Johannesburg: Auf den Spuren von Nelson Mandela

Johannesburg: Auf den Spuren von Nelson Mandela

Du reist nach Johannesburg? Dann nimmt dir unbedingt Zeit, um den Fußspuren von Nelson Mandela zu folgen – das Mandela-Haus und seine Anwaltskanzlei sind nur zwei von sieben Orten, die du sehen musst.

Johannes Dieterich
Du bist in Johannesburg? Dann begib dich auf die Spuren von Nelson Mandela.
Du bist in Johannesburg? Dann begib dich auf die Spuren von Nelson Mandela.

Foto: imago images/Greatstock

Beim Namen Nelson Mandela denkst du vielleicht an die Transkei, die verschlafene aber wunderschöne Region im Süden von Südafrika, in der die Legende geboren wurde. Oder du denkst an die Gefängnisinsel Robben Island im Atlantischen Ozean vor Kapstadt, wo der Befreiungsführer einen Großteil seiner 27 Haftjahre absaß. Oder aber an Pretoria, wo er im Zenit seines lebenslangen Kampfes angelangt als erster schwarzer Präsident Südafrikas residierte.

Dass Nelson Mandela den größten Teil seines Lebens in Johannesburg verbrachte, wird oft nicht wahrgenommen, dabei waren die Jahre in der Goldgräberstadt die für seinen politischen Werdegang weitaus wichtigsten. Hier kommen sieben Stationen, die du dir ansehen solltest:

1. Mandela House

Nelson Mandela bezog das kleine vierräumige „Matchbox“-Häuschen in einem der ältesten Teile Sowetos 1946 – fünf Jahre nach seiner Ankunft in die Goldgräberstadt. „Ich war mächtig stolz auf das Häuschen“, schrieb Mandela in seinen Memoiren „Der lange Weg zur Freiheit“: „Ein Mann ist kein Mann, bevor er nicht sein eigenes Haus hat.“

Was die Politikone geflissentlich unter den Tisch fallen ließ: Das Haus hatte der 28-jährige Jura-Student ausschließlich seiner damaligen Frau Evelyn Mase zu verdanken, die als Krankenschwester ein Anrecht auf eine Unterkunft hatte. Die Ehe mit Evelyn ging gründlich schief: Evelyn zog zehn Jahre später mit den drei gemeinsamen Kindern aus.

Nelson Mandela bezog sein Haus in einem der ältesten Teile Sowetos 1946 – fünf Jahre nach seiner Ankunft in Johannesburg.
Nelson Mandela bezog sein Haus in einem der ältesten Teile Sowetos 1946 – fünf Jahre nach seiner Ankunft in Johannesburg. Foto: Johannes Dieterich

Im darauffolgenden Jahr, 1957, lernte Nelson Mandela Nomzamo Winifred „Winnie“ Madikizela kennen, die nach der Heirat 1958 ins Haus Nr. 8115 einzog. Zu dieser Zeit war Mandelas Leben bereits ganz von seiner politischen Arbeit überschattet: Der Präsident der Jugendliga des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) musste sich immer öfters von der Polizei verstecken, bevor er 1962 schließlich verhaftet wurde.

Nach seiner Freilassung mehr als 27 Jahre später verbrachte er aus sentimentalen Gründen noch einmal zwei Wochen in dem Matchbox-Häuschen. Du kannst den hoch frequentierten Ort, der im touristischen Zentrum von Soweto, der Vilikazi-Street, liegt, entweder mit dem eigenen Mietwagen oder mit einer organisierten Tour besuchen.

Das Mandela-Haus | Adresse: 8115 Vilakazi St, Orlando West, Soweto, 1804

2. Mandelas Anwaltskanzlei im Chancellor House

In Johannesburg verdingt sich Mandela zunächst als Wachmann in einer Goldmine, setzt aber wenig später sein Jura-Studium an der Witwatersrand-Universität fort und eröffnet 1944 mit seinem Kommilitonen Oliver Tambo die erste schwarze Anwaltskanzlei in Südafrika.

