Huelva in Spanien: Wo es nach Orangen duftet | reisereporter.de

Huelva in Spanien: Wo es nach Orangen duftet

In der spanischen Provinz Huelva hütet die Familie Iglesias seit mehr als 80 Jahren das Geheimnis ihres Orangenweins. In einem Kloster aus dem 18. Jahrhundert reift die Spezialität in Eichenfässern.

In den Eichenfässern der Bodegas Iglesias in Bollullos Par del Condado in der spanischen Provinz Huelva reifen sieben Weinsorten heran.
In den Eichenfässern der Bodegas Iglesias in Bollullos Par del Condado in der spanischen Provinz Huelva reifen sieben Weinsorten heran.

Foto: Nathalie Thanh Thuy Schwertner

Eine süße Sünde lockt Reisende in die Gemeinde Bollullos Par del Condado zwischen der Provinzhauptstadt Huelva an der Costa de la Luz und Andalusiens Metropole Sevilla. Hinter unscheinbaren Schiebetoren befindet sich hier die Bodegas Iglesias.

Schon im Hof ist das Klirren von Gläsern zu hören, Gelächter ertönt aus dem Weinkeller der Familie Iglesias. Mit einem herzlichen „Buenos días!“ winken José Manuel Iglesias und sein Neffe Fernando Iglesias Besucher in das dunkle Ziegelgewölbe. Beim Betreten steigt mostiger Geruch in die Nase.

Orangenwein hat Bodegas Iglesias bekannt gemacht

Vor allem mit einer Kreation hat sich die mittlerweile in der dritten Generation geführte Bodega einen Namen gemacht: dem Orangenwein. Nach José Iglesias’ Angaben waren seine Vorfahren die ersten in Andalusien, die schon 1935 die Schalen der Bitterorange zu den bereits gegorenen Trauben der Weißwein-Rebsorten Zalema und Pedro Ximénez hinzugegeben haben. „Danach gab es viele Nachahmer“, sagt er.

Zwischen selbstgemalten Gemälden der Bodegas Iglesias können Besucher den Wein verkosten, dazu werden spanische Tapas serviert.
Zwischen selbstgemalten Gemälden der Bodegas Iglesias können Besucher den Wein verkosten, dazu werden spanische Tapas serviert. Foto: Nathalie Thanh Thuy Schwertner


Bis heute reift die Mischung neun Monate lang in Eichenfässern und nimmt dabei eine dunkelbraune Farbe an.

Die Familie setzt auf Regionalität – nicht nur bei den Rebsorten, die sie verwendet. Die Bitterorangen, die im Wein landen, werden größtenteils in der Hügellandschaft rund um Huelva und Sevilla geerntet. Die Früchte finden Verbraucher auch zu Marmelade oder Likör verarbeitet im Supermarkt. Nicht von ungefähr werden sie auch Sevilla-Orangen genannt.

Im Frühling scheinen die weißen Blüten der Bäume die zahlreichen Plantagen zu bedecken. Ihr Duft liegt auch in der Luft von Sevilla. Die Stadt ist ein beliebtes Ausflugsziel von Touristen, die nicht nur einen Strandurlaub an der Costa de la Luz verbringen möchten, sondern auch mehr von Andalusiens wechselseitiger Geschichte erfahren wollen.

In der Provinz Huelva lohnt sich auch ein Besuch der Kleinstadt Niebla. Sie befindet sich 20 Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Huelva, circa 20 Minuten Autofahrt von der Bodega Iglesias entfernt. Im Zentrum erinnert die ehemalige Moschee und heutige Kirche Santa María de la Granada an die jahrhundertelange Herrschaft der arabischen Mauren.

In der Region Huelva lohnt sich auch ein Besuch des Städtchens Niebla. Die heutige Kirche Santa Maria de la Granada war im elften Jahrhundert noch eine Moschee. Deshalb sind hier romanische, gotische und sogar maurische Elemente zu sehen.
In der Region Huelva lohnt sich auch ein Besuch des Städtchens Niebla. Die heutige Kirche Santa Maria de la Granada war im elften Jahrhundert noch eine Moschee. Deshalb sind hier romanische, gotische und sogar maurische Elemente zu sehen. Foto: Nathalie Thanh Thuy Schwertner

Auch die Bodegas Iglesias hat eine längere Geschichte als nur die Weinkellerei selbst. In dem ehemaligen Kloster aus dem 18. Jahrhundert reichten einst Mönche vorbeikommenden Pilgern ein Glas Wein. An dieser Tradition hält Familie Iglesias auch noch heute fest. Gemälde mit christlichen Motiven hängen über den lagernden Weinfässern.

Zur Weinprobe gibt es Tapas

Zeit für die Weinprobe. Als Grundlage für den Orangenwein, mit einem Alkoholanteil von 15 Prozent, und noch stärkere Erzeugnisse wie den Wermut, serviert Familie Iglesias Tapas. Platten mit spanischem Manchego und dem regionalen und weltbekannten Ibérico-Schinken bedecken die runden Tische.

Die Verkostung reicht vom leichten Weißwein bis zum schweren Sherry. Mit jedem Schluck wird die Stimmung ausgelassener. Abschließend wird eine Flasche mit orangefarbenem Etikett geöffnet. Der orangefarbene „PAR Vino Naranja“ riecht fruchtig – geschmacklich erinnert er an Dessertwein.

Die Süße des Orangenweines ließe sich gut mit Schweinefleisch oder Fisch kontrastieren, rät José Iglesias. Ganz klassisch kombiniere er ihn gern mit Schokolade.

Während die letzten Gäste die Bodega verlassen, verrät Neffe und Finanzchef Fernando Iglesias: „Es ist nicht so einfach mit meinem Onkel“, als Jüngster müsse er sich immer wieder beweisen. Und das am liebsten auch bald als Vater, wie sein Onkel ankündigt: „Die vierte Generation der Iglesias ist in der Mache!“

Tipps für deine Reise nach Spanien

Anreise: Die Provinz Huelva ist gut über die Flughäfen Faro in Portugal sowie Sevilla in Spanien erreichbar. Vor Ort empfiehlt sich ein Mietwagen.

Veranstalter: Eine Woche im Tui Family Life Islantilla mit Flug und All-inclusive-Verpflegung ist bei Tui im Spätherbst ab 570 Euro pro Person im Doppelzimmer buchbar. Während der Tagestour Viva Andalusia für 65 Euro pro Person werden die Bodegas Iglesias und die historischen Städte Niebla und El Rocío nahe dem Nationalpark Doñana besucht.

Zudem erfahren Reisende in Palos de la Frontera mehr über Kolumbus’ Entdeckung Amerikas – von hier stach er am 3. August 1492 mit der „Santa Maria“ in See.
 

In Palos de la Frontera stehen Replika der beiden Karavellen Niña und Pinta und der Karacke Santa Maria, mit der Christoph Kolumbus 1492 zu seiner ersten Reise aufbrach.
In Palos de la Frontera stehen Replika der beiden Karavellen Niña und Pinta und der Karacke Santa Maria, mit der Christoph Kolumbus 1492 zu seiner ersten Reise aufbrach. Foto: Nathalie Thanh Thuy Schwertner

   

Die Reise wurde unterstützt von Tui. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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