Wetter-Chaos wegen Sturm „Mortimer“: Diese Rechte haben Bahn-Fahrgäste

Wetter-Chaos: Diese Rechte haben Bahn-Passagiere

Gesperrte Strecken, umgeleitete Züge und frustrierte Passagiere: Sturm „Mortimer“ hat den Bahnverkehr in Norddeutschland lahmgelegt. Welche Rechte haben betroffene Passagiere bei der Deutschen Bahn?

Kunden drängen sich am Informationsschalter an einem Bahnhof.
Zugausfall oder Verspätung: Das müssen Reisende wissen. (Symbolfoto)

Foto: imago images / localpic

Sturm „Mortimer“ sorgt für Chaos: Umgestürzte Bäume blockieren Strecken, Züge in Norddeutschland stehen still. Viele Reisende müssen nun umplanen. Welche Rechte haben sie?

Ob ein Anspruch wegen Verspätung und Zugausfall besteht, ist über die „Europäische Verordnung (EG) 1371/2007 über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr“ gesetzlich geregelt. Sie gilt für den gesamten Eisenbahnverkehr in Deutschland und Europa, ist also unabhängig vom Bahnunternehmen.

Zugausfall wegen Sturm: Passagiere können kostenlos stornieren

Bahnreisende, die bereits ein Ticket für eine der betroffenen Strecken gekauft haben, können die Fahrt kostenlos stornieren. Die Karte behält noch eine Woche lang ihre Gültigkeit und kann in beliebigen Zügen genutzt werden. Wer eine Sitzplatzreservierung gebucht hat, kann diese umtauschen.

Erstattung des Bahn-Tickets: Das müssen Reisende wissen

Wer die Fahrt wegen Verspätung, Ausfall oder verpasstem Anschluss nicht antreten oder abbrechen möchte, hat bei einer erwarteten Verspätung am Ziel von mehr als 60 Minuten grundsätzlich folgende Optionen:

  • komplett von der Reise zurücktreten und den vollen Fahrpreis erstatten lassen
  • sich den nicht genutzten Anteil erstatten lassen
  • den bereits genutzten Anteil und den nicht genutzten Anteil der Strecke erstatten lassen, insofern die Reise abgebrochen und zum Ausgangsbahnhof zurückgefahren wurde.

Kompakt: Wann Passagieren eine Erstattung zusteht

Zugverspätung, Ausfall oder den Anschlusszug verpasst? Diese Regeln gelten für eine Erstattung:

  • Ab 60 Minuten Verspätung am Zielbahnhof gibt es eine Entschädigung von 25 Prozent des gezahlten Fahrpreises für die einfache Fahrt.
  • Ab 120 Minuten Verspätung gibt es 50 Prozent des gezahlten Fahrpreises für die einfache Fahrt zurück.
  • Für die Hin- und Rückfahrt wird die Entschädigung auf der Grundlage des halben Fahrpreises berechnet.
Das gilt auch für den IC Bus und im Nachtreiseverkehr (zum Beispiel EuroNight). Im Entschädigungsfall kann zwischen einem Gutschein oder der Auszahlung des Geldbetrags gewählt werden. Wurde über einen Reiseveranstalter gebucht, sollten Bahnpassagiere sich direkt an diesen wenden.

Weiterfahrt mit anderem Zug: Was ist erlaubt?

Zeichnet es sich ab, dass Passagiere mit mindestens 20 Minuten Verspätung mit dem gebuchten Zug am Ziel ankommen, können diese
  • die Fahrt einfach bei nächster Gelegenheit auf der gleichen Strecke oder einer anderen Strecke fortsetzen
  • oder später weiterfahren, sollte sich dadurch die Ankunftsverspätung am Ziel verkürzen,
  • oder in einen anderen, nicht reservierungspflichtigen Zug steigen.
Wer nur ein Ticket für den Nahverkehr (RE, RB, IRE und S-Bahn) hat, aber in einen höherwertigen Zug (beispielsweise IC oder ICE) steigt, muss dafür den zusätzlichen Aufpreis zahlen. Der kann allerdings über das Fahrgastrechte-Formular zurückfordert werden.

Bus oder Taxi: Der Umstieg in andere Verkehrsmittel 

Wenn gar nichts mehr geht und Bahnpassagiere nur noch mit alternativen Verkehrsmitteln wie Bus oder Taxi vorwärtskommen, stellt sich die Frage: Unter welchen Umständen werden die Kosten dafür vom jeweiligen Bahnunternehmen übernommen?

  • Wenn die planmäßige Ankunft zwischen 0 und 5 Uhr liegt.
  • Wenn eine Verspätung von mindestens 60 Minuten am Zielbahnhof vorliegt.
  • Bei Ausfall der letzten planmäßigen Verbindung des Tages.
  • Wenn das Ziel ohne ein anderes Verkehrsmittel nicht mehr bis 24 Uhr erreicht werden kann.
Kosten werden von der Bahn dann bis maximal 80 Euro erstattet, allerdings nur, wenn kein anderes Verkehrsmittel zur Verfügung gestellt wird.

Am Bahnhof wegen Zugausfall oder Verspätung gestrandet: Kosten für die Übernachtung

Zunächst sollten sich Kunden immer vorab bei dem Bahnunternehmen über eine Alternative informieren, bevor sie sich selbst eine Übernachtung oder die Weiterfahrt organisieren. Wer wegen eines Ausfalls oder einer Verspätung am selben Tag nicht mehr die Reise fortsetzen kann, dem werden die Übernachtungskosten ersetzt, wenn
  • die Bahn keine Übernachtungsmöglichkeit anbieten kann.
Sollte ein anderes Verkehrsmittel zum Erreichen des Ziels günstiger sein als die Übernachtung, werden Kosten bis zu 80 Euro ersetzt.
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