Im zweiten Stock des Chancellor-House – direkt gegenüber des monumentalen Amtsgericht-Gebäudes – mieten sie ein Büro an. Heute sind in den Schaufenstern des Chancellor-Hauses allerlei Artefakte aus der damaligen Zeit ausgestellt, während vor dem Gebäude die überlebensgroße Statue eines boxenden Mandela in den Himmel ragt.

Mandela eröffnete 1944 mit seinem Kommilitonen Oliver Tambo die erste schwarze Anwaltskanzlei Südafrikas.
Mandela eröffnete 1944 mit seinem Kommilitonen Oliver Tambo die erste schwarze Anwaltskanzlei Südafrikas. Foto: Johannes Dieterich

Das Haus und ein im Erdgeschoss gelegenes Café wurden damals von weißen und schwarzen Kunden frequentiert, was höchst ungewöhnlich war und den Stadtrat zu der protokollarischen Notiz veranlasste: „In dem Haus treiben sich eine Menge Eingeborener herum. Sie schreien und stören.“

Tatsächlich konnten sich Mandela und Tambo vor Klienten zunächst kaum retten: Weil sie kein oder nur wenig Honorar verlangten, rannte ihnen die von der Polizei schikanierte schwarze Bevölkerung die Türen ein. Bald standen die beiden Anwälte wegen ihrer politischen Tätigkeit allerdings immer öfters selbst vor Gericht und fanden für ihre anwaltliche Tätigkeit kaum noch Zeit.

Als Tambo im April 1958 vom ANC ins Exil geschickt wurde, schloss die Kanzlei für immer die Tür. Die beiden Büroräume im 2. Stock des Chancellor House sollen bald als kleines Museum eröffnet werden. 

Chancellor House | Adresse: Fox Street Nr. 25, Ferreiras Dorp, Johannesburg

3. Der Walter Sisulu Square in Soweto

Der Walter Sisulu Square am Südrand von Soweto ist ein großer, von Arkaden und Säulen umgebene Platz, am Rand des bettelarmen Townships Kliptown, dessen Lebhaftigkeit partout nicht auf den stets menschenleeren Platz übergreifen will.

Höchstens eingefleischte Fans der südafrikanischen Befreiungsgeschichte verirren sich hierher, um in einem am Rand des Platzes errichteten Turm, der aus unerfindlichen Gründen den Great-Zimbabwe-Ruinen im Nachbarland gleicht, den Text der Freiheits-Charta zu studieren.

Der „Walter Sisulu Square“ in Sowetos Stadtteil Kliptown war Schauplatz der Verabschiedung der Freedom Charta 1955.
Der „Walter Sisulu Square“ in Sowetos Stadtteil Kliptown war Schauplatz der Verabschiedung der Freedom Charta 1955. Foto: Johannes Dieterich

Sie wurde hier im Juni 1955 von zahlreichen mit dem ANC verbündeten Organisationen verabschiedet – die Essenz ihrer zehn Artikel ging später in die neue südafrikanische Verfassung über. Außer der Forderung nach Verstaatlichung der Banken, Minen und Schlüsselindustrie: Sie war dem Einfluss der mit dem ANC verbündeten Kommunistischen Partei zuzuschreiben.

Mandela war während des von rund 3.000 Menschen besuchten Kongresses „gebannt“: Er durfte sich nicht in größeren Versammlungen aufhalten. Als Milchmann getarnt nahm er trotzdem an dem historischen Treffen teil, das allerdings bereits am zweiten Tag von der Polizei aufgelöst wurde. Es empfiehlt sich, den Platz nur im Rahmen einer Tour oder in Begleitung von Ortskundigen aufzusuchen.

