Tel Aviv: Mein persönlicher Top Place 2020 | reisereporter.de

Tel Aviv: Mein persönlicher Top Place 2020

In Israel prallen Konflikte und Kontraste genauso aufeinander wie Trends und Traditionen. Schillernder Mittelpunkt: Tel Aviv, für reisereporterin Jasmin DER Top Place 2020. Eine Liebeserklärung an eine Stadt voller Lebenshunger.

Tel Aviv: Ein echt bunter Ort und ein Top Place 2020.
Tel Aviv: Ein echt bunter Ort und ein Top Place 2020.

Foto: imago images/robertharding (Montage)

Klock-klock. Klock-klock. Den ganzen Tag ist da dieses markante Geräusch, ein stetes Klock-klock, der heimliche Rhythmus von Tel Avivs Stränden. Wie ein treues Pochen begleitet dieses Klock-klock jeden, der am Tayelet entlangspaziert, der insgesamt 14 Kilometer langen Strandpromenade von Tel Aviv.

Der Grund für das Klock-klock ist der Nationalsport der Israelis, der am Strand gefeiert wird: Jeder spielt Matkot, schlägt mit einem Holzschläger einen Ball, rennt ihm nach, schlägt zurück, und wieder erklingt es: Klock-klock. Klock-klock.

An Tel Avivs Stränden wird Matkot gespielt. Der israelische Volkssport ist vergleichbar mit Tennis.
An Tel Avivs Stränden wird Matkot gespielt. Der israelische Volkssport ist vergleichbar mit Tennis. Foto: Jasmin Kreulitsch

Tel Aviv schillert. Wenn mittags die Sonne am höchsten Punkt steht, das Mittelmeer funkelt und die Menschen in der Sonne relaxen, ahnt man nicht, dass wenige Stunden später der Strand aus einem anderen Grund schillern wird: wenn das Partyvolk in einer der Strandbars das Nachtleben einläutet, um bis zum Sonnenaufgang in der tolerantesten Metropole Israels zu feiern.


„Jerusalem betet, Haifa arbeitet, Tel Aviv tanzt“

Ein israelisches Sprichwort lautet: „Jerusalem betet, Haifa arbeitet, Tel Aviv tanzt.“ Das stimmt. Das Leben in Tel Aviv ist trotz politisch angespannter Lage ein aufregender Mix aus Orient und Okzident, aus Lazyness und Schnelllebigkeit, aus Freizügigkeit und Orthodoxie.

Nirgendwo anders liegen Religion und Freiheit so nah beieinander wie in Israel. Morgens in Jerusalem beten, mittags im Toten Meer schwimmen, nachmittags durch die Wüste wandern, nachts in die LGBTQ-Szene eintauchen? Israel lässt alles offen, Tel Aviv alles zu.

In Tel Aviv lebt man in einer kritischen Region – voller Sehnsucht, im Hier und Jetzt.
In Tel Aviv lebt man in einer kritischen Region – voller Sehnsucht, im Hier und Jetzt. Foto: Jasmin Kreulitsch

Das liegt vielleicht auch an der Situation des kleinen Landes. Man lebt in einer kritischen Region, voller Sehnsucht, im Hier und Jetzt. In keiner anderen Stadt der Welt spürt man solch einen Lebenshunger.

Wenn man die Füße im Sand vergräbt, ein Bier oder einen Wodka mit
 Passionsfrucht trinkt, 
kann man leicht vergessen, dass man nur 90
 Kilometer entfernt ist vom Gazastreifen, wo Krieg herrscht, der nie zu enden scheint.

   

Tel Aviv: Der Top Place 2020 in Bildern

In Tel Aviv leben die Menschen mit vollem Herzen

Tel Aviv ist eine Partystadt, ja, doch die politisch angespannte Lage Israels ist allgegenwärtig: Auf den Straßen prägt das Militär das Stadtbild, in Einkaufszentren müssen alle durch Sicherheitskontrollen, in den Clubs ist es dasselbe.

Es ist manchmal zu laut, zu chaotisch, zu anstrengend, zu gefährlich. Aber genau das macht den eklektischen Rhythmus der Stadt aus. Die Menschen leben intensiver als anderswo. Alle leben mit vollem Herzen, egal ob als Urlauber oder Israeli.

Die politisch angespannte Lage Israels ist allgegenwärtig.
Die politisch angespannte Lage Israels ist allgegenwärtig. Foto: Jasmin Kreulitsch

Junge Israelis hadern nicht lange. Sie gehen Risikos ein, verwirklichen Träume, gründen Start-ups. Der Lebenshunger und die Lebenslust sind der Motor der Stadt, der Wunsch nach Frieden eine stete Sehnsucht.

Vielleicht ist es auch der Überlebensinstinkt, der die Israelis so leben lässt, wie sie es tun: frei, auch wenn’s politisch und territorial gesehen an Freiheit mangelt.

Tel Aviv ist ein Widerspruch

Es ist westlich und gleichzeitig urisraelisch. Es ist traditionell und dann wieder wild und hedonistisch. Es ist würzig und gleichzeitig mild. Es ist heruntergerockt und schick. Es ist ängstlich und mutig, bescheiden, aber auch eitel.

Kaum eine Stadt vereint so viele Widersprüche miteinander wie Tel Aviv. Beim Sonnenuntergang am Strand zeigt die Stadt ihr schönstes Gesicht.
Kaum eine Stadt vereint so viele Widersprüche miteinander wie Tel Aviv. Beim Sonnenuntergang am Strand zeigt die Stadt ihr schönstes Gesicht. Foto: Jasmin Kreulitsch

Die Kontraste prallen in Tel Aviv eben genauso hart aufeinander wie die Schläger und Bälle beim Matkot am Strand, wenn die pralle Sonne im bauschenden Mittelmeer versinkt und vom vertrauten Sound begleitet wird. Klock-klock. Klock-klock.

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