Nach Pleite: So bedrängen Hotels Thomas-Cook-Gäste

Nach Pleite: So bedrängen Hotels Thomas-Cook-Gäste

Nach der Thomas-Cook-Pleite sitzen Urlauber überall auf der Welt fest. Etliche berichten von unfassbaren Szenen in Hotels: Sie seien zu Zahlungen aufgefordert und sogar angegriffen worden.

Für viele Urlauber wurde die Reise nach der Thomas-Cook-Pleite zum Horrortrip. (Symbolfoto)
Für viele Urlauber wurde die Reise nach der Thomas-Cook-Pleite zum Horrortrip. (Symbolfoto)

Foto: imago images/Agencia EFE

„Sie lassen uns nicht gehen, bevor wir bezahlen!“, „Wir wurden an der Tür aufgehalten und aufgefordert zu zahlen“, „Wir fühlen uns bedroht“, „Wir bekommen kein Zimmer“, „Wir sollen 2.800 Euro zahlen, sonst werden wir nicht rausgelassen“, „Wir fühlen uns wie Zechpreller“ – solche Nachrichten von Urlaubern auf der ganzen Welt kommen beim reisereporter seit Montag gehäuft an.

Grund dafür: Weil der insolvente Reise-Gigant Thomas Cook Rechnungen nicht bezahlt habe, hätten viele Hotels die Urlauber aufgefordert, ihren Aufenthalt noch einmal zu bezahlen. Teilweise sei es nicht bei einer mündlichen oder schriftlichen Bitte geblieben: Wenn Touristen sich weigerten zu zahlen, sollen Mitarbeiter sie bedrängt und versucht haben, sie an der Abreise zu hindern.

Dominikanische Republik: Handgreiflichkeiten vor Hotel

Es soll sogar zu Handgreiflichkeiten gekommen sein, das zeigt ein Video von „n-tv“. Darin ist zu sehen, wie zwei Urlauber von einem Sicherheitsdienst-Mitarbeiter aufgehalten werden. Alle drei zerren an einem Koffer, die Frau schreit: „Loslassen!“

Gemeinsam mit ihrem Begleiter schafft sie es schließlich, das Gepäckstück loszureißen und wegzugehen. Die Szene soll sich vor einem Hotel in der Dominikanischen Republik abgespielt haben und von deutschen Touristen gefilmt worden sein, so „n-tv“. Dass Urlauber dort bedrängt werden – offenbar kein Einzelfall.

„Wir brauchen dringend Hilfe. Sitzen in Punta Cana fest und sollen 2.800 Euro zahlen, sonst werden wir nicht rausgelassen“, schrieb Ralph J. dem reisereporter. Als er versucht habe, das Hotel zu verlassen, sei ihm mit dem Sicherheitspersonal gedroht worden. 

Mallorca: „Reihenweise Hotelgäste“ sollen extra zahlen

Auch auf Mallorca sollten „reihenweise Hotelgäste“ ihren Aufenthalt noch einmal aus eigener Tasche bezahlen. „Wir sitzen im Hotel Tora auf Mallorca fest. Sie lassen uns nicht gehen, bevor wir bezahlen!“, schrieb Manuel K. dem reisereporter. 

Andere Touristen seien vorzeitig abgereist und berichteten, sie hätten „die Flucht ergriffen“, so ein Urlauber gegenüber der „Mallorca Zeitung“. Ein Mann berichtete, er habe 800 Euro bezahlt. „Das Wort Nötigung ist da zu harmlos, das ist Erpressung“, sagte er. Ob er das Geld wiederbekomme? „Weiß ich nicht.“

Einige Hotels bedrängten Gäste. Sie durften nicht einchecken, bevor sie nicht extra gezahlt haben, oder wurden nicht rausgelassen. (Symbolfoto)
Einige Hotels bedrängten Gäste. Sie durften nicht einchecken, bevor sie nicht extra gezahlt haben, oder wurden nicht rausgelassen. (Symbolfoto) Foto: imago images/Belga

Türkei: Gäste aus Hotelzimmer ausgesperrt

An der türkischen Ägäis sei ihr Hotelzimmer gesperrt worden, schreibt Nicole H. in einer E-Mail an den reisereporter. „Wir mussten die Hotelkosten noch mal zahlen, um nicht auf der Straße zu sitzen.“ 

Von einer ähnlichen Situation berichtet Christin L., die mit zwei Kindern sowie einem Baby mit Öger Tours in der Türkei war. „Manche haben versucht auszuchecken. Sie wurden an der Tür aufgehalten und aufgefordert zu zahlen.“ Der Hotelmanger sei nicht entgegenkommend und wolle die komplette Summe. „Wir wissen einfach nicht weiter.“

Hotel in Thailand: „Wir werden die Gäste nicht auschecken lassen“

Ein Fünf-Sterne-Hotel in Khao Lak in Thailand bestätigte, dass es auf Zahlungen vor Ort bestehe. „Wir haben von Thomas Cook zum letzten Mal im Juni Geld bekommen. Im Juli nichts und im August nichts. Weil die Firma pleite ist, müssen wir uns direkt an die Gäste wenden“, so der Manager. 

Falls sich Gäste weigerten, gebe es eine klare Vorgehensweise: „Wir werden die Gäste nicht auschecken lassen. Wir werden die Polizei rufen.“

Thomas-Cook-Versicherer: An Hotels soll wieder Geld fließen

Vorkommnisse dieser Art kritisiert Reiserechtsanwalt Paul Degott scharf: „Das geht gar nicht. Rein rechtlich ist das Freiheitsberaubung“, sagte er dem reisereporter. Meist verhielten sich die Hotels fair, so der Deutsche Reiseverband, aber: „Es gibt leider auch Fälle, die völlig inakzeptabel sind.“

Solche Szenen und die Ungewissheit der Urlauber vor Ort gehören hoffentlich ab diesem Freitag, 27. September, der Vergangenheit an. Zurich, der Thomas-Cook-Versicherer, kündigte an, dass ab heute wieder Zahlungen an Hotels im Ausland fließen sollen. Die Zahlungen an die Hotels sind laut Zurich an die Bedingung geknüpft, dass Urlauber nicht mehr zu Extra-Zahlungen aufgefordert werden.

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