In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände aller Zeiten: Kilometerlange Feuerschneisen, verkohlte Bäume, verbrannte Tiere – diese Bilder brennen sich ins Bewusstsein. Muss die Reisebranche auf die Katastrophe reagieren? Ein Veranstalter sagt: Ja!

Eigentlich wollte Hauser Exkursionen ab dem kommenden Jahr wieder Brasilien-Reisen anbieten und dafür in diesem Jahr verstärkt in die Produktentwicklung gehen. Doch der Veranstalter für nachhaltige Slow-Trekking-Reisen streicht das südamerikanische Land aus seinem Portoflio. Grund dafür sind die verheerenden Waldbrände im Amazonas. 

Video: So verheerend wüten die Brände in Brasilien

„Mit großer Besorgnis verfolgen wir die Nachrichten. Dieser Regenwald befindet sich auf brasilianischem Boden, seine ökologische Bedeutung kennt jedoch keine politischen Grenzen“, sagt Geschäftsführer Ovid Jacota. Hauser Exkursionen unterstützt unter anderem in Brasiliens Nachbarländern Bolivien und Peru den Aufbau von Öko-Lodges sowie nachhaltigen Trekkings.

Brasilien-Reisen gestrichen: „Symbolischer Boykott“

„Die Basis unserer Touren ist eine intakte, eindrucksvolle Natur. Unser Ziel besteht darin, die Bevölkerung durch ihren Erhalt zu unterstützen. Das können wir aktuell effektiver durch einen symbolischen Boykott erreichen“, betont Jacota. 

Der Veranstalter wolle die Konzeption neuer Reisen daher erst dann wieder aufnehmen, „wenn die Regierung glaubwürdig einen respektvollen Umgang mit Natur und Mensch anstrebt“, so Jacota. 

Trostlos und erschreckend: Verbrannte Erde in Brasilien.
Trostlos und erschreckend: Verbrannte Erde in Brasilien. Foto: imago images / Fotoarena

Zuletzt habe Hauser Brasilien bei einer Tour im Jahr 2017 im Programm, die Umsätze waren auf einem niedrigen Niveau. Die Jahre 2020/2021 sollten einen Neustart bedeuten, die Destination wieder erfolgreich zu machen.

Brasilien-Boykott: So reagiert Verband

„Dass Reiseveranstalter ein Signal setzen und Stellung beziehen, ist wichtig. Denn in Brasilien wird der Lebensraum von Menschen, vor allem der indigenen Bevölkerung, und Tieren zerstört“, sagt Petra Thomas, Geschäftsführerin von forum anders reisen e.V. – der Verband für nachhaltigen Tourismus hat rund 130 Veranstalter als Mitglieder. 

Andere Veranstalter hätten offene Briefe an den Tourismusminister Brasiliens geschrieben, darunter Travel2Nature und Joven. Ob ein Boykott der richtige Weg sei, sei fraglich. „Er könnte auch die Falschen treffen – zum Beispiel kleine oder mittelständische lokale Unternehmen.“

Im aktuellen Fall bedürfe es eher politischen Drucks oder wirtschaftlichen Sanktionen, um Wirkung für den Schutz des Amazonas Regenwaldes zu erzielen.

Brasilien: 71 Prozent mehr Waldbrände unter Präsident Bolsonaro

Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro wird von Kritikern vorgeworfen, eine Atmosphäre geschaffen zu haben, in der sich Farmer zur Brandrodung ermutigt fühlen. Die Politik Bolsonaros, der seit Anfang 2019 im Amt ist, erlaubt es der Agrarwirtschaft, immer weiter in das Amazonasgebiet vorzudringen. Seitdem verzeichnet Brasilien mit einem Anstieg von 71 Prozent deutlich mehr Waldbrände als im Vorjahr.