Granada: Ein reisereporter Top Place 2020 | reisereporter.de

Granada: Mein persönlicher Top Place 2020

Die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada leuchten im Abendrot – davor die majestätische Alhambra: Dieser Anblick hat das Herz von reisereporterin Nathalie erobert. Aber nicht nur deswegen ist Granada ihr Top Place 2020.

Ein Highlight in Granada: Die Alhambra.
Ein Highlight in Granada: Die Alhambra.

Foto: Nathalie Schwertner (Montage)

Es war eines dieser magischen ersten Male: Schon auf der Busfahrt von Málaga nach Granada steigt in mir Nervosität auf – und das nicht nur, weil sich der Bus in gefühlt immer enger werdenden Kurven immer weiter nach oben schraubt. Die Stadt steht seit vielen Jahren auf meiner Bucket-List. Und jetzt, endlich, werde ich sie sehen.

Granada vereint mehrere Welten, die anderswo als Widerspruch angesehen werden. Aushängeschild ist die Alhambra, die als Höhepunkt islamischer Baukunst gilt – und das mitten im römisch-katholisch geprägten Andalusien. Dabei waren es mitunter die Mauren, die abseits der christlichen Brauchtümer den feurigen Flamenco in Granada heimisch machten. Teestübchen lassen vermuten, man sei in Marokko, wenige Meter weiter dann eine Tapas-Bar.

Genau diese Kontraste machen den besonderen Reiz der Stadt aus – das Ferne, ja Mystische und vielleicht für viele auch Fremde aus dem Orient, konserviert im für viele vertrauten Urlaubsland Spanien.

Zwischen Europa und Orient: Granadas Geschichte ist allgegenwärtig

Der erste Blick auf die strahlend weißen Gipfel der Sierra Nevada lassen mein Herz augenblicklich höherschlagen – und sobald ich die Füße aus dem Bus auf den unebenen Boden setze und auf eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, die Kathedrale, schaue, ist es um mich geschehen. 

   

Galerie: Streifzug durch Granadas Straßen

Die Liebe zu Granada hält bei meinem Guide Hambi schon deutlich länger, er konnte sich nie von seiner Geburtsstadt trennen und zeigt mir bei einer Walking Tour ihre Geheimnisse. Von der Plaza Isabel La Católica geht es zur Kirche Santa Ana, die viel über die Vergangenheit Granadas erzählt. Die auf mehr als 700 Metern Höhe liegende Stadt wurde ab 711 von den Mauren – Siedler vornehmlich aus Tunesien, Algerien und Marokko – regiert.

Königin Isabella I. von Kastilien und König Ferdinand II. von Aragón eroberten 1492 Granada – doch die islamischen Errungenschaften in Kunst und Kultur halten bis heute an und schufen mit Einflüssen des damals der Renaissance angehörenden Spaniens ein vielseitiges Stadtbild. 

Pittoreske Gassen in Albaicín lassen das Herz von Romantikern höherschlagen

Irgendwo zwischen Europa und Orient, so fühle ich mich auch im alten maurischen Viertel Albaicín. Verwinkelte Gassen bilden ein verworrenes Labyrinth, hübsche Fassaden erinnern an idyllische Fischerdörfchen an Spaniens Küste; das mystische Sacromonte, das traditionelle Viertel der Romabevölkerung Granadas, ist das Tor zur Flamencoszene.

Noch ist vor dem Café 4 Gatos nichts los, am Abend genießen Nachtschwärmer ein kühles Getränk.
Noch ist vor dem Café 4 Gatos nichts los, am Abend genießen Nachtschwärmer ein kühles Getränk. Foto: Nathalie Schwertner

Und dann, pünktlich zum Sonnenuntergang, befinde ich mich plötzlich in einer Traube von Touristen, die einen bestimmten Ort ansteuern. Der Aussichtpunkt Mirador de San Nicolás offenbart die Schönheit der Stadt im Panorama, während Straßenmusiker Zuschauer mit spanischer Folklore bezirzen.

