Ghana: Insider-Tipps für die Reise durch Westafrika | reisereporter.de

Ghana: Insider-Tipps für deine Rundreise

Atemberaubende Natur, wilde Tiere, Kultur, Geschichte, Essen: Die Vielfalt Ghanas wirst du nur entdecken, wenn du eine Rundreise machst. reisereporterin Maike verrät ihre Lieblingstipps für das Land.

Der Strand am Cape Three Points ist nur nach mehreren Stunden Fahrt zu erreichen.
Der Strand am Cape Three Points ist nur nach mehreren Stunden Fahrt zu erreichen.

Foto: Maike Geißler

Fortbewegung in Ghana

Worauf du dich einstellen musst: Die Distanzen in Ghana sind groß – und die Straßen sind teilweise in einem extrem schlechten Zustand. Daher mein Tipp: Nicht mit dem eigenen oder einem gemieteten Wagen fahren, sondern Trotros nutzen und das Gefühl von Zeitdruck gleich am Flughafen von Accra zurücklassen.

Die Fahrten mit dem Minibus sind nicht nur supergünstig, sondern auch jedes Mal ein echtes Erlebnis. Die Wagen haben Platz für 15 bis 20 Menschen und viel Gepäck – darunter auch mal lebendige Hühner. Die Taschen werden unter die Sitze gequetscht und, wenn dort kein Platz mehr ist, in einen kleinen Spalt zwischen letzter Sitzreihe und Tür. Geht diese nicht mehr zu, kein Problem, dann wird ein Seil festgezurrt und die Tür bleibt beim Fahren halb offen.

Das günstigste Verkehrsmittel in Ghana ist ein Trotro – einfach an einer der Sammelhaltestellen warten und dann einsteigen.
Das günstigste Verkehrsmittel in Ghana ist ein Trotro – einfach an einer der Sammelhaltestellen warten und dann einsteigen. Foto: imago/photothek

Bei jedem Halt rennen Verkäufer und Verkäuferinnen zum Trotro, preisen laut rufend und an die Scheiben klopfend ihre Waren an – meist tragen sie diese in Behältern auf dem Kopf. Dann wird Proviant gekauft: Bananenchips, Getränke, gefüllte Teigtaschen, Fleischspieße, Joghurtdrinks oder Brötchen. Ghana-Style.

Die Natur Ghanas

Wli Falls – höchster Wasserfall Westafrikas

Die Wli Falls sind ein echtes Erlebnis – und mit einer Fallhöhe von etwa 65 Metern sind sie der höchste Wasserfall Westafrikas. Sie befinden sich in der Volta-Region im Nordwesten von Accra direkt an der Grenze zu Togo.

Die Wli Falls bestehen aus einem oberen und einem unteren Wasserfall, beide erreichst du während einer sechsstündigen Wandertour – sie führt durch dichten Tropenwald, über Brücken und hat einige steile Auf- und Abstiege.

Vorsicht, besonders in der Regenzeit kann das schon mal zur Rutschpartie werden. Du solltest definitiv trittsicher sein und gute Schuhe tragen – lass dich nicht davon täuschen, dass die Guides oft nur Flip-Flops tragen.

Der untere der Wli Falls. Durch starke Regenfälle hat auch er eine ungeheure Kraft entwickelt.
Der untere der Wli Falls. Durch starke Regenfälle hat er eine ungeheure Kraft entwickelt. Foto: privat

Wenn du dir eine solche Wanderung nicht zutraust, kannst du auch nur den unteren Wasserfall besichtigen, dieser Weg ohne steile Aufstiege ist etwa drei Kilometer lang.

Anreise zu den Wli Falls: Mit dem Trotro nach Hohoe (von Accra aus dauert die Fahrt etwa sechs Stunden) und die restlichen rund 25 Kilometer mit dem Taxi fahren.

Cape Three Point – einsamer Sandstrand

Dieser Strand zählt zu den schönsten in Ghana – und er ist auch mit der einsamste. Wenn du am Cape Three Point ganz allein mit den Füßen im Sand stehst, rechts von dir ein alter Leuchtturm, links eine Palme, vor dir der Atlantik, dann wähnst du dich fast am Ende der Welt. Tatsächlich bist du zumindest am südlichsten Punkt des Landes.

