Ghana: Mein persönlicher Top Place 2020 | reisereporter.de

Ghana: Mein persönlicher Top Place 2020

Ghana wird als Urlaubsziel in Afrika oft übersehen. Zu Unrecht, findet reisereporterin Maike. Denn das Land, ihr Top Place 2020, besticht durch atemberaubende Natur – Savanne, Regenwald, Berge und Küste.

Die Wli Falls sind die höchsten Wasserfälle Westafrikas.
Die Wli Falls sind die höchsten Wasserfälle Westafrikas.

Foto: Maike Geißler (Montage)

Akwaaba – das bedeutet in Ghana nicht nur „hallo“, sondern auch „willkommen“. Es steht für die Lebensfreude und die Gastfreundschaft in dem Land. „Willkommen zu Hause, endlich bist du da, meine Schwester“ – mit diesen Worten und einer festen Umarmung hat mich meine 70-jährige Gastmutter Mama Mina begrüßt, als ich im August 2018 in Accra ankam, um dort als Volunteer zu arbeiten.

Ghana: Herzliche Menschen und atemberaubende Natur

Ihrem herzlichen Beispiel folgten viele weitere Menschen – Kolleginnen, Touristenführer, sogar fremde Menschen auf der Straße. Tatsächlich, so willkommen wie in Ghana habe ich mich bislang an nur wenigen Orten auf dieser Welt gefühlt.

Was mich aber noch mehr beeindruckt hat – und was das westafrikanische Land zu meinem Reise-Top-Place 2020 macht: Das Land ist gewissermaßen ein Spiegelbild ganz Afrikas. Die große landschaftliche, kulturelle und ethnische Vielfalt des Kontinents – all das vereint auch Ghana auf seinen 238.535 Quadratkilometern in sich.

Ghana: Der Top Place 2020 in Bildern

Ghana: Im Süden Strände, im Norden Savanne

Da ist auf der einen Seite das Chaos in den Großstädten, allen voran Accra. Die Hauptstadt Ghanas mit zwei Millionen Einwohnern ist gleichzeitig das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Es ist laut hier und du triffst auf Armut, auf Tausende Wellblechhütten, auf Verkehrschaos, Gedränge auf Märkten, auf eine offene Kanalisation und viel Müll, der auf offener Straße verbrannt wird.

Menschenmassen, hupende Autos: In Accra und anderen Großstädten in Ghana erwartet dich oftmals Reizüberflutung.
In den Großstädten packt dich das Chaos. Menschenmassen, hupende Autos: In Accra erwartet dich oftmals Reizüberflutung. Foto: unsplash.com

Trotzdem: Accra ist auch aufregend, und langweilig wird es bei den vielen Shopping-Malls, Märkten, Bars, Museen und Theatern definitiv nicht.

Und dann ist da auf der anderen Seite diese Ruhe in der so vielseitigen Natur: Im Süden am Meer ist die Landschaft grün und fruchtbar, es gibt einsame Strände und Regenwald. Im Kakum-Nationalpark erlebst du diesen auf einzigartige Weise aus 40 Metern Höhe, wenn du auf Westafrikas einzigem Baumwipfel-Pfad spazierst.

Im Kakum-Nationalpark läufst du in 40 Metern Höhe auf Westafrikas einzigem Baumwipfel-Pfad über den Regenwald.
Ein absolutes Highlight: Im Kakum-Nationalpark läufst du in 40 Metern Höhe auf Westafrikas einzigem Baumwipfel-Pfad über den Regenwald. Foto: Maike Geißler

Im Zentrum Ghanas findest du traumhafte Seen, Berge und den höchsten Wasserfall Westafrikas – den du erst nach mehreren Stunden Wanderung erreichst. Im Norden in Grenznähe zu Burkina Faso ist die Landschaft trockener, hier erlebst du die Savanne und kannst im Mole-Nationalpark auf Safari gehen und dabei Elefanten, Affen, Antilopen und andere Wildtiere beobachten.

Und mindestens so vielfältig wie die Natur Ghanas werden dir auch die Kulturen in Ghana begegnen. Die weit über hundert Völker Ghanas haben jeweils eigene Sprachen – von Fante über Ga bis Twi – und eigene kulturelle Wurzeln. Im Norden Ghanas kannst du die Moschee von Larabanga, eine der ältesten ihrer Art in Afrika, besichtigen.

Blick in eine Werkstatt: Hier erfährst du, warum jedes der Muster der bunten Kente-Stoffe eine besondere Bedeutung hat.
Blick in eine Werkstatt: Hier erfährst du, warum jedes der Muster der bunten Kente-Stoffe eine besondere Bedeutung hat. Foto: privat

Und in der Ashanti-Region erfährst du mehr über das reiche Erbe des Königreiches und was die bunten Kente-Stoffe so besonders macht. Jedes der Muster hat nämlich eine Bedeutung, steht für ein Ereignis oder ist ein Symbol. Und vor allem an der Küste triffst du auf eindrucksvolle und bedrückende Zeugnisse der Kolonialgeschichte, darunter die „Door of No Return“ im Elmina Castle, durch die Abertausende Afrikaner als Sklaven geschickt wurden.

Hunderttausende Afrikaner gingen durch die „Door of No Return“ im Elmina Castle: Ihr Weg in die Sklaverei.
Bedrückender Moment: Der Blick auf die „Door of No Return“ im Elmina Castle. Hunderttausende Afrikaner gingen durch diese Tür und wurden dann, so wie auch vom Cape Coast Castle aus, als Sklaven verschifft. Foto: imago images/Zuma Press

Reisen in Ghana? Nimm die Dinge gelassen

Um das Land wirklich zu erkunden, nimm dir vor allem eines: Zeit. Die brauchst du nicht nur, um dir alles ansehen zu können. Tatsächlich ist das Land nach wie vor nicht so auf Touristen ausgelegt wie andere afrikanische Länder – du musst daher ein Talent für Improvisation, Eigeninitiative und Geduld mitbringen. Ganz ehrlich: Einfach ist das Reisen dort nicht immer.

Allein am Strand des Cape Three Points im September.
Allein am Strand des Cape Three Points im September. Foto: Maike Geißler

Aber: Wenn du perfekt geplante, luxuriöse Urlaube ebenso wenig brauchst wie ich, dann wird Ghana dich mit seiner Vielfalt und Intensität packen und dir eine Welt erschließen, in der der Wirrwarr und das Chaos der großen Städte auf eine atemberaubende, vielfältige Natur und Tierwelt treffen.

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