Airbnb auf dem Dorf: Paar renoviert historische Gebäude

Airbnb auf dem Dorf: Warum Langeweile hip ist

Keine Landflucht, sondern die Flucht aufs Land. Christina und Knut renovierten zwei historische Gebäude in der Mecklenburgischen Schweiz. Zwischen Mooren und Entengeschnatter sollen Touristen entschleunigen.

Die Alte Schule in Rensow wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut. Dieses Alter sollen Gäste dem Gebäude auch bewusst ansehen können.
Zwischen Seen und Feldern können Touristen in historischen Gebäuden in der Gemeinde Prebberede Urlaub machen.

Foto: Susann Probst und Yannic Schon

Sie bezeichnen sich selbst als urbane Pflänzchen und suchten Ruhe auf dem Land: Christina Ahlefeld-Laurvig und Knut Splett-Henning lebten schon in den Mega-Metropolen Dubai, Paris und London. Doch so richtig sesshaft sind die beiden erst in der Gemeinde Prebberede geworden, für viele ein weißer Fleck auf der Deutschland-Karte.

In der 757-Seelen-Gemeinde (Stand 2018) in Mecklenburg-Vorpommern renovierte das Ehepaar ein altes Gutshaus und eine ehemalige Schule.

Paar rettet historische Gebäude vor dem Zerfall und vermietet sie an Touristen

Städter auf der Suche nach Ruhe, Teambuildung-Gruppen und auch Junggesellinnenabschiede finden in den historischen Gemäuern statt. Lust auf Selbstversorgung und Landleben sollten Gäste haben – warum genau das ein Wellness-Urlaub mit Ideen-Boost sein kann, verrät Knut dem reisereporter.

   

Urlaub im Gutshaus Rensow und in der alten Schule

Jahrelang ist Knut beruflich um die Welt gejettet. Er studierte internationale Beziehungen, Diplomatie und Wirtschaft. „Es war viel Arbeit, ich war viel unterwegs und es hat auch Spaß gemacht, aber ich hatte es irgendwann satt!“, sagt er. Mit seiner Frau Christina beschloss er, Business gegen Herzenssache einzutauschen.

Und das Herz lenkte sie in die Region zwischen Mecklenburgischer Schweiz und Recknitztal. Das Gutshaus Rensow und das Alte Schulhaus liegen nur 200 Meter voneinander entfernt – umgeben von Seen, Feldern, Moorlandschaft und tierischen Nachbarn.

Für Knut bedeutete die Renovierung ein Stück weit Neuland, Kleinarbeiten wurden selbst erledigt, spezielle Aufgaben wie das Dach neu zu decken überließ das Paar Profis. Wichtig war beiden, dass die Gebäude ihren Charme behalten und weiterhin Geschichten erzählen. „Das Wort Sanierung mag ich nicht. Das hat was von krank sein“, erklärt Knut, „schief bleibt schief, kaputt bleibt kaputt.“

Leben auf dem Land ist nicht nur romantisch

Allzu romantisch solltest du dir den Alltag der beiden nicht ausmalen: „Wir schütteln am Tag nicht nur zwei Betten auf – und fertig!“ Es sei viel Arbeit, die Gebäude in Stand zu halten und zu pflegen.

Trotz der Arbeit und des Aufwands, den die zwei Unterkünfte mit sich bringen, lieben Christina und Knut ihr Host-Dasein: „Der Kontakt zu Gästen ist uns wichtig. Der Austausch mit Stadtmenschen, meist aus der kreativen Szene oder den schnellen Medien.“ Und genau die sollen in der ländlichen Pampa Input für Neues bekommen und Entschleunigung finden.

Kampf gegen Landflucht in der Gemeinde Prebberede

Das Gutshaus und die Alte Schule kannst du über Airbnb mieten. Die Plattform unterstützt solche Projekte, um der Landflucht entgegenzuwirken und den Tourismus in ländlicheren Regionen anzukurbeln. In Rensow selbst wohnen nur 75 Menschen – im Kontrast dazu kommen jährlich geschätzt 25 verschiedene Nationen zu Christina und Knut. „So viele Reisende gab es hier wahscheinlich noch nie“, meint er.

Die beiden wollen verfallene Gebäude vor dem Abriss oder „sterilem Altbauexorzismus“ schützen. Und wie kommt der Tourismusgedanke bei der Gemeinde an? Der Bürgermeister von Prebberede, Frank Möller, sagt, er sei froh über jeden, der die Region für Urlauber attraktiver mache.

Bei den Einwohnern gebe es jedoch „geteilte Meinungen“, sagt er dem reisereporter. „Was soll das alles?“, sollen einige Bürger den Zulauf an Urlaubern kommentieren. Wobei die Gemeinde schon mal deutlich mehr Besucher hatte: Von 1999 bis 2012 fand jährlich ein Klassik-Festival mit bis zu 5.000 Besuchern statt.

Und was macht die Region für Touristen so speziell? „Weil man hier einfach seine Ruhe haben kann!“, ist sich Bürgermeister Frank Möller mit Christina und Knut einig.

Wen doch der Land-Koller erwischt, der kann zwei Dörfer weiter zu einem Badesee, nach Güstrow in den Wildtierpark oder aber einen Tag nach Warnemünde.

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