Filmtourismus: Diese Drehorte leiden unter dem Ansturm der Fans

Set-Jetter: Wenn Filmtourismus Orte zum Platzen bringt

Reist du auch gern an die Drehorte deiner Lieblingsfilme und -serien? Dann bist du ein Set-Jetter! Einst unbekannte Orte erlangen durch Kino oder Fernsehen neuen Ruhm – und drohen an den Folgen zu ersticken.

Boote und Touristen in der Maya Bay auf Koh Phi Phi, Thailand.
Zu voll: Aufgrund des riesigen Touristenansturms ist die Maya-Bucht in Thailand – bekannt aus dem Film „The Beach“ – für Touristen erst mal gesperrt.

Foto: imago images/imagebroker

Der Strand aus „The Beach“, die Festung aus „Game of Thrones“ oder die romantische Insel aus „Mamma Mia“: Manche Orte wurden durch Filme oder Serien auf die Bucket-Lists Tausender Urlauber katapultiert. Das ist erst mal nicht schlecht: Kauffreudige Touristen kurbeln schließlich die Wirtschaft an. Einige legendäre Drehorte werden von Touristenmassen allerdings förmlich überrannt.

Egal ob Serie, Kinofilm oder Musikvideo: Der reisereporter stellt dir sieben Orte vor, die unter ihrer Berühmtheit leiden.

1. Maya Bay auf Koh Phi Phi, Thailand

Im Film „The Beach“ von 2000 erlebt Leonardo DiCaprio den Traum eines jeden Thailand-Backpackers – der sich schnell in einen Albtraum verwandelt. Trotzdem verkörpert die Maya Bay auf der Insel Koh Phi Phi für viele Urlauber den Inbegriff eines Traumstrands. Die Folge: Jährlich kamen Hunderttausende Touristen – zu viele!

Um das Ökosystem der Bucht zu retten, musste die Regierung von Thailand die Reißleine ziehen. Zunächst hatte sie angekündigt, den Strand jedes Jahr für vier Monate zu sperren. Nicht genug für die geschädigte Natur: Die Sperrung wurde immer wieder verlängert. Jetzt steht fest: Die Maya-Bucht bleibt gesperrt und ist bis mindestens 2021 für Touristen tabu.

2. Dubrovnik, Kroatien

Damit andere Orte nicht dasselbe Schicksal ereilt wie die Maya Bay, arbeiten Städte wie beispielsweise Dubrovnik mit verschiedenen Maßnahmen gegen den Overtourism. Die mittelalterliche Altstadt ist einer der Drehorte der Erfolgsserie „Game of Thrones“, zahlreiche Touren drehen sich um die Fantasy-Show.

Zu Hochzeiten schieben sich täglich bis zu 20.000 Besucher durch die engen Gassen. Und viele von ihnen kommen, um sich ihrer Lieblingsserie ganz nah zu fühlen. 

Doch auch der Kreuzfahrt-Boom trägt zum Ansturm auf Dubrovnik bei. Deshalb dürfen mittlerweile maximal zwei Kreuzfahrtschiffe mit je bis zu 5.000 Passagieren anlegen. Die Stadt will ab 2020 außerdem eine Steuer von Kreuzfahrtpassagieren erheben.

3. Isle of Skye, Schottland

Die Landschaft auf der Isle of Skye ist so magisch, dass sie auch Pop-Sternchen Harry Styles in den Bann zog. Der Sänger drehte dort das Musikvideo zu seinem Song „Sign of the Times“.

Die träumerischen Aufnahmen sind natürlich das perfekte Marketing für die schottische Insel. Allerdings stößt sie in der Hauptsaison langsam an ihre Kapazitätsgrenzen. Das Problem: Die Übernachtungsplätze reichen teilweise nicht für die Besuchermassen.

Trotzdem wollen die Behörden (noch) keine Besuchergrenzen einführen oder Urlauber an den Fähren abweisen. Sie raten Reisenden aber dringend: Bucht vor der Anreise eure Unterkunft!

4. Fjaðrárgljúfur, Island

Er spaziert am Abgrund entlang, rennt über eine Wiese und bestaunt einen Wasserfall: Im Video zu seinem Song „I’ll Show You“ spielt Justin Bieber die Hauptrolle – aber ein bisschen auch die fantastische Natur in Island. Genauer gesagt die Schlucht Fjaðrárgljúfur. 

