Kanadas Festival-City: Warum du nach Edmonton musst | reisereporter.de

Kanadas Festival-City: Warum du nach Edmonton musst

In Edmonton, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta, ist immer etwas los. Es gibt exzellente Restaurants, jede Menge Shops, viel Grün – und vor allem im Sommer und Herbst etliche Festivals.

Edmonton dies- und jenseits des Flusses: Ein Besuch des idyllischen Tals lohnt sich genauso, wie die Innenstadt zu erkunden.
Edmonton dies- und jenseits des Flusses: Ein Besuch des idyllischen Tals lohnt sich genauso, wie die Innenstadt zu erkunden.

Foto: Edmonton Tourism

Es ist ein gutes Zeichen, wenn das Wetter bei einem Städtetrip nicht so ganz mitspielt, aber trotzdem keine schlechte Laune aufkommt. Ein Schauer entlädt sich über der kanadischen Stadt Edmonton, und man selbst ist mittendrin. Schirm im Hotel, Regenjacke zu Hause, Mietwagen irgendwo, jedenfalls nicht in der Nähe.

Der ideale Zeitpunkt, um in eines der Geschäfte auf der Whyte Avenue zu flüchten. Und davon gibt es hier, im Stadtteil Old Strathcona, mehr als genug: Antiquariat, Lebensmittelhändler, Modeladen – nichts wie rein.

Old Strathcona ist ein besonders angesagtes Viertel

Old Strathcona ist eines jener Viertel, die Trends einatmen wie Sauerstoff und sie perfekt umsetzen. Ein bisschen so, wie man sich als Nichtberliner immer Berlin-Mitte vorstellt. Old Strathcona ist quasi das Berlin-Mitte von Edmonton.

Die Geschichte zeigt sich hier in zahlreichen alten Gebäuden und die Gegenwart in der unfassbar großen Menge an jungen Leuten, die durch die Straße ziehen und beharrlich vor Restaurants und Cafés Schlange stehen. Wohl dem, der ausgerechnet hier von einem Regenschauer überrascht wird.

Video-Tour durch Edmonton

Eines der jüngsten Beispiele fürs Schlangestehen ist eine Eisdiele. Und zwar eine, die unter normalen Umständen kaum aufzufinden wäre, denn sie ist ziemlich versteckt in einem Hinterhof untergebracht. Wahrscheinlich würde sogar wirklich jeder daran vorbeigehen – wäre da nicht ständig diese Menschenschlange.

Made by Marcus heißt der Laden, den Marcus Purtzki aus Calgary vor gar nicht allzu langer Zeit hier eröffnet hat. Und es dauerte nicht lang, da gehörte die Eistüte in der Hand mit gut durchdachten Sorten wie Maple Bacon Pancake oder Vegan Tahini Cookie Dough zum Alltagsbild in der angrenzenden Whyte Avenue. Ob es am Ende vielleicht sogar nur an den ungewöhnlichen Namen liegt? Völlig egal: Wer hier zum Alltag gehört, hat es geschafft.

Auf seltsame Weise endet jeder Edmonton-Besucher irgendwann bei einem Eis von Marcus, zumindest, wer sich in der obligatorischen Schlange vor der Eisdiele nach vorn gearbeitet hat.
Auf seltsame Weise endet jeder Edmonton-Besucher irgendwann bei einem Eis von Marcus, zumindest, wer sich in der obligatorischen Schlange vor der Eisdiele nach vorn gearbeitet hat. Foto: Michael Pohl


Die Whyte Avenue ist so etwas wie der Indikator für das, was Edmonton bewegt. Zwischen Halifax Streetfood, Situation-Mikrobrauerei und dem Meat Restaurant kann man sich gut und gern ein paar Wochen satt essen – ohne je den Eindruck zu bekommen, irgendeinen Trend zu verpassen.

Das mag ein bisschen mit der wirtschaftlichen Entwicklung Edmontons zusammenhängen. Historisch gesehen ist die Hauptstadt der Provinz Alberta Kanadas Ölhauptstadt. Die Athabasca-Ölsande nordöstlich der Stadt sind die weltweit zweitgrößte Erdölreserve nach denen in Saudi-Arabien.

Doch die Wirtschaft wurde zunehmend diversifiziert. Heute ist sie auch geprägt von der IT-Industrie und dem Finanzsektor. Branchen, die gewöhnlich Geld in eine Stadt spülen – und Leute, die es ausgeben wollen. Nicht zuletzt für schöne Dinge und gutes Essen.

Die Whyte Avenue könnte man als Hipstergegend der Stadt bezeichnen.

Phil Wilson, Foodblogger aus Edmonton


„Die Whyte Avenue könnte man als Hipstergegend der Stadt bezeichnen“, sagt Phil Wilson, Foodblogger aus Edmonton, sie sei angesagt gleichermaßen bei Einheimischen wie Besuchern. Ein Großteil der besten Restaurants sei aber genau genommen in der Innenstadt zu finden.