Walter Sisulu Square | Adresse: Cnr Klipspruit Valley Road & Union Road Kliptown, Pimville Zone 9, Soweto, 1809

4. Das „Fort“ – heute Verfassungsgericht

Einst Gefängnis, heute Sitz des höchsten Gerichts des Landes: Das im Jahr 2004 fertiggestellte Verfassungsgericht ist eines der eindrucksvollsten zeitgenössischen Gebäude Südafrikas. Es wurde auf dem Areal eines ehemaligen Gefängnisses am Rand des Immigranten-Viertels Hillbrow errichtet – teilweise steht das eigenwillige und transparente Bauwerk sogar auf den Mauern der alten Haftanstalt.

Ein kraftvolles Symbol für den Triumph der Gerechtigkeit über den rassistischen Unrechtsstaat. Teile der alten Haftanstalt wurden renoviert und dienen heute als Ausstellungs- und Veranstaltungsräume. Auf dem Gelände, das sich weit über den „Verfassungshügel“ hin erstreckt, finden gelegentlich sogar Open-Air-Festivals statt.

Teile der alten Haftanstalt wurden renoviert und dienen heute als Ausstellungs- und Veranstaltungsräume.
Teile der alten Haftanstalt wurden renoviert und dienen heute als Ausstellungs- und Veranstaltungsräume. Foto: Johannes Dieterich

Nelson Mandela war zweimal kurzzeitig im alten „Fort“ eingesperrt. 1956 nach einer Hochverrats-Anklage, die schließlich mit einem Freispruch endete. Und erneut sieben Jahre später nach seiner Festnahme auf dem Weg von Durban nach Johannesburg, der schließlich der legendäre Rivonia-Prozess und eine 27-jährige Haftstrafe vor allem auf Robben Island folgten.

Mandela war damals im noch heute erhaltenen Krankenhaustrakt inhaftiert – aus Angst, dass er aus dem Untersuchungsgefängnis befreit werden könnte. In seiner damaligen Zelle ist ein kleines Museum installiert. Der Constitution Hill ist allgemein zugänglich und kann bedenkenlos alleine angesteuert werden. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, schon allein der Ausblicke auf Johannesburg wegen. 

Verfassungsgericht | Constitution Hill, 1 Hospital St, Johannesburg

5. Die Farm Liliesleaf

Die einst weit außerhalb Johannesburgs gelegene Farm Liliesleaf ist nicht nur ein außergewöhnlich entspannter Ort für einen Halbtagesausflug: Sie hat auch eine faszinierende Geschichte. Das Grundstück wurde Anfang der 60er-Jahre von Südafrikas Kommunistischer Partei (SACP) erworben: Hier bereitete die Führung des inzwischen verbotenen ANC den bewaffneten Kampf vor, zu dem Nelson Mandela nach dem Sharpeville-Massaker der Polizei im März 1960 aufgerufen hatte.

Noch heute ist in Liliesleaf das alte Farmgebäude zu sehen, das zur Tarnung von weißen SACP-Mitgliedern bewohnt war, während schwarze ANC-Führer wie Nelson Mandela und Walter Sisulu in den Dienstgebäuden schliefen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bekam die Polizei Wind von dem Versteck und überraschte die Farmbewohner im Juli 1963 mit einer Razzia. Wer den Unterschlupf verriet, ist noch immer ungeklärt.

Die Farm Liliesleaf ist ein außergewöhnlich entspannter Ort mit einer fesselnden Geschichte.
Die Farm Liliesleaf ist ein außergewöhnlich entspannter Ort mit einer fesselnden Geschichte. Foto: Johannes Dieterich

Sisulu wurde mit 18 weiteren führenden ANC- und SACP-Mitliedern festgenommen und gemeinsam mit Mandela, der bereits ein Jahr zuvor verhaftet worden war, wegen Sabotage vor Gericht gestellt. Mandela hatte während seines Aufenthalts auf der Farm eine Makarov-Pistole vergraben, die er bei einem Besuch in Äthiopien erhalten hatte.

