Der Ausblick beim Landeanflug auf Atlanta überrascht: Statt karger subtropischer Vegetation und weitem Brachland, wie es in vielen US-Südstaaten üblich ist, sattes Grün und Laubwälder, so weit das Auge reicht. Was für ein Anblick.

Dabei hätte man es ahnen können: Immerhin ist Georgia Hauptdrehort vieler amerikanischer Kino- und TV-Großproduktionen wie der Zombie-Megaserie „The Walking Dead“ (TWD), bei der die zugegebenermaßen nicht ganz so friedvoll aussehenden Protagonisten immer wieder unverhofft aus ebenjenem satten Grün auftauchen.

Atlanta ist Drehort der Erfolgsserie „The Walking Dead“

Da die Steuern auf Filmproduktionen hier im Vergleich zu anderen Staaten niedrig sind, hat sich Georgia in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum Hollywood des Südens entwickelt. In Atlanta etwa, der Hauptstadt Georgias, zuckt niemand mehr, wenn ebenjene halb verwesten Zombies in der Innenstadt umherlaufen – die Hauptakteure von „TWD“ gehören längst zum Stadtbild der quirligen Metropole, die sich gerade bei jungen Menschen mehr und mehr zum Hotspot der Südstaaten entwickelt hat.

Mit dem ATL Cruzer, der einem Golfcaddy entspricht, fährt uns CK, wie sich unser Tourguide Chris Kelly nur kurz und lässig nennt, kreuz und quer durch seine Heimatstadt, vorbei an beeindruckenden Wolkenkratzern, die Seite an Seite mit schmucken Südstaatenhäusern mit ihren typischen weißen Veranden stehen. Moderne Architektur mischt sich hier auf eine sympathische Weise mit allerlei alter und zum Teil äußerst gut erhaltener Bausubstanz.

Zu den Attraktionen in Atlanta gehören auch die CNN-Studios, die Besucher bei einer Tour erkunden können.


Das riesige Mercedes-Benz-Stadion, Homebase des Footballteams Atlanta Falcons und zuletzt Austragungsort des Super Bowls, ragt wie ein Eisberg mitten in der City empor und wirkt dabei ein wenig wie ein Fremdkörper zwischen all den liebevoll angelegten Parks und gepflegten Straßenzügen in Downtown Atlanta.

Ponce City Market: Neues Leben in der alten Fabrikhalle

Der Ponce City Market vereint in einer historischen Fabrikhalle unterschiedliche kleine Läden mit ausgefallenen Klamotten und stylishen Wohnaccessoires sowie zahlreiche Restaurants unter einem Dach. Tipp: Der Blick von der Rooftopbar auf Atlantas Skyline ist der Hammer! Mit dem Ponce City Market und der Atlanta Beltline hat Georgias Hauptstadt noch mehr an Attraktivität gewonnen.

Die Beltline ist eine Art Wandelpfad für Spaziergänger, Jogger, Skater und Co., der sich nach Fertigstellung 22 Meilen lang um die Innenstadt spannen wird. Gesäumt von unzähligen Szenebars und überdimensionalen Street-Art-Gemälden, pulsiert hier das Leben.

Am Ende kommen alle wieder zurück.

Chris Kelly, Tourguide, über Atlanta

Und auch wenn es ihn und viele seiner Freunde zum Studium aus seiner mit knapp einer halben Million Einwohnern recht kleinen Heimatstadt Atlanta – in der Metropolregion leben zusätzlich 5,8 Millionen Menschen – hinausgezogen habe, sagt CK: „Am Ende kommen alle wieder zurück.“

Tatsächlich entfaltet Atlanta, obwohl keine klassische Schönheit, schnell einen gewissen Reiz. Bei Temperaturen knapp unter 30 Grad Celsius im Frühjahr spielt sich hier das gesamte Leben auf der Straße ab – in den vielen wunderschön angelegten Parks oder in den unzähligen kleinen und meist äußerst stylishen Bars. Die bieten von italienischer Küche (wie bei Nina & Rafi, 661 Auburn Avenue NE) bis hin zu geräuchertem Grillfleisch mit Craftbeer (Twin Smokers Barbecue, 300 Marietta Street NW) alles, wonach einem gerade gelüstet.

Attraktionen sind gut mit E-Scootern erreichbar

Und obwohl eine Großstadt, gibt es – außer auf den angrenzenden Highways – erstaunlich wenig Autoverkehr. Anders als noch vor einigen Jahren, sind hier viele Einwohner mit Fahrrädern oder den beliebten E-Scootern unterwegs, die flottenweise entlang der Straßenzüge stehen und per App freigeschaltet werden. Mit den flinken Rollern lassen sich die Hauptattraktionen der Stadt schnell erreichen.

