Flixbus, BlaBlaBus und Co.: Diese Rechte haben Fernbus-Passagiere

Flixbus, BlaBlaBus und Co.: Diese Rechte haben Passagiere

Reisen im Fernbus sind oftmals günstiger als Bahnfahrten. Aber kannst du auch Entschädigung bei Verspätungen oder Busausfällen erwarten? Der reisereporter erklärt die Rechte der Fernbus-Passagiere.

Ein BlaBlaBus und ein Flixbus am Berliner Busbahnhof.
Seit Kurzem hat Flixbus mit BlaBlaBus einen neuen Konkurrenten. Welche Rechte haben die Passagiere?

Foto: imago images/Steinach

Vielleicht kennst du das: Du freust dich auf einen Wochenendtrip – und dann kommt der Fernbus viel zu spät oder im schlimmsten Fall gar nicht. 

Das Gute: Du musst solche Beeinträchtigungen nicht einfach hinnehmen. Ähnlich der europäischen Fluggastrechteverordnung, welche die Rechte von Passagieren beispielsweise bei Streiks festschreibt, gibt es auch EU-weite Fahrgastrechte für Busreisende.

Egal ob Flixbus, Eurolines, BlaBlaBus oder Pinkbus – diese sind für alle Fernbusunternehmen bindend. Doch es gibt Ausnahmen, zum Beispiel bei Buslinien, die zum Großteil außerhalb der EU liegen oder ausschließlich innerhalb eines Landes. Klingt verwirrend? Der reisereporter führt dich durch den Rechte-Dschungel bei Reisen mit dem Fernbus!

EU-Fahrgastrechte für Fernbusse

Für Passagiere ein besonderer Stressfaktor: wenn sie über Änderungen der Fahrt nicht oder nicht rechtzeitig informiert werden. Fest steht aber: Du hast vor und während der Reise Anspruch auf korrekte Informationen.

Wenn sich der Fernbus verspätet oder sogar ausfällt, musst du bis mindestens 30 Minuten vor Abfahrt darüber informiert werden. Bei Verspätungen gehört dazu, dass du die voraussichtliche Wartezeit – sofern bekannt – erfährst.

Video-Test: Was kann der BlaBlaBus?

Fernbus fällt aus oder ist stark verspätet: Das sind deine Rechte

Deine gebuchte Fahrt fällt aus? Wenn die Wegstrecke mindestens 250 Kilometer beträgt, muss der Fernbusanbieter dir entweder deine Fahrkarte erstatten und dich kostenlos zum Ausgangspunkt zurückbringen, wenn die Verspätung den Zweck deiner Reise durchkreuzt.

Oder er muss die Weiterreise zum Reiseziel ermöglichen, und zwar ohne Aufpreis, unter vergleichbaren Bedingungen und zum schnellstmöglichen Zeitpunkt. Dasselbe gilt auch für Verspätungen von mehr als zwei Stunden. Stellt das Unternehmen diese Möglichkeiten nicht bereit, hast du zusätzlich Anspruch auf 50 Prozent des Ticketpreises.

Die Fahrt hätte mehr als drei Stunden gedauert und wurde gestrichen oder verspätet sich um mehr als 90 Minuten? Dann hast du außerdem Anspruch auf Imbiss, Mahlzeiten und Erfrischungen, wenn diese „im Verhältnis zur Wartezeit“ stehen und im Bus oder Bahnhof verfügbar sind.

Falls du durch den Ausfall irgendwo strandest und übernachten musst, muss das Unternehmen auch für die Übernachtungskosten aufkommen – für maximal zwei Nächte und bis zu 80 Euro pro Nacht – sowie für die Beförderung vom Busbahnhof zur Unterkunft und zurück.

Achtung, Ausnahme: Diese Ansprüche hast du nur, wenn der Bus wegen Überbuchung oder aus betrieblichen Gründen ausfällt. Nicht, wenn extreme Witterungsverhältnisse oder Naturkatastrophen der Grund für den Ausfall sind.

Gepäck verloren oder beschädigt: Die Rechte der Fernbus-Passagiere

Wenn dein Gepäck bei einem Busunglück verloren geht oder beschädigt wird, hast du Anspruch auf Entschädigung. Wie hoch diese ausfällt, hängt allerdings von der Gesetzgebung in dem Land ab, in dem der Unfall passiert ist. Laut Fahrgastrechteverordnung sollte die Höchstsumme aber nicht unter 1.200 Euro liegen.

Passagiere laden ihr Gepäck in einen Flixbus in München.
Koffer und Reisetaschen wandern bei Fernbussen ins Gepäckfach – was, wenn sie dort beschädigt werden? (Symbolfoto) Foto: imago images/Ralph Peters

Passagiere, die auf einen Rollstuhl oder eine andere Hilfe angewiesen sind, haben bei Verlust oder Beschädigung Anspruch auf eine Entschädigung, die den Ersatz oder die Reparatur abdeckt.

Bei Fernbus-Unfall verletzt? Anspruch auf Entschädigung!

Solltest du tatsächlich in einen Busunfall geraten, hast du natürlich auch Rechte, wenn du selbst dabei verletzt wirst. So hast du Anspruch auf Entschädigungen, die wieder je nach Land variieren. Hier sollte der Höchstbetrag nicht unter 22.000 Euro pro Fahrgast liegen.

Zudem muss das Unternehmen bei Bedarf Erste Hilfe ermöglichen und Passagiere ausreichend versorgen, beispielsweise mit Verpflegung, Kleidung oder Unterbringung.

Die Ansprüche gibt es jeweils bei Wegstrecken von mindestens 250 Euro. Und: Du kannst Beschwerden innerhalb von drei Monaten einreichen.

IC Bus, BlaBlaBus, Pinkbus: Das sind die Passagierrechte

Weil diese Regelungen in bestimmten Fällen nicht gelten, haben die Busunternehmen darüber hinaus eigene Passagierrechte festgelegt. Beim IC Bus der Deutschen Bahn entsprechen diese beispielsweise denen der Fahrgastrechte für Bahnreisende.

Andere Unternehmen, darunter das Start-up Pinkbus, BlaBlaBus und Eurolines, nennen auf ihrer jeweiligen Website nicht explizit weitergehende Passagierrechte. 

Bei Regiojet wird die Erstattung je nach Buslinie und Dauer der Verspätung gestaffelt. 

Passagierrechte bei Flixbus: Verspätung, Gepäckverlust, Todesfall

Auch Flixbus informiert detailliert über verschiedene Entschädigungsansprüche. So können Flixbus-Passagiere beispielsweise bis zu 1.300 Euro bei Verlust eines aufgegebenen Gepäckstücks einfordern – wenn sie den Wert der Gegenstände nachweisen können. Sonst sind maximal 330 Euro pro Gepäckstück drin. 

Wenn ein Flixbus Verpätung hat und du trotzdem damit oder mit einer Ersatzbeförderung an dein Ziel reist, hast du gegebenenfalls zusätzlich anspruch auf 25 Prozent (ein bis zwei Stunden Verspätung) oder 50 Prozent (mehr als zwei Stunden Verspätung) des Fahrpreises.

Für den Fall, das bei einem Flixbus-Unfall ein Passagier stirbt, hat die Familie Anspruch auf eine Vorauszahlung von mindestens 21.000 Euro. 

Video-Test: Eine Fahrt mit dem Flixtrain 

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