Norovirus-Alarm bei Aida: Kreuzfahrt-Passagiere klagen über Magen-Darm

Passagiere klagen an: Norovirus auf vier Aida-Schiffen

Wenn die langersehnte Kreuzfahrt mit Brechdurchfall und Quarantäne endet: Diese unangenehme Erfahrung machten in den vergangenen Tagen zahlreiche Aida-Passagiere. Mehrere Kreuzfahrtschiffe sollen betroffen sein.

Die „Aida Mar“ ist eines von mindestens vier Kreuzfahrtschiffen, auf denen nach Passagierangaben das Norovirus grassieren soll. (Symbolfoto)
Die „Aida Mar“ ist eines von mindestens vier Kreuzfahrtschiffen, auf denen nach Passagierangaben das Norovirus grassieren soll. (Symbolfoto)

Foto: imago images/Lindenthaler

Überlaufene Krankenstationen, Kotztüten in den Gängen, Quarantäne in der Kabine – so oder so ähnlich haben einige Aida-Passagiere kürzlich ihre Kreuzfahrten auf den Schiffen der Reederei erlebt. 

Sie wandten sich an den reisereporter und berichteten von Ausbrüchen eines Magen-Darm-Virus auf hoher See – die ihnen die Kreuzfahrt deutlich vermiest haben.

Aida: Hygienestandards werden regelmäßig kontrolliert

Generell gelten an Bord der Aida-Schiffe strenge Hygienestandards wie die des United States Public Health Service. Deren Einhaltung wird der Reederei zufolge regelmäßig und unangekündigt von den Behörden kontrolliert. Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen vonseiten der Reederei beinhalteten die Tiefenreinigung aller Bereiche und der Kabinen am Abreisetag.

Es ließe sich jedoch nicht vermeiden, dass vereinzelt erkrankte Passagiere die Kreuzfahrt antreten. Sobald sich Passagiere mit Symptomen, die den Verdacht auf eine Magen-Darm-Infektion nahelegen, im Bordhospital melden würden, informiere die Crew umgehend proaktiv die Gäste an Bord.

Diese könnten durch die Beachtung von Hygienehinweisen zum Schutz der eigenen und der Gesundheit aller Menschen an Bord beitragen. 

Übersicht: Auf diesen Aida-Kreuzfahrten klagen Passagiere über Norovirus

„Mediterrane Highlights 2“ mit der „Aida Stella“ ab Mallorca (15. bis 25. August)

Sie habe sich „dauernd übergeben und hatte Durchfall“, berichtet Passagierin Julia gegenüber dem reisereporter. Am letzten Abend ihrer Mittelmeer-Kreuzfahrt sei das Bordhospital überfüllt mit Leuten gewesen, die über dieselben Symptome geklagt hätten.

Das Ärzte-Team habe alle trotz des Ansturms „toll behandelt“. Julia denkt aber, „dass Aida ein Problem mit der Hygiene an Bord hat… Ich finde es eine Zumutung, weitere Passagiere auf das Schiff zu lassen und die nächste Reise gleich im Anschluss zu beginnen.“

„Mediterrane Schätze 1“ mit der „Aida Nova“ (17. bis bis 24. August)

Ähnlich sieht das ein Passagier der „Aida Nova“. „Erkrankte Gäste saßen und lagen auf den Fluren vor den Aufzügen, vor diversen Kabinen stand Brot und Suppe und auf dem Schiff verteilt hingen Halterungen mit Kotztüten“, behauptet Günther. Die hygienischen Maßnahmen hätten anfänglich zu wünschen übrig gelassen.

Irgendwann seien so viele Passagiere erkrankt, dass per Durchsage sogar nach Ärzten oder weiterem medizinischen Personal unter den Passagieren gefragt wurde, die im Bordhospital unterstützen könnten. Eine Ärztin, die mitgeholfen hat, wandte sich ebenfalls an den reisereporter gewandt. Sie sagt, das Personal habe „hervorragend“ reagiert, nicht so etliche Gäste. Einige hätten versucht, „ohne Desinfektion ihrer Hände ins Restaurant zu kommen und dann ungehalten reagiert, wenn man sie darauf hinwies“.

