Wien: Adria Airways streicht Flug – weil sie Passagier Geld schuldet?

Flug gestrichen – weil Airline Passagieren Geld schuldet?

Mehrere Passagiere warten auf Entschädigungen von Adria Airways. Als letzte Konsequenz sollte eine Maschine nach Landung in Wien gepfändet werden. Doch die slowenische Airline strich den Flug kurzfristig.

Eine Adria-Airways-Maschine am Flughafen Frankfurt.
Blieb die Maschine von Adria Airways tatsächlich wegen der geplanten Pfändung am Boden? (Symbolfoto)

Foto: imago images/Rüdiger Wölk

Flug ADR136/JP136 von der Haupstadt Sloweniens, Ljubljana, nach Wien am Donnerstagabend mit Adria Airways – einfach gestrichen. Eigentlich sollte das Flugzeug um 17.40 Uhr starten und eine Stunde später in Wien landen. Mit der Annullierung entging die Airline einer geplanten Pfändung.

Adria Airways schuldet Passagier 250 Euro – Pfändung in Wien geplant

Es geht um mehrere offene Zahlungen: Die Airline schuldet mindestens zwei österreichischen Passagieren noch 250 Euro – einer von ihnen erstritt sich die Summe bereits 2017 vor Gericht, nachdem sein Flug von Kefalonia nach Graz am Abflugtag gecancelt wurde. Gezahlt haben soll die slowenische Fluggesellschaft bislang jedoch nicht. Das berichten mehrere slowenische Medien, darunter auch die Nachrichtenagentur „STA“.

Vor Abflug soll die Airline darüber informiert worden sein, dass am Flughafen Wien-Schwechat ein Vollzugsbeamter warte, der damit drohe, das Flugzeug zu beschlagnahmen, wenn die Schulden nicht umgehend beglichen würden.

Beteiligt an der Beinahe-Pfändung war auch das Fluggastrechteportal Flightright, das sich für das Recht eines anderen betroffenen Passagiers einsetzt. Der reisereporter hat mit Flightright gesprochen: „Der Gerichtsvollzieher war bereits vor Ort am Flughafen Wien, um die Maschine in Empfang zu nehmen. Trotz richterlichen Urteils und mehrfacher Zahlungsaufforderung hatte Adria Airways die offene Summe nicht beglichen“, bestätigte Sprecherin Laura Nodoph.

Doch „da der Flug den Flughafen Wien an diesem Tag nicht erreichte, fand auch die Pfändung nicht statt“.

Polizei und Gerichtsvollzieher warten in Wien, doch Flug findet nicht statt

Ob die Airline wirklich deswegen den Flug strich? So weit würde Flightright nicht gehen: „Unserer Einschätzung nach kann nur spekuliert werden, ob die Airline den Flugausfall wirklich provoziert hat, um einer möglichen Pfändung zu entgehen.“

Die am vergangenen Donnerstag vom Flugausfall betroffenen Passagiere sollen in Bussen von Slowenien nach Österreich gebracht worden sein, berichtet „Total Slovenia News“. Am nächsten Tag landeten Maschinen von Adria Airways wieder planmäßig in Wien.

Und was ist mit der ausstehenden Zahlung? Darüber kann Flightright noch keine Aussage treffen. Der reisereporter hat bei Adria Airways um ein Statement gebeten, jedoch noch keine Antwort erhalten.

Pfändung eines Flugzeugs: Wie geht das?

Eine Pfändung sei nicht typisch, sagt Flightright-Rechtsexperte Alexander Weishaupt: „Aber wir haben das nicht zum ersten Mal gemacht. Bereits 2016 wollten wir in Salzburg eine Condor-Maschine pfänden. Wir zeigen damit, was tatsächlich möglich ist und dass Verbraucher eine Stimme haben. Dass wir notfalls auch pfänden, sollte die Airlines wachrütteln und zeigen: Die Kunden im Regen stehen zu lassen und nicht zu zahlen ist keine Option.“

Sowohl bei Condor als auch bei einem vorherigen Fall mit Bulgaria Air sollen die Airlines nach der Ankündigung die offene Rechnung beglichen haben. Wäre es doch zu einer Pfändung gekommen, hätte die Maschine nicht mehr starten können.

Das musst du über Adria Airways wissen

Bei der slowenischen Fluggesellschaft soll es schon länger ruckeln: Wie „Total Slovenia News“ berichtet, steckt sie in finanziellen Schwierigkeiten, mit schmaleren Flugplänen und wechselnden Besitzern (derzeit ein deutsches Invest-Unternehmen) soll sie sich seit Juli gerade so über Wasser halten.

Flugausfälle, Verspätungen und Umleitungen frustrieren Passagiere und offenbar auch die Crew, denn die Piloten kündigten einen dreitägigen Streik ab dem 8. September an. Adria Airways bietet auch Verbindungen ab Deutschland an, zum Beispiel Frankfurt–Tirana und München–Ljubljana. 

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