Etwa das beeindruckend große Meerwasseraquarium (demnächst mit neuem Haifischbecken), die World of Coca-Cola (kein Muss), das Bürgerrechtsmuseum (toll gemachte Ausstellung, die Besucher mit ihren vielen Attraktionen auf eine Zeitreise in die Bürgerrechtsbewegung schickt). Oder auch der Old Fourth Ward District, die Geburtsstätte der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King Jr., dessen Geburtshaus ebenfalls in Atlanta steht.

Die Hauptstadt eignet sich außerdem hervorragend als Ausgangsort für einen Trip ins nördliche Georgia: In der sanften und, trotz der hohen Temperaturen, unglaublich grünen und weitläufigen Hügellandschaft lässt es sich wunderbar zur Ruhe kommen. Wir reisen gen Norden nach Dawsonville, dem Ortsschild nach die Geburtsstätte der Stockcar-Rennen.

Ken Martin weiht Besucher in der Moonshine-Distillery in Dawsonville in die Geheimnisse des Schnapsbrennens ein.

Moonshine Distillery gibt Einblick in die Kunst des Schnapsbrennens

Unser Ziel ist die Moonshine-Distillery, ein kleiner Familienbetrieb, der sich ganz der Schnapsbrennerei verschrieben hat. Im Eingangsbereich treffen wir auf Rocket Man, der eigentlich Ken Martin heißt und längst im Rentenalter ist. Warum er dennoch regelmäßig in der Brennerei arbeitet, wird schnell klar, als er uns mit spürbarer Leidenschaft in die Geheimnisse des Schnapsbrennens einweiht.

Von ihm, der seinen Spitznamen der Mitarbeit als Ingenieur im Apollo-Programm verdankt, erfahren wir auch, was es mit dem knöcherigen Coon-Dick, einem Waschbärpenis, den wir bei der Verkostung am Empfangstresen leicht irritiert entgegennehmen, auf sich hat. Die Brenner nutzen ihn, um daran das Destillat von einem Brennfass ins nächste laufen zu lassen. Für uns hingegen bleibt er ein etwas schrulliges Souvenir, mit dem sich in der Heimat vielleicht Eindruck schinden lässt.

Die Natur ist der eigentliche Star Georgias

Der heimliche Star Georgias sind aber nicht die vielen kleinen Destillerien und Weingüter, die sich in den vergangenen Jahren vor allem im hügeligen und wohltemperierten Norden etabliert haben, sondern die über weite Flächen noch recht unberührte Natur. Touristenmassen sucht man hier vergebens.

Wer lieber für sich sein will, der kommt hier voll zum Zug – etwa im nur wenige Kilometer von Dawsonville entfernten Amicalola Falls State Park mit seinem mehr als 220 Meter hohen Wasserfall.

Die mit 222 Metern höchsten Wasserfälle im Südosten der USA donnern im gleichnamigen Amicalola Falls State Park in die Tiefe.


Das laute Tosen der Wassermassen, die sich inmitten von sattem Grün in die Tiefe stürzen, ist schon aus weiter Entfernung gut hörbar. Mit unserer Parkführerin kämpfen wir uns die 600 (!) Stufen neben dem Wasserfall erst hinunter und dann doch mit einiger Anstrengung wieder hinauf. Dafür braucht es eine gewisse Fitness, aber der Blick vom Fuß des Wasserfalls auf die herunterprasselnden Wassermassen ist die Mühe allemal wert.

Außerdem ist der sportliche Anstieg eine gute Übung für das Abenteuer, das in unmittelbarer Nähe des Wasserfalls lockt: Ziplining. Für Nichtkenner: Ziplining ist nichts anderes, als sich an einem dünnen Draht, nur in einem Tragegurt hängend, über Schluchten zu stürzen. Menschen mit Höhenangst machen besser einen großen Bogen um die diese Attraktion.

Beim Ziplining die Aussicht genießen

Mit doch einigem Unbehagen kraxeln wir die Hängeleiter in die Baumkronen empor, wo der Parcours beginnt. Doch das ist erst der Anfang. Von Baumkrone zu Baumkrone schwingen wir uns mehr oder weniger waghalsig durch die Lüfte und werden für unseren Mut mit einem Million-Dollar-View über die sanfte Hügellandschaft belohnt, die nun in einem warmen Goldton in der Abendsonne leuchtet.

Der historische und teilweise offene Blue Ridge Scenic Railway rumpelt gemütlich durch die Wälder im Norden von Georgia.

Mit der Blue Ridge Scenic Railway durch die Wälder

Gut, dass wir es tags darauf nach all den sportlichen Herausforderungen ruhig angehen lassen. Mit dem Blue Ridge Scenic Railway Train zuckeln wir im offenen Waggon durch die Wälder des nördlichen Georgias nach McCaysville an der Grenze zu Tennessee, vorbei an kleinen Farmhäusern und allerlei verlassen wirkenden Häuseransammlungen, die einen kurz noch mal an die Zombieserie „TWD“ denken lassen.