Wenn nur das Personal putze, desinfiziere und Toiletten permanent reinige, die Gäste jedoch nicht ihre Hände nicht waschen und desinfizieren, „obwohl überall Spender hängen“, so die Ärztin, dann werde es schwierig.

„Skandinavische Städte 3“ mit der „Aida Bella“ (25. August bis 1. September)

Passagierin Alexandra schätzt, dass während ihrer Kreufzahrt mit der „Aida Bella“ rund „200 bis 300 Menschen“ vom Magen-Darm-Virus betroffen gewesen seien. „Die Krankenstation war völlig überlaufen, hat aber sehr gute Arbeit geleistet.“ Doch die Behandlung habe ihren Preis. Schon in der Nacht nach der Behandlung sei die Rechnung gekommen: 195 Euro. 

Wer keine private Auslandskrankenversicherung abgeschlossen hat, muss Behandlungen auf Kreuzfahrtschiffen übrigens aus eigener Tasche bezahlen: Die Rechnungen werden nicht von deutschen Krankenversicherungen übernommen.

Außerdem hätten die Passagiere am Ende der Reise zwei Stunden früher von Bord gehen müssen, so Alexandra, damit das Schiff gründlich gereinigt werden konnte.

Ostseekreuzfahrt mit der „Aida Mar“ (21. bis 30. August)

Ebenso sei es den Passagieren auf einer Ostseekreuzfahrt mit der „Aida Mar“ ergangen. Eine Passagierin zeigte sich „über die Maßnahmen, die Kommunikation und den Umgang mit der Situation vonseiten Aidas schockiert und mehr als verärgert“. Sie berichtet von „60 erkrankten Passagieren sowie 20 Crew-Mitgliedern“, gegen Ende der Reise sei die Krankenstation dann voll belegt gewesen.

Sie selbst habe das Virus „von einer Sekunde auf die andere“ heftig erwischt. Sie habe zwei Infusionen bekommen und sei auf ihrer Kabine in Quarantäne gesteckt worden.

Per Durchsage habe der Kapitän die Passagiere aufgefordert, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Vor den Restaurants habe Personal den Gästen die Hände desinfiziert, alle Gänge seien mehrfach geputzt worden.

Gibt’s bei Norovirus für Kreuzfahrt-Passagiere Entschädigung?

Statt Pool, Restaurants und Landausflug hieß es für viele Passagiere: Besuch im Bordhospital, Quarantäne auf der Kabine und jede Menge unangenehmer Toilettengänge. Auf Entschädigung können sie in diesem Fall trotzdem kaum hoffen: Ein Magen-Darm-Virus stellt keinen Reisemangel dar. Passagiere mit Norovirus-Infektion auf Kreuzfahrt können deshalb nicht auf eine Entschädigung pochen.

Ausnahme: Wenn die Erkrankung auf die Zustände auf dem Kreuzfahrtschiff zurückzuführen ist, beispielsweise wenn kontaminierte Speisen und Getränke oder mangelnde Hygiene zu einer Salmonellenerkrankung oder einer Infektion mit einem Magen-Darm-Virus geführt haben. Dann haben Passagiere Anspruch auf Reisepreisminderung und Schmerzensgeld.

Aida: Wie sich Passagiere vor Norovirus schützen können

Die Reederei rät Passagieren generell, vor der Reise die Einreise- und Gesundheitsempfehlungen im Aida-Katalog oder auf der Website des Unternehmens gründlich zu lesen. Im Zweifel sollten sie vor der Reise den Hausarzt konsultieren. Die Reederei bittet Gäste außerdem, bei jeglicher Art von Erkrankung Aida noch vor oder bei Reiseantritt zu kontaktieren. 

Zuletzt hatte es im Sommer und Herbst vergangenen Jahres einen Norovirus-Ausbruch auf mehreren Kreuzfahrtschiffen gegeben. Zu den aktuellen Fällen hat sich Aida trotz mehrfacher Nachfrage des reisereporters bislang nicht geäußert. 

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