Mehr als 450 Millionen (!) Aufrufe hat der Youtube-Clip mittlerweile. Seit Erscheinen des Videos 2015 sind die Besucherzahlen in der Schlucht in die Höhe geschnellt. Sie sollen sich allein von 2017 auf 2018 fast verdoppelt haben. Um das Ökosystem zu schonen, wurde die Schlucht bis zum 1. Juni 2019 gesperrt

Stattdessen mussten sich die Fans mit dem digitalen Anblick zufriedengeben:

5. Prypjat/Tschernobyl, Ukraine

Die Sperrzone rund um ein ehemaliges Atomkraftwerk, das nach einem Reaktorunglück die ganze Region verstrahlte – nicht unbedingt das, was man sich unter einem attraktiven Reiseziel vorstellt, oder? Die Geisterstadt Prypjat in der Ukraine erlebt trotzdem seit einigen Wochen einen krassen Besucheraufschwung – dank der HBO-Serie „Chernobyl“. Sie handelt von der Tschernobyl-Katastrophe und rückt die Sperrzone in den Fokus der Fans. 

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Besucherzahlen dort um 30 Prozent gestiegen. Damit platzt Prypjat zwar noch nicht aus allen Nähten. Allerdings beweisen einige Besucher kaum Respekt für die tragische Vergangenheit des Ortes: Sie posieren halb nackt und mit albernen Posen dort, wo zahlreiche Menschen ihr Leben ließen.

Auch in Litauen ist der Hype um „Chernobyl“ spürbar: Die Hauptstadt Vilnius diente als „Double“ für Prypjat. Mittlerweile gibt es sogar Touren zu den Drehorten der Serie.

6. Skelling Michael, Irland

Vor der Küste von Kerry liegen die Skellings, eine Gruppe schroffer Felsinseln. Eine von ihnen ist in den letzten Jahren zu einer wahren Pilgerstätte für „Star Wars“-Fans geworden: Skelling Michael. Seitdem die Insel 2014 und 2015 einer der Star-Wars-Drehorte war, sind die Besucherzahlen in die Höhe geschossen – und sorgen für Bedenken. 

Denn jedes Jahr kommen mehr Besucher zu der Unesco-Welterbestätte, als für die Umwelt verträglich wären. Vergangenes Jahr verzeichneten die Behörden fast 17.000 Besucher zwischen Mitte Mai und Ende September. Das berichtet die „Irish Times“. Ein von der Unesco abgesegneter Plan legt die Grenze einer „nachhaltigen“ Nutzung aber bei 11.100 Besuchern fest. 

Jährlich kommen also fast 6.000 Besucher mehr, als die Stätte aus dem sechsten Jahrhundert vertragen könnte. Experten sorgen sich nun darum, wie lange die Natur und die fragilen mittelalterlichen Steinwege dem Ansturm noch standhalten können.

7. Skiathos und Skopelos, Griechenland

„Mamma Mia, ist das schön hier!“ Das müssen sich die Macher des Abba-Films gedacht haben, als sie die beiden Nachbarinseln Skiathos und Skopelos in Griechenland als Drehorte auswählten. Kein Wunder: Kleine Buchten, glasklares Wasser, Pininenwälder und kleine Dörfer machen die Inseln zum perfekten Idyll. 

Doch besonders in der Hauptsaison ist von Beschaulichkeit nicht viel zu spüren. „Mamma Mia“-Fans bevölkern die beiden nördlichen Sporaden-Inseln. Dort finden sie unter anderem die auf einem Felsen thronende Kapelle, in der am Ende des ersten „Mamma Mia“-Films Donna und Sam (gespielt von Meryl Streep und Pierce Brosnan) spontan heiraten. 

Immerhin: So voll wie die Spitzenreiter Santorin, Kreta und Korfu sind Skiathos und Skopelos längst noch nicht. Und die Nachbarinsel Skyros ist mindestens genauso schön – und weniger überlaufen als die Drehorte.

Du willst die ikonischen Drehorte deiner Lieblingsfilme oder -serien trotzdem einmal im Leben hautnah erleben? Dann plane deine Reise am besten in der Nebensaison. Oder weiche – wie bei den „Mamma Mia“-Inseln – auf weniger bekannte, aber genauso schöne Orte in der Umgebung aus.

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