Edmontons Stadtviertel wirken wie eigene Zentren

Der North Saskatchewan River trennt die Stadt einmal diagonal in zwei Teile. Und auch wenn eine Reihe von Brücken über das Flusstal beide Hälften verbindet, so scheinen sich die Gebiete doch eigenständig weiterentwickelt zu haben. Hier das studentische Old Strathcona mit seinen kleinen Bauten aus dem 19. und 20. Jahrhundert, dort das eigentliche Zentrum mit Hochhäusern, Banken und den großen Hotelkomplexen. Und mittendrin zieht sich der Fluss wie ein Band quer durch die gesamte Fläche.

Die zahlreichen Parks am Ufer bewirken einen kleinen Rekord: Edmonton weist die größte pro-Kopf-Fläche an Parkanlagen aller kanadischen Städte auf. Im Sommer allerdings womöglich auch die höchste Population an Mücken, wie sich dann bei einem Spaziergang im Tal früher oder später zeigt.

Edmonton und seine Umgebung lassen sich auch gut mit dem Fahrrad erkunden.
Edmonton und seine Umgebung lassen sich auch gut mit dem Fahrrad erkunden. Foto: Edmonton Tourism

Mit Revolution Cycle die Stadt um Umgebung mit dem Rad erkunden

Michael MacFynn kennt all diese Teile wie seine Satteltasche. Der junge Mann aus Edmonton studiert Physiotherapie, doch vor allem führt er für den (ebenfalls hippen) Fahrradladen Revolution Cycle Besucher per Rad durch seine Heimatstadt. Nicht auf irgendeinem Rad – Michael nutzt für die Touren E-Mountainbikes. Und wer mit ihm über die teils steilen Auf- und Abstiege am Fluss entlangfährt, merkt, dass das eigentlich gar keine so dumme Idee ist in einer Stadt mit teils enormen Höhenunterschieden wie Edmonton.

„Manchmal mache ich solche Ausfahrten morgens als Work-out vor der Uni“, schwärmt Michael von der gut zwei Stunden langen Route, auf der er immer wieder aus dem Alltag der Stadt erzählt. Es geht um die Universität, um den Alltag, die Menschen – und das Wetter. „Im Winter wird es hier sehr kalt“, sagt der junge Tourguide. Sehr kalt ist dabei für mitteleuropäische Verhältnisse beinahe noch untertrieben: Bis zu minus 20 Grad Celsius zeigt das Thermometer manchmal in der dunklen Jahreszeit an. „Aber im Sommer kannst du jede Menge unternehmen.“

Und tatsächlich: Es wirkt ein bisschen so, als explodiere Edmonton abseits der kalten Wintermonate vor Energie. Festival an Festival treibt die Menschen auf die Straßen. Kleinkunstfestival in Old Strathcona, Fringe-Theaterfestival, River Fest, Rock-, Blues-, Folkfestivals – meist ist an einem Wochenende so viel los, dass man sich kaum entscheiden kann. Nicht zufällig ist Edmonton auch als Festival City bekannt.

Und wer dann noch nicht genug hat, kann im Sommer aufs Land fahren: Sogenannte Long Table Dinner sind aktuell ähnlich angesagt wie etwa die Eiscreme von Marcus. Wildfremde Menschen kommen dabei zusammen, um auf Farmen außerhalb der Stadt an einem langen Tisch gemeinsam zu essen. Nicht irgendein Essen, sondern ein aufwendiges Dinner mit drei, vier und mehr Gängen.

Wem die Natur in Edmonton selbst nicht ausreicht, der fährt aufs Land - etwa in den Elk Island National Park.
Wem die Natur in Edmonton selbst nicht ausreicht, der fährt aufs Land - etwa in den Elk Island National Park. Foto: Michael Pohl

Eishockey-Spiele sind im Winter Pflichtveranstaltungen

Da ist die Terminplanung im Winter deutlich einfacher: Die Spiele des Eishockeyteams Oilers sind so etwas wie eine Pflichtveranstaltung. Ihr früherer Topspieler Wayne Gretzky gilt bis heute als eine Art Schutzheiliger für Fans – er hält auf nationaler Ebene noch immer die Rekorde der meisten Punkte, Vorlagen und Tore.

Wie wichtig Eishockey in der Wintersportnation Kanada ist, zeigt sich auch in der West Edmonton Mall. Mit 800 Geschäften ist dieses Einkaufszentrum das größte seiner Art in Nordamerika. Zwei Jahrzehnte lang hielt es in dieser Hinsicht sogar den Weltrekord. Und mittendrin, zwischen Schuhgeschäft und Tim-Hortons-Coffeeshop, findet sich wie selbstverständlich eine riesige Eislaufbahn.

