Namibia: Auf Nashornpirsch in der Halbwüste | reisereporter.de

Namibia: Auf Nashorn-Safari in der Halbwüste

Im Palmwag-Naturreservat im Nordwesten von Namibia lebt die größte Population Spitzmaulnashörner Afrikas. Ein guter Ausgangspunkt für Reisende, um den vom Aussterben bedrohten Tieren ganz nah zu kommen.

Frank Johannsen
Im Palmwag-Naturreservat sind Begegnungen mit Spitzmaulnashörnern nichts Ungewöhnliches. Hier leben die meisten der vom Aussterben bedrohten Tiere in Afrika.
Im Palmwag-Naturreservat sind Begegnungen mit Spitzmaulnashörnern nichts Ungewöhnliches. Hier leben die meisten der vom Aussterben bedrohten Tiere in Afrika.

Foto: Frank Johannsen

Wer Nashörner sehen will, muss früh aufstehen. Die Sonne ist kaum aufgegangen, da trommelt Bernardo Roman, den alle nur Bons nennen, die Gäste im Desert Rhino Camp in Damaraland im Nordwesten von Namibia zusammen.

„Nashörner sind am frühen Morgen aktiv“, erklärt Bons beim Einsteigen in den umgebauten Geländewagen. „Dann suchen sie nach Wasser und etwas zu fressen.“ Das sei deshalb die beste Zeit, die Tiere aufzuspüren. „Wenn es dann anfängt, heiß zu werden, suchen sie sich einen schattigen Platz unter einem Baum oder Busch und schlafen. Erst am Abend kommen sie wieder raus.“

Der Nordwesten Namibias ist die Heimat der Spitzmaulnashörner

Bons wirft den Motor an und steuert den offenen Geländewagen langsam aus dem Camp hinaus. Über staubige Pisten geht es hinein in die karge Halbwüste, die sich in alle Himmelsrichtungen bis zum Horizont erstreckt.

Die dünn besiedelte Region im Nordwesten Namibias ist die Heimat der Spitzmaulnashörner und das 4.500 Quadratkilometer große Palmwag-Naturreservat weist die größte Population der vom Aussterben bedrohten Tiere in ganz Afrika auf. Mittendrin wie eine Oase liegt das Desert Rhino Camp, das den Wildhütern als Stützpunkt dient – und Besuchern die Chance gibt, sie bei ihrer Arbeit zu begleiten.

Bernado „Bons“ Roman bringt Besuchergruppen im Reservat zu den Plätzen, an denen die Chancen am größten sind, Tiere zu sehen.
Bernado „Bons“ Roman bringt Besuchergruppen im Reservat zu den Plätzen, an denen die Chancen am größten sind, Tiere zu sehen. Foto: Frank Johannsen


Plötzlich taucht direkt vor dem Geländewagen eine Giraffe auf. Seelenruhig äst sie an einem der wenigen Bäume am Rande der staubigen Piste, reckt den langen Hals, um an das Grün ganz oben in der Krone zu kommen. Giraffen habe man hier viele, sagt Bons. Und noch mehr Onyxantilopen, fügt er hinzu – und greift zum Fernglas.

Auf einer Bergkuppe hat er eine Gruppe Onyxe erspäht, die an einem Busch äsen. „Bei uns heißt der daher nur Onyx-Salat“, sagt Bons und kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen.

Camp liegt 24 Kilometer von Spaarwater entfernt

Die Gegend kennt der 37-Jährige wie seine Westentasche. Und das nicht nur, weil er schon seit sechs Jahren hier Besuchergruppen begleitet. „Ich bin hier aufgewachsen“, erzählt er. Sein Dorf Spaarwater liegt nur 24 Kilometer vom Camp entfernt.

„Und als ich Kind war, war es hier noch normal, dass die Tiere gejagt und gegessen wurden. Das hat sich geändert.“ Auch dank des Desert Rhino Camps. Schließlich stammen 90 Prozent der Mitarbeiter aus den umliegenden Dörfern.

Im Palmwag-Naturreservat sind auch Onyxe unterwegs.
Im Palmwag-Naturreservat sind auch Onyxe unterwegs. Foto: Frank Johannsen


Plötzlich tritt Bons auf die Bremse. Am Rand der Piste hat er eine Spur erspäht. Nashörner? „Nein, Elefanten“, winkt Bons ab, „und die Spur ist schon alt.“ Es lohne sich nicht, ihr zu folgen.

Vielversprechender ist da der Haufen aus Kot, den er wenig später am Wegesrand erblickt: „Nashörner nutzen solche Haufen, um ihr Revier zu markieren. Die kommunizieren mit Kot.“ Und sie ziehen auch eine Spur aus Kot hinter sich her, wenn sie durch die Halbwüste streifen. Dem müsse man dann nur folgen. „Die Spur ist aber auch schon mindestens einen Tag alt.“ Wieder kein Glück.

