Reisen mit Kleinkind? Diese Mama zeigt, wie es geht

Reisen mit Kleinkind? Diese Mama zeigt, wie es geht

Nathalie liebt das Reisen und das Eintauchen in andere Kulturen und Lebensstile – das Ganze zusammen mit ihrem vierjährigen Sohn. Seitdem er sechs Wochen alt ist, gehen sie regelmäßig auf Entdeckungstour.

Nathalie und ihr vierjähriger Sohn unterwegs im Timanfaya-Nationalpark auf Lanzarote.
Nathalie und ihr vierjähriger Sohn unterwegs im Timanfaya-Nationalpark auf Lanzarote.

Foto: mom_and_a_half_man

Nathalie und ihr vierjähriger Sohn Marvel (Name geändert) bereisen die Welt, ihre Basis haben sie in Berlin. On Tour sind die beiden, seitdem er sechs Wochen alt ist. Um alle Erinnerungen festzuhalten und ihre Reisetipps mit den Menschen zu teilen, hat Nathalie den Instagramaccount „mom_and_a_half_man“ erschaffen.

Im Interview erzählt die 31-Jährige von ihrer Faszination fürs Reisen, ihren Lieblingsorten und wie das Ganze auch super mit Kind klappt. 

Wohin geht deine nächste Reise?

Nathalie: Wir werden die nächsten Wochenenden kleine Kurztrips unternehmen. Von der Ostsee nach Polen und von der Nordsee nach Dänemark. Die nächste große Reise wird New York sein. Dort werden der Kleine und ich meinen Geburtstag feiern.

Was muss man beim Reisen mit (Klein-)Kindern beachten?

Nathalie: Gute Vorbereitung ist das A und O. Wenn man vorab gute Arbeit leistet, kann man vor Ort frei reisen und ist für den Ernstfall gerüstet. Von Packlisten über Informationen zu Krankheiten bis hin zu Tipps fürs Flugzeug findet ihr viele Informationen auf meinem Instagram-Kanal.

Nathalie und Marvel auf einem Reitausflug in Kuba.
Nathalie und Marvel auf einem Reitausflug in Kuba. Foto: mom_and_a_half_man

Hast du weitere Tipps, die das Reisen mit (Klein-)Kindern erleichtern?

Nathalie: Beim Reisen mit Kind sollte man sich von einer Sache verabschieden: festen Plänen. Die gehen nämlich nie auf und falls doch, dann nur mit Stress. Besser klare, wenige Must-sees und sonst mit dem Flow gehen. So erlebt man die schönsten Abenteuer.

Was ist dein liebstes Reiseziel?

Nathalie: Ich bin ein großer Asien-Fan. Vor allem mit Kind ist es wundervoll zu bereisen. Die Gastfreundschaft ist schier unglaublich, und kinderlieb sind dort sowieso alle. Mit einem Nachtflug und einem vorherigen Besuch im Tropeninstitut bezüglich möglicher Krankheiten vor Ort kann da eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Was für ein Reisetyp bist du?

Nathalie: So frei wie möglich, so gut vorbereitet wie nötig. Am liebsten übernachte ich bei Einheimischen und versuche zu leben, wie sie. Mehr als einen Rucksack, Urvertrauen und einen Plan B in der Tasche brauchen wir dafür nicht. Na ja, und ein paar Wechselklamotten.

Verrate uns deinen besten Travel-Hack.

Nathalie: Mein Zeigewörterbuch! So überwindet man spielend leicht Sprachbarrieren, und sogar mein Kleiner kommuniziert damit schon vor Ort.

Welches Reiseziel ist am stärksten überbewertet?

Nathalie: Für mich sind klassische Touristenhochburgen generell nichts. Ich möchte kein Foto von vermeintlichen Attraktionen, wie sie zu Tausenden existieren, und dafür lange anstehen. Also die klassischen Städteziele wie Venedig, Amsterdam oder London sind sicher toll, aber mich interessiert das Drumherum. Das echte Leben.

Daher lohnt es sich oft, dem Trubel etwas zu entfliehen und die verborgenen Schätze zu sehen. Statt Amsterdam ab nach De Woude, statt London lieber in die Highlands.

Spaß haben Nathalie und Marvel auf alle Fälle. Hier sind die beiden gerade auf der schottischen Insel Gruinard Island.
Spaß haben Nathalie und Marvel auf alle Fälle. Hier sind die beiden gerade auf der schottischen Insel Gruinard Island. Foto: mom_and_a_half_man

Was war deine beste Unterkunft?

Nathalie: Die tollste Zeit hatten wir in Chiang Mai, die Unterkunft hieß Andaman Home. Dort wohnten wir mit einem ehemaligen Mönch, seiner Frau und einigen Hunden. Ganz ursprünglich. Wir wurden so lecker bekocht und sie haben uns ihr ganz eigenes Chiang Mai gezeigt. Wir kommen wieder.

Was war deine längste Anreise?

Nathalie: In unserem Fall war es eine Abreise. Wir sind von Koh Lanta in Thailand, nur um ein paar Euro zu sparen, 35 Stunden gereist, um wieder in Berlin zu sein. Der Kleine hat super mitgemacht, aber ich war danach erst einmal tagelang im Eimer. Die Strecke: Koh Lanta – Krabi – Bangkok – Abu Dhabi – Düsseldorf – Berlin.

Welches Land hat dich am stärksten verändert? 

Nathalie: Kuba. Unser Aufenthalt in Kuba war krass. In jeder Hinsicht. Krass anstrengend. Krass schön. Krass aufreibend. Krass traurig. Krass fröhlich. Ich bin froh, dass wir dort waren, aber das System dort hat mich sehr nachdenklich gestimmt.

