Jugendstil, sowjetische Betonbauten und Holzarchitektur aus dem 19. Jahrhundert: Wer Lettlands Hauptstadt Riga besucht, sieht viele kulturelle Einflüsse, die den baltischen Staat geprägt haben. Auch kulinarisch sind sie spürbar – hier treffen Eisbein mit Sauerkraut auf russischen Borschtsch, polnische Wild- auf skandinavische Fischgerichte.

Der Erfinder der lettischen Nationalspirituose Rigas Melnais balzams – heute Riga Black Balsam – hatte deutsche Wurzeln: Apotheker Abraham Kunze braute den 45-prozentigen Kräutertrank ab 1752, inspiriert von alten Rezepten aus dem 16. Jahrhundert. Im Ausland berühmt wurde der Kunzer Balsam, als er angeblich die erkrankte russische Zarin Katharina II. kurierte.

Rezept musste rekonstruiert werden

1939 ging das Rezept verloren – erst nach Kriegsende rekonstruierten es frühere Mitarbeiter aus Papierfetzen. Seitdem ist es unverändert: Es enthält 24 Zutaten, darunter 17 Botanicals wie Baldrian, Wermut, schwarzen Pfeffer, Ingwer, Enzian und Perubalsam-Öl. Diese reifen – mit Alkohol, Wasser, Honig, karamellisiertem Zucker und Säften gemischt – einen Monat im Eichenfass, bevor die Sorten Original, Blackcurrant (schwarze Johannisbeere) und Cherry (Kirsche) in Tonflaschen abgefüllt werden. Der Ton gilt als 25. Zutat – er, so heißt es, sorge dafür, dass der Balsam binnen sechs Monaten den typisch bittersüßen Geschmack entwickelt.

Black Balsam soll heilsam wirken

Dem Black Balsam wird gern eine heilsame Wirkung dank ätherischer Inhaltsstoffe nachgesagt. Er steht auf nahezu jeder Getränkekarte in den Lokalen Rigas. Getrunken wird er pur, im Kaffee oder im heißen Johannisbeersaft, mit Cola oder als Cocktail. Zu kaufen gibt es ihn in vielen Souvenir- und Alkoholfachgeschäften der Stadt. Wem die traditionelle Halbliter-Tonflasche als Souvenir zu viel ist, wählt das Ein-Portionen-Minibarformat. Das passt sogar in die Reiseapotheke.