Medellín: Insider-Tipps für deine Reise in Kolumbien | reisereporter

Medellín: Insider-Tipps für deine Reise

Medellín ist die zweitgrößte Stadt Kolumbiens und in den Augen von reisereporterin Nadine auch die schönste. Die Zeiten Pablo Escobars sind vorbei – die Stadt ist zu einer angesagten Metropole geworden.

La Sierra am Abend.
La Sierra ist eines der vielen Armenviertel Medellíns. An einem Freitagabend ist man hier als Tourist die größte Attraktion.

Foto: Nadine Wolter

No-Go: Escobar-Tourismus

Wer nach Medellín kommt, um auf Pablo Escobars Spuren zu wandeln, stößt bei den meisten Einwohnern auf Ablehnung. Der Name Escobar steht in Medellín nicht für die von Netflix verfilmte romantisierte Version vom Leben des einst meistgesuchten Mannes der Welt. Er steht für Mord, Terror und Gewalt – und für eine Zeit, die man hinter sich lassen will.

Um eventuell mithörende Passanten nicht zu verärgern, erwähnt der Stadtführer von „Real City Tours“, dem beliebtesten Unternehmen für Stadttouren, Escobars Namen auf der ganzen Tour nicht, sondern benutzt Synomyme.

Ein Graffito in Medellín zeigt Pablo Escobar – aber nicht überall in der Stadt erinnern sich die Menschen gern an ihn.
Ein Graffito in Medellín zeigt Pablo Escobar – aber nicht überall in der Stadt erinnern sich die Menschen gern an ihn. Foto: imago images / imagebroker

Auch Kokain umschreibt er lieber mit „the white powder“ (deutsch: das weiße Puder), in der Gewissheit, dass die meisten Kolumbianer kein Englisch sprechen. Die Tour startet fast jeden Tag und wird von Einheimischen organisiert, denen man am Ende ein Trinkgeld gibt. Perfekt, um einen Überblick über die Stadt zu erhalten.

Wohnen in Medellín

Das Stadtzentrum La Candelaria ist auch heute noch ein Ort, an dem sich weder der durchschnittliche Einwohner Medellíns noch Touristen nachts aufhalten sollten. Die meisten Besucher landen ohnehin woanders: im Viertel El Poblado, das die Stadt nicht wirklich repräsentiert.

Ein Hotel in Medellín.
Hotels gibt es viele in Medellín – vor deiner Buchung solltest du aber sicherstellen, dass das Viertel sicher ist. Foto: imago images / imagebroker

In El Poblado leben reiche Kolumbianer und Touristen, die sich für den spektakulärsten Blick auf die Stadt und Cocktails in der Envy Rooftop Bar treffen. Im Nachtleben auf der Straße wird einem im Minutentakt Kokain angeboten. Hat man dann noch drei Folgen der Netflix-Serie „Narcos“ zu viel geguckt, bekommt man schnell einen falschen Eindruck von Medellín.

Deswegen sollten Touristen El Poblado nach dem Feiern schleunigst verlassen und sich ein Zimmer in einem der weiteren sicheren Viertel der Stadt mieten, zum Beispiel in Laureles.

Essen in Medellín

Im bürgerlich bis wohlhabenden Laureles gibt es viele gute Restaurants, in denen man tagsüber ein günstiges „Menú del dia“ (deutsch: Tagesmenü) essen kann und von Kolumbianern und Touristen gleichermaßen umgeben ist.

Organisches, Vegetarisches und Veganes gibt es bei „Saludpan“. Bei „Modongo’s“ gibt es fleischhaltige kolumbianische Küche als Kontrastprogramm. In Kolumbien wird gern Fleisch gegessen, gern viel davon, gern frittiert. Gemüse schafft es nur selten auf den Teller. Und wenn, dann wird auch das gern in Fett ertränkt. Mit Gewürzen wird dagegen sparsamer umgegangen.

Ein Bus in Laureles.
Es ist einfach, sich in Laureles wohlzufühlen: An jeder Straße gibt es Cafés – in einigen wird auch guter Kaffee serviert. Foto: Nadine Wolter

Eines der besten Restaurants des Viertels, das „Korea House Restaurant“, ist nicht weit entfernt, und wer sich jetzt wundert, warum in einem Ratgebertext über Medellín ein südkoreanisches Restaurant empfohlen wird, der wird es verstehen, wenn er einige Wochen in Kolumbien verbracht hat.

Es ist einfach, sich in Laureles wohlzufühlen: An jeder Straße gibt es Cafés, und in einigen von ihnen, wie etwa im „Café Revolución“, das gleich zwei Filialen in Laureles besitzt, wird auch guter Kaffee serviert.

Das ist keine Selbstverständlichkeit im Kaffeeanbauland Kolumbien. Die besten Bohnen werden exportiert, auch wenn eine noch kleine Gruppe von Kolumbianern zurzeit versucht, eine neue Kaffeekultur aufzubauen.

Ein bunter Obststand auf dem Markt „Plaza Minorista“.
Tropische Früchte bekommst du auf dem riesigen Markt „Plaza Minorista“ – gratis dazu gibt es einen authentischen Einblick in das Leben der Einheimischen. Foto: Nadine Wolter

Tropische Früchte gibt es auf dem riesigen Markt „Plaza Minorista“ im Norden der Stadt zu kaufen, gratis dazu einen authentischen Einblick in das Leben der Einheimischen. „Fruittasting-Touren“ werden zwar angeboten, sind aber nicht nötig.

