Italien: Weißer Traumstrand in Vada – Industrieabfall ist schuld

Italien: Traumstrand ist in Wahrheit eine Industrie-Müllkippe

Am Strand von Vada fühlen sich Touristen wie in der Karibik. Doch der schneeweiße Sand und die türkis Farbe des Wassers sind kein Wunder der Natur. Eine Fabrik lädt dort seit Jahren Abfälle ab.

Der Strand von Vada in der Gemeinde Rosignano Marittimo in der Toskana.
Die hässliche Seite des Traumstrandes in der Toskana: Touristen baden in dem hellblauen Wasser vor einer Fabrik-Kulisse.

Foto: imago images/Danita Delimont

Nein, dieser Strand befindet sich nicht auf einer abgeschiedenen Insel in der Karibik. Diese Traumkulisse finden Besucher an der Westküste in der Toskana nahe der Stadt Livorno am Tyrrhenischen Meer zwischen Viareggio und Bibbona. Am Badeort Vada suhlen sich Touristen in schneeweißem Sand und baden im helltürkisfarbenen Meer.

Entweder ist es Unwissenheit oder Ignoranz, denn dass es sich hier um eine Industrie-Müllkippe handelt, scheint sie nicht zu stören. Direkt hinter der Düne rauchen die Schlote einer Fabrik, in welcher Natriumkarbonat produziert wird. Davon siehst du in den sozialen Medien jedoch nichts:

Karibik-Traumstrand in der Toskana entpuppt sich als Industrie-Müllhalde

Die Chemikalie, ein Salz der Kohlensäure, das auch Soda genannt wird, kennst du vielleicht aus der Küche vom Backpulver oder von Reinigungsmitteln. Und darin würdest du sicher sonst auch nicht liegen wollen, oder? Die Sodafabrik von Solvay leitet ihr Abwasser direkt ins Meer.

Der Industrieabfall bleichte den Sand extrem aus, Umweltschützer vermuten gesundheitliche Gefahren für Menschen. Schwermetalle, darunter giftiges Quecksilber und Arsen, sollen sich in dem Abwasser befinden. Doch der Bürgermeister Daniele Donati beteuert, dass der abgelassene Schlamm nicht bedenklich sei, wie „20 min“ berichtet.

Pikant ist jedoch, dass es nach Recherchen der italienischen Ausgabe des „Business Insider“ bereits ein Strafverfahren gegen die Solvay-Fabrik wegen eines „Umweltverbrechens“ gegeben haben soll. Das soll allerdings 2013 eingestellt worden sein.

Umweltschützer befürchten giftige Schwermetalle in Abwasser

In Italien gilt die Gemeinde Rosignano Marittimo weiterhin als Feriendomizil. Die Tourismusseite „Visit Tuscany“ wirbt mit den insgesamt mehr als fünf Kilometer langen Stränden für die Region in der Toskana, die sogar mit der „Blauen Flagge“ für gute Wasserqualität gekennzeichnet wurden.

In der italienischen Presse wurde bislang nicht über Krankheitsfälle berichtet. Dass das stechende Türkis in manchen Fällen jedoch sogar ein Warnhinweis sein kann, zeigt ein Gift-See in Spanien. Dort nahmen Influencer allergische Reaktionen für den nächsten Instagram-Schnappschuss in Kauf. Bei dem Gewässer handelt es sich um eine ehemalige Wolfram-Mine.

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