die Verbindungswege von der Hauptstadt im Westen Richtung Zentralbhutan werden gerade umfassend erneuert. Sogar eine Inlandsfluglinie gibt es seit Kurzem. Gerade in der Hauptstadt Thimphu nimmt der Autoverkehr immer mehr zu. Eine neue Entwicklung, der der Straßenbau noch etwas hinterherhinkt.

Das Schöne ist aber: Thimphu ist die einzige Hauptstadt der Welt, in der es (noch) keine Ampel gibt. Auf den Verkehrsinseln in Kreisverkehren stehen deshalb uniformierte Männer, die den Verkehr regeln. Ihre Bewegungen sind so grazil und eigen, dass es eher wie ein Tanz anmutet.

Auf den Verkehrsinseln in Kreisverkehren stehen uniformierte Männer, die den Verkehr regeln.
Auf den Verkehrsinseln in Kreisverkehren stehen uniformierte Männer, die den Verkehr regeln. Foto: Christiane Wittenbecher

Angst vor „Westvergiftung“

Einige Bewohner sehen die Modernisierung und Öffnung des Landes allerdings auch kritisch. So sagt der Touristenführer Tashi Peylang Lhendup, der Tourismus führe dazu, dass die Kultur verwässert werde. 

Er sagt: „Unsere Tourismuspolitik ist sehr gut. Wir ermuntern nicht gerade viele Leute, hierherzukommen. So verhindern wir eine Westvergiftung.“ Er befürchtet, dass die Moderne zu Gewalt und Verbrechen führen und dass die Lücke zwischen Arm und Reich sich vergrößern könnte.

Blick auf das Himalaya-Gebirge – das kleine Königreich Bhutan befindet sich im östlichen Bereich der Berge.
Blick auf das Himalaya-Gebirge – das kleine Königreich Bhutan befindet sich im östlichen Bereich der Berge. Foto: Christiane Wittenbecher

Eine echte bhutanische Tradition lässt sich aber auch in der Hauptstadt noch gut beobachten. Was bei uns der Fußball ist, ist hier das Bogenschießen. Zwei Gruppen treten gegeneinander an und müssen die Zielscheibe im gegnerischen Feld treffen. Auch wer die Regeln nicht gleich versteht, hat hier wirklich Spaß beim Zuschauen. Denn die Männer sind in traditionellen Roben gekleidet, den sogenannten Ghos. Und: Die rituellen Jubelchöre der Teams sind der Knaller!

Bhutan: Land des Glücks

Das kleine Königreich im östlichen Himalaya bietet ungemein schöne Schätze. So wie den Tempel „Tigernest“, die heiligste Pilgerstätte des Landes. Wer den Tempel besuchen will, muss einen Wanderweg nehmen und die Kamera draußen abgeben. 

Der Tempel „Tigernest“ ist die heiligste Pilgerstätte des Landes.
Der Tempel „Tigernest“ ist die heiligste Pilgerstätte des Landes. Foto: Christiane Wittenbecher

Drinnen hat man dafür einen Wunsch frei. Solche magischen Orte gibt es in Bhutan überall. Und jeder Bhutaner kann tolle Legenden dazu erzählen. Bhutan ist ein einzigartiges Reiseziel, nicht nur wegen des Glücks. Denn das findet man nicht in der Ferne, sondern nur in der Tiefe des eigenen Herzens, wie ein bhutanisches Sprichwort sagt.

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