Der stechende Geruch soll Einwohner um den Schlaf bringen, manche von ihnen betreten die Strände nur noch mit einer Gasmaske: Diese Szenen wie aus einem Katastrophen-Streifen spielen sich an der Nordwestküste der Bretagne ab – Sommer für Sommer. Die Grünalge überschwemmt die Urlaubsregion in Frankreich und stellt eine Gefahr für Mensch und Tier da.

Unter Grünalgen entwickeln sich giftige Gase – Todesfälle

Die Grünalge an sich ist nicht gefährlich – doch sobald der Algenteppich in der Sonne austrocknet, bildet sich eine weiße Kruste, unter der sich giftige Gase entwicklen. Das Einatmen der Faulgase soll bereits bei drei Menschen zum Tode geführt haben, wie der Fernsehsender „France 24“ berichtete.

Erst im Juli dieses Jahres soll ein 18-jähriger Austernzüchter an den Folgen gestorben sein, er erlitt einen Herzinfarkt.

Auch Tiere verenden in dem Algenteppich: Bei Untersuchungen wurden in ihren Kadavern Schwefelwasserstoff gefunden. „Es kann in Sekundenschnelle töten“, warnt André Ollivro im „Guardian“, der ein Strandhäuschen in der Bucht von Saint-Brieuc besitzt. Der 74-Jährige kennt den Ort noch als Naturschönheit, jetzt sei dieser mit dem „Killerschlamm“ und Algen-Haufen übersät.

Aktivisten kritisieren bewusste Umweltverschmutzung in der Bretagne

Bulldozer helfen dabei, die Algenflut zu beseitigen – in diesem Sommer mussten sechs Strände wegen der Plage gesperrt werden. Seit Jahrzehnten sammeln sich die Grünalgen in den Buchten der bretonischen Küste, doch in diesem Jahr sollen sie sich wegen des feuchtwarmen Wetters besonders heftig vermehrt haben.

Aktivisten und Einheimische wie André Ollivro meinen, dass das extreme Aufblühen menschengemacht sei: Schuld seien Nitrate in Düngemitteln und Abfälle aus der intensiven Tierhaltung in der Region, die über Flüsse in das Meer gelangen sollen.

Er und andere Klimaschützer sehen Jahr um Jahr eine Verschlechterung und haben deshalb die Initiative „Halte aux Marées Vertes“ ins Leben gerufen, was sinngemäß das „Stoppen der grünen Flut“ bedeutet.

Bis zu 10.000 Tonnen Grünalgen im Jahr sammeln sich an der bretonischen Küste

Die Politik widerspricht den Vorwürfen, der stellvertretende Umweltbeuftragte für die Region, Thierry Burlot, argumentiert, dass die Nitratwerte im Wasser durch Maßnahmen erheblich gesenkt wurden, in der Bucht von Saint-Brieuc sogar um die Hälfte. „In der Bretagne gibt es rund 2.700 Kilometer Küste, und weniger als fünf Prozent davon sind von diesem Algenphänomen betroffen“, sagte er und vergleicht die Massen der Algen.

„Vor 15 Jahren, zum schlimmsten Zeitpunkt, haben wir an bestimmten Stränden der Côtes d’Armor 30.000 Tonnen Algen pro Jahr gesammelt. Jetzt sind es 10.000 pro Jahr… Wir sind mobilisiert, um mehr zu tun.“

Einigermaßen beruhigende Nachrichten gibt es für Urlauber, die im Spätsommer beziehungsweise Herbst an die bretonische Küste reisen möchten: Bereits im August sei die Grünalge zurückgegangen, im September soll es merklich noch weniger werden, berichtete der französische Radiosender „France Bleue“ – eine vorsichtige Prognose von Experten.