Wildhüter halten nach Tieren Ausschau

Dann knackt das Walkie-Talkie. Die Wildhüter, die schon zwei Stunden vor der Besuchergruppe aufgebrochen sind, haben Nashörner gefunden. „Ganz in der Nähe“, sagt Bons – und schaltet einen Gang hoch. Er steuert den Geländewagen durch ein ausgetrocknetes Flussbett, biegt dann von der Piste ab, steuert den Wagen einen sandigen Hügel hinauf.

Bäume, Büsche und grünes Wüstengras zeugen davon, dass hier im Untergrund noch Wasser zu finden ist. Genau das seien die Stellen, wo die Tiere nach Trinkwasser suchen, erklärt Bons. Und daher auch die besten Plätze, um sie zu beobachten.

Dann stellt er den Motor ab. „Das letzte Stück müssen wir zu Fuß gehen.“ Die Wildhüter, von denen der Tipp per Walkie-Talkie kam, warten bereits. Im Gänsemarsch geht es dann durch die Büsche. Wenn man in einer Reihe hintereinander geht, nehmen die Nashörner das nur als Strich in der Landschaft wahr und fühlen sich nicht bedroht, erklärt Bons noch schnell. Dann herrscht Redeverbot. Nur mit Handzeichen stimmen sich die Wildhüter ab.

Nashörner sehen zwar schlecht, aber sie hören gut und können extrem gut riechen.

Bernardo Roman, Mitarbeiter des Desert Rhino Camps


„Nashörner sehen zwar schlecht, aber sie hören gut und können extrem gut riechen.“ Deshalb müsse man sich den Tieren auch immer gegen den Wind nähern. Und wenn ein Nashorn doch auf einen zukommt? „Auf keinen Fall wegrennen, sondern hinhocken und ruhig sitzen bleiben“, flüstert Bons.

Und mit etwas Glück gelinge es den anderen Wildhütern dann, das Tier mit umso mehr Lärm abzulenken und wegzulocken. Denn ein ausgewachsenes Nashorn wiege schnell mehr als eine Tonne. „Und wenn eine Tonne mit 40 bis 50 Kilometern pro Stunde auf dich zurast, dann hilft nur hinhocken und beten.“

Wenig Vegetation: Nur maximal 25 Prozent des Bodens sind mit Pflanzen bedeckt – die Gegend im Nordwesten von Namibia ist eine Halbwüste.
Wenig Vegetation: Nur maximal 25 Prozent des Bodens sind mit Pflanzen bedeckt – die Gegend im Nordwesten von Namibia ist eine Halbwüste. Foto: Frank Johannsen

Nach zehn Minuten Fußmarsch wird das schützende Buschwerk lichter. Und dann sind sie da: ein großes und ein etwas kleineres Nashorn, eng beieinanderstehend in den Büschen. Keine 80 Meter entfernt. Sie stehen wie angewurzelt da und blicken in die Richtung, aus der die Menschen kommen.

Trotz schlechter Augen scheinen sie zu spüren, dass da etwas Ungewöhnliches ist. Doch die Wildhüter werfen den Besuchern aufmunternde Blicke zu und machen per Handzeichen klar: keine Gefahr!

Zu den Bewohnern des Reservats gehören auch Giraffen.
Zu den Bewohnern des Reservats gehören auch Giraffen. Foto: Frank Johannsen


Zehn Minuten lang stehen sich Mensch und Nashorn wie angewurzelt gegenüber. Nur das leise Klicken der Kameras durchbricht die Stille. Zumindest das kleinere Nashorn scheint dann die Lust am gegenseitigen Beäugen zu verlieren. Demonstrativ dreht es sich zur Seite, als wolle es Desinteresse bekunden. Doch das große Nashorn bleibt wie versteinert stehen, hält den Blick starr in die Richtung der Besucher. Erst nach weiteren quälend langen zehn Minuten treten die Tiere gemeinsam den Rückzug ins Dickicht an. Und die Besucher machen sich auf den Rückweg.

„Nein, sehen konnten die uns sicher nicht“, beruhigt Bons, nachdem das Sprechverbot wieder aufgehoben ist. „Die werden nur Umrisse erkannt haben. Aber sie werden uns gehört haben.“ Gefahr habe aber nicht bestanden. „Wir waren in sicherem Abstand. Da haben sie sich nicht bedroht gefühlt.“

Save th Rhino Trust hilft beim Schutz vor Wilderern

Und warum wirkten die Hörner der beiden so seltsam abgesägt? Das mache man hier ganz bewusst, erklärt Jason Waeterera vom Save the Rhino Trust, der in dem Schutzgebiet den Part der Wildhüter übernimmt. Seit 2014 werde das in Namibia gezielt gemacht, um Wilderern das Handwerk zu legen.

