Pöbel-Passagiere: Crews in Norwegen wollen Alkoholverbot an Flughäfen

Pöbel-Passagiere: Crews wollen Alkoholverbot an Flughäfen

Immer wieder betrinken sich Passagiere vor oder während des Flugs und werden gewalttätig – das will die norwegische Kabinen-Vereinigung nun ändern. Sie fordert ein Alkoholverbot an norwegischen Flughäfen.

Duty-free-Bereich am Flughafen Gardermoen in Oslo.
In Oslo werden am Flughafen Gardermoen auch kleine Mini-Flaschen mit Rum und Branntwein verkauft.

Foto: imago/Action Pictures

Einige Bierchen noch vor dem Abflug trinken oder ein paar Mini-Flaschen Rum im Duty-free-Shop für den Flug kaufen – regelmäßig artet der Alkoholgenuss aus und führt zu Pöbeleien und Gewalt an Bord von Flugzeugen. Zum Leidwesen von Crew und anderen Fluggästen.

Ginge es nach der norwegischen Kabinen-Vereinigung wäre damit nun Schluss. Vertreter von SAS und Norwegian fordern, den Verkauf von Alkohol an norwegischen Flughäfen zu unterbinden – aus Sicherheitsgründen.

René-Charles Gustavsen, Chef der Vereinigung, sagte der Mitgliederzeitschrift der größten entsprechenden Fachvereinigung in Norwegen, „Parat Luftfahrt“, dass der zunehmende Konsum und die zunehmende Anzahl von Pöbel-Passagieren gefährlich für alle sei.

Der Ausschank von Bier soll an Norwegens Flughäfen verboten werden

„Immer mehr Passagiere betrinken sich stark und rasten an Bord aus, besonders schlimm ist es, wenn die Leute mit ihren eigenen Kindern unterwegs sind, die das hautnah miterleben“, sagte René-Charles Gustavsen. Die Passagiere würden sich bei der Sicherheitskontrolle und beim Check-in noch zusammenreißen, an Bord würden sie ihre Haltung aber verlieren.  

Die Vertreter schlagen deshalb dem Betreiber der norwegischen Flughäfen, Avinor, vor, den Bier-Ausschank einzustellen, Tax-free-Tüten zu versiegeln und Mini-Flaschen mit Branntwein aus dem Sortiment zu nehmen. 

Leere Flaschen auf dem Klo: Passagiere sollen trotz Verbot im Flieger Alkohol trinken

Eigentlich ist es verboten, die Mini-Flaschen im Flugzeug zu konsumieren. „Wir finden aber trotzdem nach jedem Flug leere Flaschen auf dem Boden, in den Sitztaschen, auf den Toiletten und sogar im Gepäckfach“, sagt Gustavsen. Deshalb sei es nun Aufgabe von Avinor, einzugreifen. 

In Norwegen meldeten die Gesellschaften 2017 insgesamt 161 Pöbel-Attacken aufgrund von Alkoholmissbrauch, 2018 waren es bereits 254. Die Dunkelziffer dürfte laut Gustavsen aber deutlich höher liegen. SAS hat auf einzelnen Routen bereits eine Alkohol-Obergrenze für die Menge eingeführt, die während des Flugs an einzelne Passagiere ausgeschenkt werden darf. 

SAS-Crew: Reisende gehen bei Alkoholschmuggel taktisch vor

Gustavsen macht klar, dass die Vereinigung nicht generell gegen den Tax-free-Verkauf sei – lediglich für strengere Regeln. „Wir wollen mehr Kontrolle darüber, dass Passagiere diese Waren nicht vor oder während des Flugs trinken.“ An Bord könnte man beim Verkauf besser eingreifen, bevor eine Situation eskaliere. 

Martinus Røkkum, SAS-Vertreter in dem Gremium, sagt: „Das Problem mit mitgebrachtem Alkohol steigt beständig. Die Reisenden gehen sogar taktisch vor und kaufen die gleichen Marken, die an Bord serviert werden, um nicht sofort aufzufallen.“

Avinor gibt sich gegenüber der Zeitschrift noch offen, was Diskussionen zu dem Thema angeht. Zu konkreten Vorhaben hielt man sich allerdings bedeckt. 

In Europa hat Norwegen eines der strengsten Alkohol-Gesetze. Bier wird in Supermärkten wochentags bis 20 Uhr, samstags bis 18 Uhr und sonntags gar nicht verkauft. Wein und Spirituosen müssen in Fachgeschäften erworben werden – die Altersgrenze hierfür liegt bei 20 Jahren. 

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