Portugiesische Seeleute entdeckten ihn und gaben ihm den Namen „Cabo de Tres Puntas“ – auf Deutsch Kap der drei Spitzen. Warum, das siehst du spätestens, wenn du auf den Leuchtturm gestiegen bist. Weiteres Highlight, falls du zwischen November und März dort bist: Am Strand schlüpfen Babyschildkröten und suchen sich ihren Weg ins Meer.

Die Anreise ist ein ziemliches Abenteuer, denn die Straßen sind voller Schlaglöcher. Mit dem eigenen Auto solltest du es (vor allem in der Regenzeit) tunlichst vermeiden, die Straße in Angriff zu nehmen. Es könnte sein, dass du mit einem zerschlissenen Unterboden ankommst – so erging es unserem unerfahrenen Taxifahrer.

Fahr von Takoradi oder Agoda aus mit dem Cape-Three-Points-Trotro zum Sammelpunkt der Taxi-Motorräder, die bringen dich hin. Am besten kontaktierst du dazu die Lodge (siehe Übernachten in Ghana). 

Kakum-Nationalpark: Erlebe den Regenwald

Den tropischen Regenwald Ghanas kannst du auf spektakuläre Weise kennenlernen: Zwischen den riesigen Bäumen des Kakum-Nationalparks spannt sich ein Canopy Walk – ein Baumkronenpfad. Auf 330 Metern und sieben Brücken in bis zu 45 Metern Höhe kommst du den Pflanzen und Tieren in dem für Menschen sonst praktisch unzugänglichen Lebensraum näher.

Noch ein Highlight: Du kannst sogar eine Nacht im 350 Quadratkilometer großen Kakum-Nationalpark, der sich nördlich von Cape Coast und Elmina befindet, verbringen. Dabei wirst du von einem Parkranger begleitet, mit dem du auch noch eine Wanderung im Morgengrauen machen kannst. Übernachtungsanfragen kannst du direkt an die Parkinfo stellen.

Die Tierwelt Ghanas

In Ghana gibt es sehr unterschiedliche Lebensräume: Im Regenwald im Süden leben ganz andere Tiere und Pflanzen als in der Savanne im Norden. Hier kommen zwei Tipps, wie du beide Regionen erleben kannst:

Safari im Mole-Nationalpark

Ghana ist kein so typisches Safariland wie etwa Kenia, Botswana, Tansania, Namibia oder Südafrika – das hängt damit zusammen, dass Westafrika viel dichter besiedelt ist und es deswegen keine so großen Tierherden gibt. Doch echt wilde tierische Begegnungen kannst du trotzdem erleben, zum Beispiel im Mole-Nationalpark im Norden des Landes.

Dort hast du die Möglichkeit, etwa 300 Vogelarten und 94 Säugetierarten – darunter Elefanten, Antilopen, Büffel, Paviane und Warzenschweine – zu beobachten. Das geht bei Touren im Jeep oder zu Fuß. Letzteres ist ziemlich aufregend, denn es kann durchaus passieren, dass du plötzlich vor einem ausgewachsenen Elefantenbullen stehst.

Vorsicht, die sind nicht immer die nettesten Zeitgenossen. Beachte daher unbedingt die Anweisungen der Parkranger.

„Go back, go back“ – dieser Elefant vertrieb uns aus seinem Revier.
„Go back, go back“ – dieser Elefant vertrieb uns aus seinem Revier. Foto: privat

Anreise: Von Accra aus sind es gut 600 Kilometer bis zum Mole-Nationalpark. Fahr die Distanz nicht am Stück!

Wenn der Park nicht gerade auf deiner Rundreise liegt, hast du die Wahl: Entweder kannst du einen Flug nach Tamale buchen (ziemlich teuer und nicht gerade umweltfreundlich), oder du planst eine Zwischenübernachtung in Kumasi und zwei Tage für die Anreise ein.

Affen beobachten im Tafi Atome Monkey Sanctuary

In Tafi Atome erlebst du Monameerkatzen hautnah im gleichnamigen Wildtierreservat leben mehrere Hundert Affen im Wald. Normalerweise, wenn sie nicht gerade im Dorf auf Nahrungssuche sind, leben sie versteckt in den Bäumen. Bei einer geführten Tour durch den Wald kannst du nach ihnen Ausschau halten.