Denn die haben es vor allem auf das Horn abgesehen. „Das hat für die Tiere aber auch negative Effekte. Sie brauchen das Horn zum Kämpfen, zum Graben, um sich zu verteidigen.“ Immerhin wachse das Horn aber nach. Und Wilderer habe er seither nie wieder gesehen.

Guter Ausgangsort: Das Desert Rhino Camp mit seinen acht großen, komfortablen Zelten befindet sich direkt im Reservat.
Guter Ausgangsort: Das Desert Rhino Camp mit seinen acht großen, komfortablen Zelten befindet sich direkt im Reservat. Foto: Frank Johannsen


Und die Touristen? Die helfen sogar, ist sich Clement Laurence vom Camp-Betreiber Wilderness Safaris sicher. Nicht nur, weil das Camp mit den Einnahmen aus den acht Doppelbettzelten die Arbeit der Wildhüter finanziert. „Wenn hier Touristen sind, ist das der beste Schutz für die Tiere.“

Denn die Touristenfahrten würden auch die Wilderer abschrecken. „Die wissen, dass sie hier nicht mehr zu kommen brauchen, wenn hier immer Touristen herumfahren. Die Wildhüter können ja nicht überall sein.“

Tipps für deine Reise nach Namibia

Anreise: Air Namibia und Eurowings fliegen ab Frankfurt am Main direkt in die namibische Hauptstadt Windhoek. Der Flug dauert rund zehn Stunden. Nur wenig länger dauert es bei Ethiopian Airlines mit Umsteigen in Addis Abeba. Von Windhoek geht es entweder per Flugzeug oder mit dem Mietwagen weiter ins Desert Rhino Camp. Wilderness Safaris bietet Direktflüge mit kleinen Propellermaschinen an, die rund 90 Minuten dauern. Mit dem Auto braucht man für die gut 600 Kilometer lange Strecke rund sieben Stunden. Der Mietwagen muss am Eingang zum Schutzgebiet stehen bleiben, von dort sind es dann noch einmal zweieinhalb Stunden mit einem Geländewagen bis ins Camp.

Einreise: Deutsche brauchen für Namibia kein Visum. Für Reisen bis 90 Tage reicht ein Reisepass, der nach der geplanten Rückreise noch mindestens sechs Monate gültig sein muss. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren müssen zusätzlich zum Reisepass eine Geburtsurkunde in beglaubigter englischer Übersetzung vorweisen, in der die mitreisenden Eltern aufgeführt sind. Impfungen sind nicht vorgeschrieben.

Beste Reisezeit: In Namibia herrscht ein trockenes, heißes Klima. Die beste Reisezeit ist im namibischen Winter in den Monaten Juli und August. Dann ist es weniger heiß, und es gibt kaum Regen. In den Sommermonaten Dezember und Januar wird es dagegen empfindlich heiß. Von Dezember bis April ist in Namibia Regenzeit. In den Wüsten und Halbwüsten fällt aber auch dann so gut wie kein Niederschlag.

Unterkunft: Im Desert Rhino Camp stehen acht hüttenähnliche Doppelbettzelte mit Dusche und WC für Besucher zur Verfügung. Übernachtungen sind ab etwa 342 Euro pro Person buchbar, Verpflegung und zwei Aktivitäten pro Tag sind im Preis eingeschlossen. Etwas komfortabler sind die Zimmer im Damaraland Camp. Dort stehen neun Doppelbetthütten und eine Familienhütte für vier Personen zur Verfügung. Übernachtungen ab etwa 353 Euro pro Person. Das Serra Cafema Camp am Ufer des Kunene bietet acht exklusive Chalets mit Doppelbett, die zu Ehren der Tradition und Kultur der halbnomadischen Himba gestaltet sind. Übernachtungen ab etwa 576 Euro pro Person.

Sprache: Obwohl Namibia bis 1915 deutsche Kolonie war, wird im Nordwesten des Landes heute kaum noch Deutsch gesprochen. Mit Englisch kann man sich dagegen fast überall verständigen. Die Einheimischen sprechen hier Khoekhoe, das wegen seiner auffallenden Klicklaute auch als Click Language bezeichnet wird. Weit verbreitet ist zudem Afrikaans. Die Buren-Sprache haben die 1974 aus Südafrika hierher deportierten Riemvasmaker mit in die Region gebracht.

Veranstalter: Das Safariunternehmen Wilderness Safaris wurde 1983 in Botswana gegründet und hat sich einem nachhaltigen, sanften Tourismus verschrieben. In Namibia betreibt es sieben Camps sowie die Fluggesellschaft Wilderness Air, die die Camps mit Kleinflugzeugen anfliegt.

Währung: In Namibia gilt seit 1993 der Namibia-Dollar. Er ist im Verhältnis 1:1 an den südafrikanischen Rand gekoppelt. Außerdem wird auch der südafrikanische Rand als Zahlungsmittel akzeptiert.

   

Die Reise wurde unterstützt von Wilderness Safaris, Ethiopian Airlines und dem Namibia Tourism Board. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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