Thomas Cook pleite: So erleben Urlauber die Insolvenz

Frust und Angst: So erleben Urlauber die Thomas-Cook-Pleite

Der zweitgrößte Reisekonzern in Europa hat Insolvenz beantragt – das durchkreuzt die Urlaubspläne Hunderttausender Urlauber. Dem reisereporter schildern einige von ihnen ihre ungewisse Situation.

Passagiere warten an den Schaltern im Flughafen München.
Wenn der Urlaub im Stress endet: Eine Insolvenz des Reiseveranstalters führt zu extremer Unsicherheit. (Symbolfoto)

Foto: imago images/Overstreet

Sie sitzen auf gepackten Koffern: Am morgigen Dienstag wollten Marius Barth und Nicole Syrek für zehn Tage auf die griechische Insel Kos fliegen. Doch am Montagmorgen erhält das Paar die niederschmetternde Nachricht: Die Reise ist geplatzt. „Im Reisebüro hat man uns gerade noch mal bestätigt, dass wir definitiv nicht in den Urlaub fliegen werden“, schreibt Marius dem reisereporter. Das Paar wisse nicht, ob es für das Geld der ursprünglichen Reise einen neuen Urlaub buchen solle. 

So wie Marius und Nicole geht es derzeit vielen Kunden von Thomas Cook: Nach der Pleite des Reise-Giganten macht sich Unsicherheit breit. Einige der drängendsten Fragen hat Reiserechtsanwalt Paul Degott für den reisereporter beantwortet.

Aktuell ist keine Info vom Reisebüro oder Veranstalter bei uns eingetroffen. Wir haben keine Ahnung, wie es weitergeht.

Andrea Kolberg, betroffene Reisende

Thomas-Cook-Pleite am ersten Urlaubstag

Noch drängender wird die Ungewissheit für Urlauber, die bereits an ihren Reisezielen angekommen sind. Eine von ihnen ist Andrea Kolberg.

Auf die Reise in das Kontokali Bay Resort auf Korfu mit ihrem Mann hatte sie sich bereits seit zehn Monaten gefreut. „Da mein Mann (54) durch einen Schlaganfall vor gut zwei Jahren eine Halbseitenlähmung hat und wir uns so sehr auf den Urlaub gefreut haben, trifft uns die Situation besonders hart“, schreibt sie dem reisereporter.

Bislang gebe es weder vom Reisebüro noch vom Veranstalter Informationen darüber, wie es mit ihrem Urlaub nun weitergehe. Eigentlich soll das Paar am 3. Oktober zurück nach Deutschland reisen. Gebucht hatten die Kolbergs über Air Marin, die zur Thomas-Cook-Gruppe gehört. Die deutsche Thomas Cook GmbH lotet nach eigenen Angaben „derzeit letzte Optionen aus“. Sollten diese scheitern, müsste auch für zahlreiche Tochtergesellschaften Insolvenz beantragt werden.

Kaum Informationen für Reisende von Thomas Cook, Neckermann und Co.

Ähnliches berichtet Corina Löhle. Sie ist auf Mallorca im Hotel S’Empador Placa in Cala Ratjade – ebenfalls seit gestern. Von Informationen für verunsicherte Urlauber sei auch dort keine Spur.

Es ist nicht schön, nicht zu wissen, wie, wann und ob wir zurückfliegen.

Alexandra T., betroffene Urlauberin

Alexandra T. hat ihre Reise nach Kreta mit Neckermann gebucht, am Mittwoch soll es wieder nach Hause gehen – eigentlich. Denn ob und wie der Rückflug stattfinden soll, weiß sie noch nicht. Sie habe bereits mit Mitarbeitern in Deutschland telefoniert, aber keine Informationen bekommen: Sie solle warten. „Momentan sind im Hotel noch alle entspannt, aber wenn Neckermann Insolvenz einreicht, wird es sich wohl auch hier ändern.“

Am Flughafen von der Pleite erfahren: Thomas-Cook-Urlauber verärgert

An zahlreichen Flughäfen weltweit macht sich unter Thomas-Cook-Kunden derweil Frust breit: Viele haben erst am Airport von der Pleite des Reiseveranstalters erfahren. So berichtet die „HAZ“ beispielsweise von Chaos am Flughafen Hannover-Langenhagen, als bekannt wurde, dass die Airline Condor keine Pauschalreisenden von Thomas Cook mehr mitnehmen darf. 

Geschlossener Schalter von Thomas Cook am Flughafen Langenhagen in Hannover.
Zwischen Frust und Ungewissheit: Weltweit bangen Hunderttausende Thomas-Cook-Kunden um ihren Urlaub, auch hier am Flughafen Hannover. Foto: imago images/localpic

Weil es durch die Verwirrung zu Verzögerungen bei der Abfertigung kam, startete ein Condor-Flug nach Hurghada mit rund zweistündiger Verspätung.

Auch die Angestellten am Check-in-Schalter von Condor können wenig Hilfe geben. Wie ein Mantra wiederholten sie lediglich die Worte: „Fahren sie nach Hause, bleiben Sie ruhig und wenden Sie sich an das Reisebüro, bei dem Sie den Urlaub gebucht haben.“ Das Servicebüro von Thomas Cook ist gar nicht erst besetzt.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Das könnte dich auch interessieren