Aber Vorsicht, sie sind wild auf Bananen! Wenn Touristen beim Rundgang welche dabeihaben, springen die verspielten Monameerkatzen hinunter auf die Schultern, Köpfe und Arme der Gäste.

Das Monkey Sanctuary wurde im Jahr 1996 gegründet, es ist ein Community-basiertes Öktotourismus-Projekt. Das heißt: Die Einnahmen fließen in Projekte zur Erhaltung der Gemeinde. So wurde das Dorf beispielsweise mit Strom versorgt, die Schule und die Gemeindeklinik wurden renoviert.

In Tafi Atome erlebst du Monameerkatzen hautnah. Die Affen lieben Bananen…
In Tafi Atome erlebst du Monameerkatzen hautnah. Die Affen lieben Bananen… Foto: Maike Geißler

Anreise: Den Besuch kannst du gut mit einer Reise zu den Wli Falls kombinieren, indem du auf der Rückreise von der Lodge aus ein Taxi nach Hohoe mit Zwischenaufenthalt im Sanctuary buchst.

Die Geschichte Ghanas

Elmina Castle: Die „Door of No Return“

Wer Ghana verstehen will, muss sich auch mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte beschäftigen: dem Sklavenhandel. Ghana war mehr als drei Jahrhunderte lang der größte Sklavenumschlagplatz Afrikas, das Elmina Castle in der Nähe der Stadt Cape Coast spielte dafür eine große Rolle.

Nachdem Männer und Frauen darin wochen- oder monatelang unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten wurden, gingen sie durch die „Door of No Return“ (deutsch: Tür ohne Rückkehr), wurden auf Schiffe verfrachtet und nach Amerika gebracht. Dem beklemmenden Gefühl, wenn du heute an dieser Tür stehst, kannst und solltest du dich nicht entziehen.

Hunderttausende Afrikaner gingen durch die „Door of No Return“ im Elmina Castle: Ihr Weg in die Sklaverei.
Bedrückender Moment: Der Blick auf die „Door of No Return“ im Elmina Castle. Hunderttausende Afrikaner gingen durch diese Tür und wurden dann, so wie auch vom Cape Coast Castle aus, als Sklaven verschifft. Foto: imago images/Zuma Press

Kwame Nkrumah Memorial Park und Mausoleum

1820 erklärten die Briten Ghana unter dem Namen „Goldküste“ zu ihrer Kolonie – 1957 war Ghana dann einer der ersten Staaten Afrikas, der sich seine Unabhängigkeit erkämpfte. Darauf sind die Menschen in dem Land stolz, und den Vater der Unabhängigkeit, Kwame Nkrumah, verehren sie. Sein Gesicht ziert Geldscheine und Briefmarken, etliche Straßen sowie der größte Kreisverkehr Accras wurden nach ihm benannt, außerdem wurde ihm in der Hauptstadt ein Mausoleum gebaut.

Im Kwame Nkrumah Memorial Park befindet sich zudem ein Museum, das viele Fotos, persönliche Gegenstände und Erinnerungsstücke des ersten Präsidenten der Republik Ghana beherbergt. Und du erfährst dort auch, warum er im Jahr 1966 aus dem Amt geputscht wurde.

Dem Vater der Unabhängigkeit, Kwame Nkrumah, wurde in Accra ein Mausoleum gebaut.
Dem Vater der Unabhängigkeit, Kwame Nkrumah, wurde in Accra ein Mausoleum gebaut. Foto: Maike Geißler

Essen und Trinken in Ghana

Grundsätzlich empfehle ich dir: Lass dich auf die ghanaische Küche ein, auch wenn es in jeder Stadt Restaurants mit Pizza, Burger und Pommes gibt. Ein Land lernst du doch erst so richtig kennen, wenn du auch traditionell isst.

Vor allem kleine Snacks an Straßenständen oder von Straßenverkäufern gibt es in Ghana für ziemlich wenig Geld – je nach Saison auch immer frische Ananas, Mango und Papaya. Zwei weitere Dinge, die du unbedingt auf diese Art probieren musst, sind Bofrots (frittierte Teigbälle) und Plantain-Chips (gesalzene Chips aus Kochbanane).

