Weltreise ohne Flugzeug: Dieses Paar trampt um die Welt

Dieses Paar reist um die Welt – ohne zu fliegen

Eine Weltreise ohne Rückflugticket – für viele ein Lebenstraum. Julien und Margaux haben aber nicht mal ein Hinflugticket. Die Franzosen verzichten für ihren Trip aufs Fliegen. Stattdessen trampen sie.

Die Franzosen Julien Espaze und Margaux Dewitte trampen um die Welt.
Daumen raus: Julien und Margaux trampen um die Welt.

Foto: facebook.coom/Jul&Gaux -SerialHikers- Blog Voyage Alternatif

Eine Reise rund um den Globus kann das Konto ziemlich schmälern – und den ökologischen Fußabdruck explodieren lassen. Von Land zu Land zu fliegen war für Julien Espaze und Margaux Dewitte deshalb von Anfang an keine Option. Sie wollen so ökologisch und ökonomisch wie möglich reisen und trampen deshalb seit fast drei Jahren um den Globus.

Schon lange war das ein Traum des abenteuerlustigen Paares aus Paris. Trotzdem fehlte lange dieser „Klick-Moment“, um das komfortable Leben tatsächlich aufzugeben und den Traum zu leben. Der „Klick“ kam aber, im Mai 2016 nach den Terroranschlägen in Frankreichs Hauptstadt und Margauxs Kündigung.

Fünf Monate später brachen sie und Julien zu ihrer Weltreise auf: Mit einem Zelt, zwei riesigen Koffern und einem Pappschild im Gepäck. Darauf stand: Italien. Dorthin sollte die Reise zuerst führen. Ansonsten halten sich Margaux und Julien an keinen Reise- oder Zeitplan. 

Reisen ohne Bucket-List

„Unsere Reise ist einzigartig, weil wir keine Bucket-List haben“, verraten sie dem „Lonely Planet“. „Wir lassen uns treiben und fragen die Einheimischen, was wir in ihrem Land anschauen sollten. Wir lernen von ihnen. Wir trampen, couchsurfen, campen in der Wildnis und arbeiten als Freiwillige.“

Mittlerweile haben die beiden mehr als 60.700 Kilometer und 2.500 Seemeilen zurückgelegt und waren unterwegs in rund 235 Häusern zu Gast. Margaux schreibt über ihre Abenteuer auf dem gemeinsamen Blog „Serial Hikers“, Julien macht die Fotos. Und: Sie teilen Tipps, mit denen jeder günstig um die Welt reisen kann.

Günstig um die Welt reisen? So funktioniert’s!

Sponsorings von Ausstattern, Reisezielen oder Veranstaltern lehnen die beiden kategorisch ab. Weil sie hauptsächlich trampen, über die Plattform Couchsurfing bei Locals übernachten oder als Freiwillige für Kost und Logis arbeiten, können sie die Reise trotzdem finanzieren.

Im ersten Jahr ihrer Weltreise gab jeder von ihnen durchschnittlich nur 3,50 Euro am Tag aus. Das macht im Jahr gerade einmal 1.277,50 Euro – so viel, wie andere in einem Monat für Miete, Essen und Freizeit ausgeben.

Als besonders budgetfreundlich entpuppten sich Kirgistan (48 Cent pro Tag und Person), Usbekistan (62 Cent), Iran (75 Cent), die Türkei (90 Cent), Armenien (1 Euro) und Montenegro (1,30 Euro). Am höchsten waren die Tagesausgaben bislang in Italien (im Schnitt 8,70 Euro pro Person und Tag) und Singapur (6 Euro).

Vor der Reise mussten Margaux und Julien jeweils rund 1.200 Euro investieren – hauptsächlich in ihre Gesundheit. So gaben sie für Impfungen etwa 600 Euro, für die Reiseapotheke 100 Euro und 400 bis 500 Euro für eine Auslandskrankenversicherung aus. Kosten, die sich im Notfall wirklich rentieren!

In Bosnien und Herzegowina ist Margaux im März 2017 heftig aufs Gesicht gestürzt. Dabei brach ihre Nase und sie hatte eine tiefe Schnittwunde auf der Stirn. Die Kosten für den Krankenhausaufenthalt übernahm die Versicherung – und trotz der Schmerzen erinnert sich die Abenteurerin vor allem an die Hilfsbereitschaft fremder Locals, die sich sofort rührend um sie kümmerten.

Genau diese Treffen mit Einheimischen sind viel wichtiger, als das geografische Ziel ihrer Reise zu erreichen: Australien. Um auf den roten Kontinent zu kommen, brauchen sie vermutlich noch viel Zeit. Denn gerade stecken Margaux und Julien schon seit Wochen in Hongkong fest: Auf dem Weg von Malaysia nach Japan und Südkorea geriet das Boot ihres Mitreisenden in einen Sturm, sie mussten die Reise in der chinesischen Sonderverwaltungszone unterbrechen. 

Seitdem suchen sie nach einem anderen Schiff, das sie weiter in Richtung Australien mitnimmt. Eine Geduldsprobe – aber auch eine Lektion. Denn jetzt wissen Margaux und Julien: Wer sich treiben lässt, kann auch mal stecken bleiben und wird doch irgendwann weitergespült.

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