Thomas Cook: Urlauber fürchten Pleite des Reiseveranstalters

Thomas Cook: Urlauber fürchten Pleite des Veranstalters

Dem britischen Reiseveranstalter droht der Kollaps: In einem Treffen am heutigen Sonntag mit Investoren und Banken will Thomas Cook seine Refinanzierung sichern. Was bedeutet das für Kunden?

Ein Reisebüro von Thomas Cook in London, England.
Der britische Reiseveranstalter Thomas Cook steht britischen Medienberichten zufolge kurz vor der Pleite. Hunderttausende Urlauber bangen um ihre Reise. (Symbolfoto)

Foto: imago images/ZUMA Press/Dinendra Haria

Aufregung in Tunesien: Urlauber, die ihre Reise mit Thomas Cook gebucht hatten, sollen in ihrem Hotel festgehalten werden und erst abreisen dürfen, wenn sie die Kosten für ihre Unterkunft bezahlt haben. Das berichten Hotelgäste gegenüber dem britischen „Independent“.

Dabei hatten die Urlauber ihre Reise bereits im Vorfeld an Thomas Cook bezahlt. Aufgrund der möglichen Pleite des Reiseveranstalters scheint das betroffene Hotel Les Orangers aber nervös zu werden: Es soll von seinen Gästen verlangen, die Rechnung für die Übernachtung selbst zu bezahlen. Vorher dürfe niemand das Hotel verlassen, die Tore seien verschlossen und die Flughafen-Shuttles abgewiesen worden, schilderten Betroffene am Samstagabend. 

Für das Verhalten der Hotelleitung gebe es allerdings keine rechtliche Grundlage, so der „Independent“. Thomas Cook habe derzeit einen normalen Geschäftsbetrieb. Mitarbeiter des Reiseveranstalters sollen auf dem Weg zum Hotel sein. Auch das britische Konsulat in Tunis und das tunesische Tourismusministerium seien informiert.

Hunderte Thomas-Cook-Passagiere gestrandet

Schlechtes Timing erlebten dagegen Passagiere in Antalya (Türkei) und Skiathos (Griechenland): Dort kam es am Freitag und Samstag zu massiven Verspätungen mehrerer Flüge – die allerdings nichts mit der finanziellen Situation des Veranstalters zu tun hatten. 

Bei einer Maschine, die am Samstagnachmittag von Antalya nach Glasgow hätte abheben sollen, gab es technische Probleme. Solange Ingenieure an einer Lösung feilten, wurden die betroffenen Passagiere von Thomas Cook in Hotels untergebracht, der Flieger soll am heutigen Sonntagmorgen starten. 

Auf der griechischen Insel Skiathos sorgten dagegen widrige Wetterbedingungen für Verspätungen. Zwei Abflüge von Thomas Cook starteten statt am Freitag erst am Samstag.

Droht Thomas Cook wirklich eine Pleite?

200 Millionen Pfund (mehr als 224 Millionen Euro): So viel braucht Thomas Cook, um liquide zu bleiben. Das fordern die Banken, die den strauchelnden Reiseriesen mit einer Finanzspritze von 450 Millionen Pfund unterstützen und im Gegenzug 75 Prozent der Unternehmensanteile erhalten. Weitere 450 Millionen Pfund kommen vom chinesischen Aktionär Fosun. 

Damit dieser Deal aber tatsächlich beschlossen wird, soll Thomas Cook mit den 200 Millionen Pfund sicherstellen, durch den Winter zu kommen. Denn der könnte Experten zufolge für die britische Reiseindustrie im Angesicht des Brexits extrem rau werden.

Sollte der Deal platzen, könnte immer noch die britische Regierung einschreiten und die Krise abwenden. „Keine britische Regierung bei Verstand würde den Verlust so vieler Arbeitsplätze und die Aussicht auf nur einen großen Reiseveranstalter – Tui – am Massenmarkt billigen“, so Manuel Cortes, Generalsekretär der Transport Salaried Staffs’ Association, gegenüber dem „Independent“. Die Vereinigung vertritt zahlreiche Thomas-Cook-Angestellte in der Unternehmenszentrale und in Reisebüros.

Derzeit sollen rund 600.000 Touristen mit Thomas Cook unterwegs sein, etwa 150.000 bis 160.000 von ihnen Briten. Welche Rechte sie im Fall einer Insolvenz hätten, erfährst du hier.

Bereits im Frühjahr hatte Thomas Cook frappierende Verluste bekannt gegeben. Damals versprach das Unternehmen, sich Urlauber keine Sorgen machen müssten: Der Reiseveranstalter berief sich auf die Unterstützung der kreditgebenden Banken und Aktionäre und gab an, sich auf zusätzliche Finanzierungen für den Winter geeinigt zu haben. 

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