Einfach selbst hingehen, kaufen und ausprobieren und bei der Anreise auf die Wertsachen aufpassen, denn die „Plaza Minorista“ liegt in einem leicht zwielichtigen Teil Medellíns.

   

Medellín: Der Top Place 2020 in Bildern

Fußball und Maniküre

Auch zum Ausgehen musst du nicht nach El Poblado und in dessen Clubszene. Auf der La Settenta, der Straße Nummer 70 in Laureles, lernst du das Nachtleben Medellíns und die Bewohner der Stadt kennen.

Spielt im nahe gelegenen Stadion der heimische Fußballverein Atlético Nacional, feiern die Fans in grün-weißen Trikots schon tagsüber auf der La Settenta. Tickets sind meist noch verfügbar, und ein Besuch im Stadion macht auch Nicht-Fußballfans Spaß – allein wegen der unermüdlichen Atlético-Fans, die ihre Mannschaft das gesamte Spiel musikalisch unterstützen.

Spielt der heimische Fußballverein Atlético Nacional, feiern die Fans in grün-weißen Trikots schon tagsüber auf der La Settenta.
Spielt der heimische Fußballverein Atlético Nacional, feiern die Fans in grün-weißen Trikots schon tagsüber auf der La Settenta. Foto: imago images / Agencia EFE

An normalen Abenden sind legere Outfits oder Trikots auf der La Settenta eher tabu. Nicht nur Frauen kleiden sich schick, auch der Medellíner trägt selbst bei heißem Wetter lange Hosen und geschlossene Schuhe, manikürte Männerhände sind in Medellín normal. In Flip-Flops und Shorts betritt nur ein Tourist die Ausgehstraße.

Medellín ist die Hauptstadt der Textilproduktion und Mode Kolumbiens und zudem zu einem Hotsport für plastische Chirugie avanciert. Dass dies auch an ihren Einwohnern nicht spurlos vorbeigegangen ist, lässt sich beim Ausgehen beobachten.

Andere Seiten kennenlernen

Eine andere Seite der Stadt lernt man in La Sierra kennen, einem weiteren der vielen Armenviertel der Stadt. Dort macht sich langsam Fortschritt bemerkbar. Die Siedlung auf einem der Berghänge Medellíns wurde über Seilbahnen mit der City verbunden. Die Einwohner können jetzt viel schneller in die Stadt gelangen.

Die Siedlung La Sierra liegt auf einem der Berghänge Medellíns.
Die Siedlung La Sierra liegt auf einem der Berghänge Medellíns und wurde über Seilbahnen mit der City verbunden. Foto: Nadine Wolter

Ein Open-Air-Sportpark wurde in der Nähe der letzten Seilbahnstation installiert. An einem Freitagabend ist man hier als Tourist die größte Attraktion. Das Viertel besitzt keinen Chota_13 wie die Comuna 13, der sein Viertel mit Graffiti aufgehübscht und zu einem Touristenhotspot gemacht hat. Nur ein Organisator bietet derzeit Touren in La Sierra an.

Allein sollte man zumindest bei Dunkelheit nicht in La Sierra unterwegs sein. Touristen fallen hier auf, sie gehören noch nicht, wie in der Comuna 13, zum Stadtbild dazu. Dafür kommt man mit den jungen Fußballspielern im Sportpark ganz leicht ins Gespräch – und weiß danach, dass Sportparks, Rolltreppen und Seilbahnen nicht reichen, um die riesigen soziale Unterschiede in der Stadt zu bewältigen. Zur Vorbereitung auf die Tour gibt es auf Youtube eine Dokumentation über die Gewalt in La Sierra Anfang der 2000er-Jahre. 

Raus in die Natur

Inmitten der Beschreibungen ihres Nachtlebens, ihrer dramatischen Geschichte und des Stadtlebens wird oft vergessen, dass Medellín umgeben ist von sattgrünen Berghängen, in denen du dich wunderbar von der Stadt erholen kannst.

Zum einen kannst du die Berge Medellíns günstig mit dem „parapente“, dem Paraglidingschirm, übersegeln, zum anderen kannst du in den dicht bewachsenen Bergen super wandern.

Paragleiter über den Bergen Medellíns.
Mit dem „parapente“ (deutsch: Paragleiter) kannst du günstig über die Berge Medellíns fliegen. Foto: Nadine Wolter

Eine der schönsten Wanderungen im Umland der Stadt startet von Pablo Escobars selbst gebauten und  gewählten Luxus-Gefängnis „La Catedral“.

Mittlerweile hat sich hier ein Orden angesiedelt, der große Schilder an „La Catedral“ aufgebaut hat, die unmissverständlich klarstellen, dass man hier – wie überall in der Stadt – nichts von Pablo-Escobar-Pilgern hält.

Dschungel mit Wasserfall.
Die Wanderung von „La Catedral“ führt durch den Dschungel – es geht an steilen Berghängen und Wasserfällen vorbei, die zum Baden einladen. Foto: Nadine Wolter

Die Wanderung von „La Catedral“ führt durch den Dschungel und ist einigermaßen anspruchsvoll, aber auch für ambitionierte Anfänger machbar.

Es geht steile Passagen an Berghängen hinab, an denen du dich an Seilen festhältst. Es geht an Wasserfällen vorbei, die zum Baden einladen, und zuletzt wanderst du durch den Wald an einem Fluss entlang, bis die Bäume sich lichten und du sie siehst: die wunderschönen grünen Hügel, die Medellín umgeben.

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