Im Fluss, der sich an der Bahnstrecke entlangschlängelt, stehen mit scheinbar stoischer Ruhe Fliegenfischer in Erwartung des nächsten Fanges. Die Atmosphäre ist so ruhig und friedlich, dass es sich während der knapp 45-minütigen Tour wunderbar entspannen lässt.

Auch Blue Ridge selbst, Ausgangsort der Tour, mit seinen kleinen inhabergeführten Lädchen entlang der Hauptstraße ist allemal einen Zwischenstopp wert. In den Andenkenläden gibt es das ein oder andere schräge Souvenir. Die geringelten Trump-Socken und die dazu passende Krawatte mit dem Konterfei des amerikanischen Präsidenten hinterlassen bei vielen einen besonderen Eindruck.

Georgia ist Trump-Land – das zeigt sich auch an den Andenken, die in den Souvenir-Geschäften erhältlich sind. Dazu gehören auch Socken mit dem Antlitz des US-Präsidenten.


Dass Georgia Trump-Land ist, zeigt sich nicht nur hier. Auch im weiteren Verlauf unserer Reise, wie später in der Goldgräberstadt Dahlonega, im späten 19. Jahrhundert Zentrum des Goldrauschs, treffen wir auf begeisterte Trump-Anhänger, die uns immer wieder hartnäckig versichern, dass eine zweite Amtszeit alles andere als ausgeschlossen sei. Auch wenn die politische Haltung mitunter befremdet, der Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die uns ausnahmslos in Georgia begegnet, tut das keinen Abbruch.

Die Blue Ridge Mountains mit dem Pferd erkunden

Doch das Naturerlebnis steht bei einer Reise durch das nördliche Georgia absolut im Vordergrund. Das Brasstown Valley Resort and Spa in den Blue Ridge Mountains ist ein herrlicher Ort, um die Umgebung zu Fuß oder mit den Cowboys der benachbarten Ranch The Staples per Pferd zu erkunden. Von unserem Guide Ronnie Smith erfahren wir dabei allerlei Spannendes rund um die Cherokees, die Ureinwohner, die in Georgia bis zum Goldrausch ansässig waren.

Auf der Ranch The Staples des schicken Brasstown Valley Resorts haben Reisende die Möglichkeit, mit Cowboys auszureiten und die Blue Ridge Mountains auf eine andere Art zu erkunden.


Das Faszinierende: Jeder noch so kleine Ort hat seine Geschichte zu erzählen. Seien es die Indianer, die Goldgräber oder die Bürgerrechtsbewegung – Geschichte lebt in diesem bezaubernden Südstaat, der seinen Reiz im Verlauf unserer Tour auf so eine herrlich unaufdringliche Art und Weise entfaltet.

Tipps für deine Reise nach Georgia

Anreise: Lufthansa und Delta Airlines bieten Direktflüge von Frankfurt am Main, Düsseldorf, Stuttgart und München nach Atlanta zum Hartsfield-Jackson International Airport (ATL) an, der unmittelbar vor den Toren von Atlanta liegt. Am bequemsten fährt man per Uber in die Stadt. Die Fahrtzeit liegt bei normalem Verkehr bei etwa 20 Minuten. Kostengünstiger kommt man per Marta-Bahn in die City. Tickets gibt es für 2,50 Dollar.

Beste Reisezeit: Georgia gehört zu den Südstaaten und hat je nach Region ein subtropisches (entlang der Küste) bis gemäßigtes (im Landesinneren) Klima. Die meisten Europäer fühlen sich im Frühjahr und Herbst am wohlsten. Reisezeit ist grundsätzlich aber das gesamte Jahr über. Temperaturen unter zehn Grad Celsius gibt es an maximal 30 Tagen im Jahr. Im Sommer kann es mitunter sehr schwül werden, in der Hauptstadt Atlanta herrschen meist Temperaturen von mehr als 30 Grad. Outdoor-Aktivitäten jeglicher Art sind in Georgia das gesamte Jahr über möglich.

City Pass: Mit dem Atlanta City Pass sparen Reisende 40 Prozent beim Eintritt in fünf der beliebtesten Attraktionen Atlantas (Georgia Aquarium, World of Coca-Cola, CNN Studio Tours, Zoo Atlanta oder National Center for Human and Civil Rights, Fernbank Museum of National History oder College Football Hall of Fame). Der Pass kostet etwa 71 Euro für Erwachsene und etwa 58 für Kinder. Ein weiterer Vorteil: Mit dem Pass lassen sich die meisten Warteschlangen umgehen.

Zugfahrt: Der historische Blue Ridge Scenic Railway fährt entlang des Toccoa River durch den Chattahoochee National Forest nach McCaysville an der Grenze zu Tennessee.

Die Reise wurde unterstützt vom Georgia Department of Economic Development. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.