Trotz erheblichem Suchaufwand wurde die Pistole nach der Freilassung Mandelas niemals gefunden. Liliesleaf ist heute ein Konferenz- und Ausstellungsort: Du solltest einen Besuch der informativen Gedächtnisstätte in entspannender Umgebung (mit Restaurant) nicht missen.

Liliesleaf | Adresse: 7 George Ave, Rivonia, Sandton

6. Das Apartheidmuseum

Wundere dich nicht, falls du beim Besuch des zwischen Johannesburg und Soweto gelegenen Apartheidmuseums keinen Abstellplatz für deinen Mietwagen findest. Das liegt weniger an der Geschichtsbesessenheit der Südafrikaner als an der Tatsache, dass der Parkplatz auch dem Vergnügungspark „Gold Reef City“ dient.

Die jauchzenden Schreie von der Achterbahn mögen dir beim Besuch des gruseligen Museums etwas merkwürdig vorkommen: Bist du aber im Inneren des eindrucksvollen Gebäudes angekommen, werden deine Sinne dermaßen in Beschlag genommen, dass du nichts anderes mehr wahrnehmen wirst.

Das Apartheidmuseum ist mit schriftlichen, visuellen und akustischen Dokumenten prall gefüllt.
Das Apartheidmuseum ist mit schriftlichen, visuellen und akustischen Dokumenten prall gefüllt. Foto: Johannes Dieterich

Das Apartheidmuseum ist mit schriftlichen, visuellen und akustischen Dokumenten dermaßen prall gefüllt, dass du mindestens drei Stunden für den Besuch veranschlagen solltest – anschließend brauchst du noch einmal Stunden, um dich von dem niederschmetternden Eindruck zu erholen.

Nelson Mandela spielt im Apartheidmuseum eine zentrale Rolle: Keine Etappe der zeitgenössischen südafrikanischen Geschichte wurde von ihm nicht zumindest mitgeprägt.

Apartheidmuseum | Adresse: Northern Park Way and Gold Reef Rd, Johannesburg

7. Die Nelson-Mandela-Stiftung

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Nelson Mandela außer in seinem  Haus im Johannesburger Luxusviertel Houghton vor allem in seinem nahegelegenen Büro im Haus der „Nelson Mandela Foundation“ in 107 Central Street. Den Sitz der wichtigsten der vier von Mandela gegründeten Stiftungen kannst du besuchen und dir im Rahmen einer ständigen Ausstellung auch das Büro des berühmtesten Südafrikaners anschauen.

Allerdings musst du dafür einen Termin mit der Verwaltung der Stiftung vereinbaren – an Werktagen zwischen 9 und 16 Uhr. In der Empfangshalle des eindrucksvollen Gebäudes ist außerdem eine wechselnde Ausstellung zu sehen, etwa von Künstlern, die Mandela als ihre Fantasie-Gestalt malten: Als Niñja, als rauchender Dandy oder als traditioneller Krieger mit Löwenmähne.

Das Büro, in dem Mandela viel Zeit während seiner letzten Lebensjahre verbrachte.
Das Büro, in dem Mandela viel Zeit während seiner letzten Lebensjahre verbrachte. Foto: Johannes Dieterich

Die Mandela-Stiftung kümmert sich um das bleibende Vermächtnis der Ikone, wie es in dem jährlich begangenen „Mandela Day“ am 18. Juli, in Begegnungen im Auditorium des Hauses oder in zahlreichen anderen Initiativen der Stiftung zum Ausdruck kommt.

Um die Ecke der Central Street wird derzeit eine Villa, in der Mandela nach seiner Freilassung für ein paar Jahre lebte, zu einem Boutique-Hotel umgebaut. 

Nelson-Mandela-Stiftung | Adresse: 107 Central St, Houghton Estate, Johannesburg

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