Granadas Kontraste: Zwischen Touri-Hotspot und Unistadt

Meine romantische Stimmung bröckelt ein wenig, Touristen drängen sich an dem Mauervorsprung, um einen Schnappschuss zu ergattern.

In der Hochsaison kommen pro Tag bis zu 27.000 Touristen nach Granada – und weil die Stadt so kompakt ist, herrscht zu Stoßzeiten dichter Trubel. Einige Anwohner fühlen sich an den Rand gedrängt und klagen über steigende Mieten.

In den traditionellen Tapas-Bars nähern sich Urlauber und Einheimische wieder an – auf süffigen Wein und gratis servierte Speisen aus der andalusischen Küche kann man sich eben gut einigen.

Am Morgen sind die Straßen Granadas dann wieder wie leer gefegt, ich komme mit jenen Menschen ins Gespräch, die zwischen den malerischen Fassaden ein ganz normales Leben führen. Es ist eben diese Gelassenheit, die Granada trotz der überfüllten Alhambra, dem meistbesuchten Monument Spaniens, weiterhin ausstrahlt. 

Die Alhambra strahlt eine magische Anziehung aus

Der Hauptanziehungspunkt in Granada ist die Alhambra. So wie mehr als zwei Millionen andere Menschen im Jahr will auch ich sie sehen und bahne mir entlang des Rio Darro meinen Weg zur Stadtburg, die unter der Nasridenherrschaft ausgebaut wurde.

Auf dem Sabikah-Hügel erschufen sich Kalife, Könige und Wohlhabende ihre eigene Stadt. Von außen lassen die schmucklosen Mauern nicht erahnen, dass sich im Inneren grüne Oasen, prunkvolle Paläste mit wertvollem Stuck, imposante Festungsanlagen und archäologische Fundstätten befinden.

Die Alhambra beim Sonnenuntergang.
Sobald die Sonne untergeht, macht die „Rote Festung“ ihrem Namen alle Ehre. Selbst die schneeweißen Gipfel leuchten in Magenta und zartem Rosa. Foto: Nathalie Schwertner

Das Herzstück der Alhambra, die Nasridenpaläste, bleibt mir verwehrt. Denn – eine Maßnahme, um die Touristenmassen einzudämmen – die maximale Besucherzahl wird je nach Saison auf 6.000 beziehungsweise 7.000 limitiert. Und die Tickets sind begehrt, ich habe keines mehr bekommen.

Um beim nächsten Besuch nicht wieder vor den Toren der Paläste haltmachen zu müssen, werde ich einen heißen Tipp befolgen: Täglich können gegen Mitternacht kurzfristig Tickets auf der offiziellen Website frei werden.

Die Semana Santa in Andalusien weckt Emotionen 

Die Osterzeit in Granada katapultiert Besucher vom Orient zurück nach Europa, ins katholisch geprägte Andalusien. Die Semana Santa versetzt die Region von Palmsonntag bis Ostermontag in einen Ausnahmezustand, sie ist ein Höhepunkt im Kalender für Christen.

Sie lachen, weinen, klatschen, wenn die Prozessionszüge von der Heimatkirche durch die Straßen ziehen. Andächtige Stimmung verschmilzt mit purer Lebenslust und Feierlaune. Auf Touristen können die Spitzhauben der sogenannten Nazarenos und Penitentes (Büßer) und die bodenlangen Kutten erschaudernd wirken – mich fesseln sie.

   

Galerie: Alhambra und Oster-Kult

Granada ist Zuhause und Abenteuer zugleich 

So viel Aufregung, so viel Facettenreichtum – doch trotz Überforderung ist da das warme Gefühl, angekommen zu sein. Mediterranes Flair stillt meinen Urlaubsdurst, das orientalische weckt meinen Abenteuergeist. 

Die Trennung am letzten Tag fällt schwer: Ein letzter Blick, bevor ich den Paseo de los Tristes abwärts schlendere und mir unterwegs andalusische Köstlichkeiten einverleibe – ganz gemütlich, obwohl der Bus in Richtung Küste schon bereitsteht. Kein Abschied, sondern ein Auf Wiedersehen. 

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