Royal Alberta Museum befasst sich mit Geschichte der Gegend

Damit man nicht nur den ganzen Tag Schlittschuh läuft, sind vor allem in den vergangenen Jahren weitere Angebote entstanden. Ein Schrägaufzug, der 100 Street Funicular, führt seit zwei Jahren gratis aus dem Zentrum hinunter ins Flusstal. Erst 2018 eröffnete der moderne Neubau des Royal Alberta Museums. Das größte Museum im Westen Kanadas befasst sich vor allem mit der langen Geschichte der Gegend, die sich irgendwo zwischen Goldrausch, Luftfahrt und Ölboom bewegt.

Das Royal Alberta Museum ist der jüngste Neuzugang Edmontons. Es blickt auf die Geschichte der Region.
Das Royal Alberta Museum ist der jüngste Neuzugang Edmontons. Es blickt auf die Geschichte der Region. Foto: Michael Pohl

Nur einen kurzen Fußweg entfernt wirkt die Art Gallery of Alberta schon äußerlich wie ein Kunstwerk. Mit ihren geschwungenen Dächern und der Fassade aus viel Zink, Glas und Stahl bietet sie einen fabelhaften Rahmen für das, was drinsteckt: Kunst aus Kanada und der Welt, mit teilweise riesigen Installationen.

Vor der Tür wird gebaut, was das Zeug hält – denn während Old Strathcona trotz seiner vielen alten Gebäude zeitlos modern wirkt, schien Edmontons Zentrum an manchen Stellen etwas in die Jahre gekommen zu sein. Das ändert sich gerade. Denn wie sagt Radfahrer Michael MacFynn: „Sommerzeit ist bei uns Bauzeit.“ Durch die langen Winter konzentriere sich alles auf die Phase, in der der Boden mal nicht gefroren sei.

In Old Strathcona bekommt man davon nicht viel mit. Es ist Samstag, und der ist hier traditionell Markttag. Selbstverständlich ist es voll in der alten Markthalle, denn der Farmers Market, der hier an den Wochenenden stattfindet, ist mindestens ebenso angesagt wie die Restaurants der Gegend. Nicht ohne Grund: Auch hier auf dem Markt kann man gut essen. Zwischen Gurken, Marmelade und Heidelbeeren findet sich immer wieder ein Stand, der Snacks anbietet. Nur gut, dass längst wieder die Sonne scheint.

Tipps für deine Reise nach Edmonton

Edmonton: Edmonton ist die Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta im Südwesten des Landes. Knapp eine Million Menschen leben in der Stadt, damit ist sie nach Calgary die zweitgrößte Albertas. Das Flusstal, das sich einmal diagonal durch Edmonton zieht, ist das längste Gebiet zusammenhängender Parks in Nordamerika.

Anreise: KLM fliegt mehrmals wöchentlich direkt von Amsterdam nach Edmonton, Westjet Airlines im Sommer von London aus. Zubringer gibt es ab vielen deutschen Airports. Viele andere große Linienfluggesellschaften verbinden Edmonton über andere kanadische und amerikanische Städte.

Einreise: Besucher aus Deutschland können mit einer vorab beantragten elektronischen Einreisegenehmigung (Eta) nach Kanada einreisen. Sie kostet 7 kanadische Dollar. Es gibt am Flughafen sehr strenge Stichprobenkontrollen, so ist etwa die Einfuhr der meisten Lebensmittel verboten.

Beste Reisezeit: Frühjahr bis Herbst. Die besten Bedingungen herrschen aber im Sommer. Die Winter in Edmonton sind sehr kalt und schneereich mit Temperaturen bis zu minus 30 Grad Celsius. Die Sommer sind vergleichbar mit denen in Deutschland. Für Ausflüge in die Natur ist unbedingt ein Mückenschutz zu empfehlen.

Währung: Der kanadische Dollar ist die Währung vor Ort. Man kann so gut wie überall mit Kreditkarte zahlen, selbst Kleinstbeträge. An vielen Geldautomaten muss man zusätzlich zur Gebühr der heimischen Bank einen Aufschlag zahlen.

Transport vor Ort: Am bequemsten ist der Mietwagen, alle großen Verleihfirmen sind am Flughafen vertreten. Im Zentrum von Edmonton gibt es eine überschaubare Strecke einer Stadtbahn sowie ein Busnetz. Ein Taxi oder Uber ist fast überall jederzeit zu finden.

Touren: Radtouren mit dem E-Mountainbike sind bei Revolution Cycle (15103 Stony Plain Road, Edmonton) buchbar.

Museen: Royal Alberta Museum, 9810 103a Ave NW, Edmonton.
Art Gallery of Alberta, 2 Sir Winston Churchill Square, Edmonton.

   

Die Reise wurde unterstützt von Edmonton Tourism. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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