Was für uns so selbstverständlich ist, ist dort oft undenkbar. Faszinierend aber ist, wie die Menschen damit umgehen. Entstanden ist eine herzliche Gemeinschaft, ein selbstloses Miteinander und eine Lebensfreude, die ich so bisher nirgendwo gespürt habe.

Was sind deine Reisepläne für 2019/2020?

Nathalie: Ich plane generell wenig im Voraus. Ich könnte mir vorstellen, Berlin für eine längere Zeit zu verlassen. Vielleicht noch mal nach Thailand. Meine Reisen ergeben sich meist, ohne dass ich viel plane. Ich schnappe einfach im richtigen Moment zu. Diese Freiheit habe ich im Moment noch, da Marvel erst in zwei Jahren in die Schule kommt. Das muss ich voll auskosten.

Was sind deine Top 3 der beeindruckendsten Reiseerlebnisse?

Nathalie: Lanzarote. Im ersten Moment habe ich mich gefragt, wie ich auf dieser kargen Insel eine tolle Zeit haben soll. Zum Schluss wollten wir nicht mehr weg. Ich habe Schritt für Schritt einen ganz anderen Blick bekommen und die Schönheit in den kleinen Dingen erkannt, ganz ohne Ablenkungen.

Schottland. Ich habe nicht viel erwartet und alles bekommen. Spielende Wale von einer Klippe aus beobachtet. Stand auf einmal einem Rentier gegenüber und habe die wilde, sich ständig verändernde Landschaft der Highlands genossen.

Portugal, Vila Nova de Milfontes. Ein verstecktes kleines Juwel. Ein ruhiges Flussufer mit feinem Sandstrand, das in den wilden Atlantik mit brechenden Wellen mündet. Und ganz unten am Strand ein Schiffswrack. Einmalig.

Hier erkunden die beiden den Pena-Palast in Sintra, Portugal.
Hier erkunden die beiden den Pena-Palast in Sintra, Portugal. Foto: mom_and_a_half_man

Was reizt dich am Reisen besonders und was ist das Stressigste für dich?

Nathalie: Ich liebe es, in andere Leben einzutauchen. Den Alltag anderer Menschen zu entdecken, mit all seiner Schönheit, mit allen traurigen Momenten. Dass ich das mit meinem Sohn erleben darf, macht für mich wahren Reichtum aus.

Das Stressigste für mich ist, dann wieder in meinen Alltag zurückzufinden. Gleichzeitig ist es aber auch schön, immer wieder an unsere Basis zurückzukehren und noch lange vom Erlebten zu zehren.

Warst du von einer Reise schon mal ehrlich enttäuscht? Warum?

Nathalie: Komplett enttäuscht war ich selten, selbst wenn es uns irgendwo nicht besonders gefallen hat, haben wir immer das Beste daraus gemacht. So war uns beispielsweise Venedig einfach zu voll und touristisch. Da wir nie in Hotels wohnen, sind wir einfach mit der Fähre nach Pula in Kroatien und hatten dort eine wunderbare Zeit.

Welches sind die Top-Learnings, die du von deinen Reisen mitgenommen hast?

Nathalie: Vergiss alle Pläne. Was stattdessen passiert, ist immer mindestens genauso toll. Bereite dich gut vor. Das gibt dir vor Ort maximale Freiheit. Und versuche, nichts zu erwarten. Denn Erwartungen werden nie erfüllt. Im schlimmsten Fall bist du hinterher enttäuscht. Wäre doch schade.

Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen würden – welches wäre dein nächstes Reiseziel?

Nathalie: Ich würde gern mit meinem Kleinen durch Asien. Einfach morgens aufwachen und wenn es uns weiterzieht, in das nächste Boot hüpfen und zur nächsten Insel. So lange, bis wir keine Lust mehr haben und zurück nach Berlin wollen. Das wär’s.

Diese Frau haben die beiden auf der Straße in Havanna kennengelernt.
Diese Frau haben die beiden auf der Straße in Havanna kennengelernt. Foto: mom_and_a_half_man

Beschäftigt dich das Thema Nachhaltigkeit auf Reisen?

Nathalie: Ja. Vor Ort leben wir wie Einheimische. Allerdings bekommt man beispielsweise in Asien für jede noch so kleine Besorgung eine Plastiktüte. Getränke sind in Wegwerfplastikflaschen. Die landen nicht selten im Ozean. Das möchte ich vermeiden und bringe stattdessen einen Tragebeutel, meine Brotdose und eine Trinkflasche aus der Heimat mit.

An den Stränden beteiligen wir uns oft an Putzaktionen. Das ist das Mindeste und längst nicht genug. Ich bin allerdings der Überzeugung, dass jeder, der etwas bewusster lebt, Teil einer großen Veränderung sein kann.

Traumberuf Reiseblogger – (wie) kann man davon leben?

Nathalie: Viele können das ganz bestimmt. Das ist aber nicht mein Ziel. Ich möchte über etwas berichten, dass ich ohnehin tue. Nicht Reisen, um darüber zu berichten. Dann würde mir die Leichtigkeit dabei verloren gehen.

Ich möchte stattdessen lieber anderen Menschen zeigen, wie man mit geringen Mitteln, unabhängig von Partner oder sozialem Status und auch als Mutter seine Träume leben kann. Wenn sich aber irgendwann eine Möglichkeit ergibt, wie wir damit unsere Urlaubskasse aufbessern können, würde ich mich natürlich freuen.

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