Um die Welt im Van: Nando Kuschel gibt Job und Wohnung auf

Um die Welt im Van – dafür gab er sein altes Leben auf

Ausbrechen und Neues erleben: Das war Nando Kuschels Motto, als er Job und Wohnung kündigte und fast all seinen Besitz verkaufte. Seitdem ist er in der Welt unterwegs, arbeitet ortsunabhängig und lebt im Van.

Nando ist 33 Jahre alt und jetzt als freiberuflicher Fotograf tätig.
Nando ist 33 Jahre alt und jetzt als freiberuflicher Fotograf tätig.

Foto: Nando Kuschel

Was brauchen wir eigentlich, um glücklich zu sein? Nicht viel – das weiß Nando Kuschel inzwischen. Er kündigte seinen Job als Art Director in einer Agentur, gab seine Wohnung und fast seinen gesamten Besitz auf, um die Welt zu bereisen. Vor eineinhalb Jahren hat er sich einen älteren Mercedes Sprinter gekauft – der ist seitdem sein neues Zuhause.

Seine beeindruckenden Reise-Fotografien, die magisches und mystisches zugleich wirken, hält der 33-jährige auf seinem Instagramkanal „nando_kuschel“ mit mehr als 18.000 Abonnenten fest. Im Interview erzählt er uns von seinem Leben im Van, seinen Reise-Learnings und schönsten Erlebnissen.

Wie lange lebst und reist du schon im Bulli?

Nando: Ich lebe mit meiner Freundin seit etwa einem Jahr in meinem selbstausgebauten Sprinter. Das Vanlife habe ich vor einigen Jahren allerdings bereits in Neuseeland als auch in Australien kennen und lieben gelernt.

Wohin geht deine nächste Reise?

Nando: Als nächstes geht es nach Südtirol, Österreich und danach wahrscheinlich direkt in die Schweiz. Hauptsache Berge sind in Reichweite.

Das hier ist Nandos Sprinter Van, den er sich vor 1,5 Jahren zugelegt und selbst ausgebaut hat.
Das hier ist Nandos Sprinter Van, den er sich vor 1,5 Jahren zugelegt und selbst ausgebaut hat. Foto: Nando Kuschel

Was ist dein liebstes Reiseziel?

Nando: Ganz klar der Norden Norwegens. Norwegen beeindruckt mich mit seiner unglaublichen Landschaft, mit riesigen Bergen, zerklüfteten Küsten und wunderschönen Stränden und je nach Jahreszeit und Region entgeht man dort zudem sogar den großen Menschenmassen.

Was für ein Reisetyp bist du?

Nando: Ich bin der unorganisierte Lansam-Reisende. 

Was ist dein bester Travel Hack?

Nando: Frischwasser an Tankstellen auffüllen, WLAN bei Ikea nutzen, an Truck-Stops duschen und Wäsche waschen.

Welches Reiseziel ist am meisten überbewertet?

Nando: Hot Water Beach in Neuseeland. Ein Strand, an dem man sich ein Loch in den Sand buddeln kann und dann quasi seine eigene Strandbadewanne hat. Es war in etwa so unspektakulär, wie es sich anhört.

Wie hast du deinen Sprinter Van zu einem echten Zuhause gemacht?

Nando: Eigentlich mit allem, was man fürs Leben braucht: Bett, Sofa, Tisch, Gas-Kochfelder, Frisch- und Abwasser, Strom, Toilette. Nur die Dusche fehlt, aber dafür gibt’s ja Truckstops, Campingplätze oder Seen und Flüsse.

Norwegens „Nationalberg“ Stetind im Abendrot.
Norwegens „Nationalberg“ Stetind im Abendrot. Foto: Nando Kuschel

Welches Land hat dich am meisten verändert?

Nando: Australien – DAS Roadtrip-Land überhaupt. Dort lernt man das Leben im Auto lieben (oder eben nicht). Ich habe mich verliebt.

Was sind deine Reisepläne für 2020?

Nando: Wie bereits erwähnt: Ich bin zu unorganisiert, um bereits etwas geplant zu haben. Ich hoffe aber, dass wir es nach Finnland schaffen, aber vielleicht geht es auch nach Schottland oder Slowenien. Wir würden auch gerne mit dem Sprinter nach Kasachstan oder sogar mal nach Sibirien.

Was sind deine Top 3 der beeindruckendsten Reiseerlebnisse?

Nando: Auf Platz 1 steht ganz klar die Gastfreundlichkeit der Australier. Wir wurden von zwei komplett wildfremdem Familien nach Hause zum Essen und übernachten eingeladen. Es sind beide Male enge Freundschaften entstanden.

Platz 2: Das erste mal tanzende Nordlichter in Nordnorwegen zu sehen. Für mich das wahrscheinlich schönste Naturschauspiel, das ebenfalls ganz oben auf der Rangliste steht.

Platz 3: Das war damals in Neuseeland auf dem Weg hoch zum Roys Peak. Wir sind nachts gestartet, der Aufstieg war super hart und der Himmel die ganze Zeit bedeckt. Irgendwann sind wir aber so hoch gewesen, dass wir plötzlich über den Wolken standen. Diesen klaren Himmel mit all seinen Sternen und die vom Mond angeleuchteten Bergspitzen waren atemberaubend und hatte ich bis dahin noch nie so gesehen.

Was reizt dich am Reisen besonders und was ist das Stressigste dabei für dich?

Nando: Neue Orte kennen zu lernen und neue Menschen zu treffen. Ein wenig langweilig, aber wahr. Stressig sind vor allem lange Autofahrten.

Nando in Husfjellet in Norwegen unterwegs.
Nando auf Wandertour auf dem Husfjellet in Norwegen. Foto: Nando Kuschel

Warst du von einer Reise/einem Reiseziel schon mal ehrlich enttäuscht? Warum?

Nando: Nicht wirklich. Wir waren einmal am Preikestolen in Norwegen zelten und hatten uns auf den Sonnenaufgang gefreut. Am nächsten Morgen war es dann so nebelig, dass wir fast nichts mehr von dem Felsen sehen konnten.
Aber eine richtige Enttäuschung war das eigentlich auch nicht. 

Welche sind die Top-Learning, die du von deinen Reisen mitgenommen hast?

Nando: Wenn man nicht weiter weiß, fragen! Die meisten Menschen freuen sich, wenn sie helfen können.

Einer der unzähligen, einsamen Strände der Westküste Australiens.
Einer der unzähligen, einsamen Strände der Westküste Australiens. Foto: Nando Kuschel

Beschäftigt dich das Thema Nachhaltigkeit auf Reisen?

Nando: Ja. Zwar reisen wir in einem alten Diesel und man mag uns vorwerfen, dass wir damit nicht nachhaltig leben könnten (das wurde es auch schon), aber in allen anderen Bereichen versuchen wir stets unser Bestes zu geben, egal, ob im Supermarkt oder im Outdoor Shop.

Ist ein Ende des Lebens im Van in Sicht?

Nando: Bisher nicht. Wir haben keine Wohnungen mehr und können problemlos von unterwegs arbeiten. Wir haben uns gesagt, dass wir das einfach so lange machen, wie es für uns passt.

Was ist für dich der perfekte Roadtrip?

Nando: Auf jeden Fall mit Freunden irgendwann im Winter, irgendwo in Norwegen. Mit Lagerfeuer und unter den Nordlichtern.

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