Und an fast jeder Straßenecke findest du kleine Bars, in denen es traditionelle Gerichte gibt und in denen du meine Top-3-Gerichte probieren solltest (zum Beispiel im Restaurant Buka in Accras Stadtteil Osu):

1. Fufu: Das Nationalgericht besteht aus einem zu Brei gestampften Mix aus Plantains (Kochbananen) und Yamswurzel. Dazu gibt es entweder Groundnut oder Light Soup (Erdnusssuppe oder dünne Suppe). Das Gericht wird traditionell mit der Hand gegessen. Du bekommst in Bars und Restaurants zuvor eine Waschschüssel an den Tisch gebracht.

2. Banku: Banku ist ein Teigkloß aus Mais- und Maniokmehl sowie Wasser. Der Brei wird einige Tage stehen gelassen, damit er sauer wird (oder es wird Essig zu Hilfe genommen). Dazu gibt es Stew aus Fisch oder Fleisch. Auch Banku wird traditionell mit den Händen gegessen.

3. Red Red: Bei Red Red handelt es sich um frittierte Kochbananen mit Bohnen-Stew.

Übernachten in Ghana

Wenn du meine liebsten Sightseeing-Tipps abklapperst, dann plane Übernachtungen ein. Hier kommen meine drei liebsten Unterkünfte ohne Luxus und Schnickschnack:

Waterfall Lodge

Wenn du zu den Wli Falls fährst, dann ist die Waterfall Lodge eine schöne Unterkunft. Sie liegt mitten im Regenwald, besteht aus mehreren roten Rundhäusern und hat einen Panoramablick auf die Berge und den Wasserfall. Die Lodge wird von einem deutschsprachigen Ehepaar geführt, das dir auch Tipps für die Wanderung gibt.

Die Waterfall Lodge bei den Wli Falls ist eine nette und günstige Unterkunft.
Die Waterfall Lodge bei den Wli Falls ist eine nette und günstige Unterkunft. Foto: Maike Geißler

Escape Three Points

Am Cape Three Point gibt es nur diese Unterkunft – und du musst dich darauf einstellen, das volle  „Back to the roots“-Feeling zu bekommen. Es gibt in der Ökolodge Escape Three Points weder fließendes (geschweige denn warmes) Wasser noch Elektrizität.

Zum Duschen schüttest du dir Wasser aus einem Eimer über den Kopf, auf der Toilette „spülst“ du mit Sägespänen, und du schläfst in Baumhäusern. Was du dafür bekommst? Absolute Ruhe, einen einsamen Sandstrand, herzliche Gastgeber, fangfrischen Hummer und gute Cocktails.

Mehr „back to the roots“ als in der Escape-Three-Points-Ökolodge geht fast gar nicht.
Mehr „back to the roots“ als in der Escape-Three-Points-Ökolodge geht fast gar nicht. Foto: Maike Geißler

Mole Motel

Das Mole Motel ist die günstigere Unterkunftsvariante im Mole-Nationalpark. Es liegt auf einer Anhöhe mit Blick auf ein Wasserloch, an das die Elefanten zum Trinken und zum Baden kommen. Vom Restaurant mit Pool und von den kleinen Bungalow-Zimmern aus – die Einrichtung ist einfach gehalten – kannst du den Blick über die Savanne schweifen lassen.

Manchmal siehst du in der Ferne einen Elefanten, ganz nah kommst du hingegen vor deiner Tür grasenden Warzenschweinen oder Pavianen, die auf der Terrasse eine kleine Party feiern. Wichtigster Tipp: Lass nichts, kein Handtuch und auch kein T-Shirt, draußen zum Trocknen hängen. Die Gefahr ist groß, dass es urplötzlich verschwunden ist.

Anreise nach Ghana

Accras Flughafen befindet sich etwa zehn Kilometer außerhalb der Hauptstadt. Direktflüge aus Deutschland gibt es aktuell nicht. Du kannst aber mit dem Zug nach Amsterdam fahren, von dort aus fliegt zum Beispiel KLM direkt. Alternativ gibt’s Flüge auch mit Zwischenstopps in Dubai und Lissabon.

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