Geräuschlos flitzen sie an dir vorbei, schlängeln sich zwischen Passanten hindurch, teilen sich mit Radfahrern die Wege: Die E-Scooter sind mittlerweile in Deutschlands Städten angekommen. Der Coolness-Faktor scheint dabei entscheidend zu sein, der Preis kann es bei genauerem Hinsehen nicht sein.

Denn eine aktuelle Studie zeigt, dass der Elektro-Roller im Preisvergleich zu Carsharing und anderen Verleih-Diensten die teuerste Wahl ist. Untersucht hat das die Plattform „Mydealz“ in verschiedenen Städten, unter anderem in Berlin und Hamburg.

Video: Die E-Scooter im Städtetrip-Test

Deutschland: E-Scooter sind der teuerste Sharing-Dienst!

Getestet wurden in Berlin 16 Anbieter: Darunter E-Scooter (Lime, Voi, Tier, Circ), Leihräder, Carsharing und gewöhnliche Motorroller. Das eindeutige Ergebnis: Auf der Kurzstrecke, beispielsweise in Berlin vom Hackeschen Markt bis zum Checkpoint Charlie, zahlst du auf den E-Scootern (dauer: 9 Minuten) am meisten.

E-Scooter des Anbieters Lime am Bahnhofsvorplatz in Köln.
Lime Bike kommt aus den USA und verleiht neben E-Scootern auch Fahrräder. Im Preisvergleich stellt er sich als teuerster Anbieter heraus. Foto: imago images/Future Image

Bei allen E-Scootern wirst du auf der zwei-Kilometer-Strecke mehr als zwei Euro los. Die teuerste Option ist Lime (2,80 Euro). Zwar folgt auf Platz 2 der Carsharing-Dienst We Share mit 2,71 Euro, Platz 3 teilen sich dann aber wieder an die Roller von Tier, Voi und Circ (alle 2,35 Euro). 

Ähnlich fällt das Urteil auch in Hamburg aus: Auf mehreren Teststrecken, wie von der HafenCity zum Hotel Atlantic, schnitten die E-Scooter preislich am schlechtesten ab, wie das „Abendblatt“ berichtet.

So teuer sind Sharing-Dienste in Hannover

Wie sieht es aus in Hannover? Durch die niedersächsische Landeshauptstadt fahren aktuell Roller von Tier, das Angebot wird Ende August um Lime erweitert. Bei wem der Coolness-Faktor nicht zieht, der kann auf Leihräder von Mobike umsteigen.

Die orange-silbernen Fahrräder kosten pro 20 Minuten Fahrtzeit maximal einen Euro. Im Direktvergleich zum E-Scooter von Tier ist das günstiger. Hier würde eine 20-minütige Fahrt insgesamt drei Euro kosten – ein Euro Grundgebühr plus 15 Cent für jede gefahrene Minute.

Wenn’s das Auto sein soll: Die Stadt betreibt einen eigenen Carsharing-Dienst, das Stadtmobil beziehungsweise den Stadtflitzer, hinzu kommt Ende August Drivers Next, wie die „HAZ“ berichtet. Bei der Ausleihe wird eine Kilometerpauschale von mindestens 79 Cent fällig, eine Grundgebühr gibt es nicht.

Lime, Voi, Circ, Tier: So teuer ist eine Fahrt mit dem E-Scooter

So dröseln sich die Kosten für den Elektro-Tretroller auf: Bei Lime kostet die Benutzung je nach Stadt zwischen 20 und 25 Cent pro Minute, Circ berechnet 15 bis 20 Cent, Tier 15 bis 19 Cent, Voi 15 Cent. Bei allen ist pro Ausleihe eine Grundgebühr von einem Euro fällig.

Elektroroller in der Erfurter Innenstadt.
Voi: Konkurrenz kommt auch aus Schweden. Preislich gibt es zu Tier und Ciric kein Unterschied. Foto: imago images/Karina Hessland

Wählst du bei Charsharing-Diensten das günstigste Automodell, kannst du sogar schon unter zwei Euro wegkommen (Car2Go 1,65 Euro).

Betriebskosten sind bei E-Scootern höher

Aber warum sind die E-Roller so kostspielig? Die Anbieter begründen das im „Business Insider“ mit den hohen Betriebskosten. So müssen die Roller von Personal eingesammelt und über Nacht zum Aufladen zu den Logistikzentren gebracht werden, die oftmals außerhalb der Stadt liegen. 

Den Weg an die Standorte müssen sie dann auch wieder zurücklegen – dieses tägliche Prozedere fällt bei Leih-Autos, Rädern oder anderen Diensten weg. Wobei gerade bei Autos das Tanken und Reinigen stärker preislich ins Gewicht fallen sollte.

Wenn es dir also nicht nur um das Erlebnis als solches geht, lohnt sich die Vorab-Recherche. In Hamburg gibt es beispielsweise das Stadtrad, auf dem du die ersten 30 Minuten kostenlos fahren kannst. Dabei hilft dir kein Motor, einmalig werden fünf Euro fällig, die dir aber als Guthaben für längere Fahrten gutgeschrieben werden.

E-Tretroller in der Diskussion: Wo ist fahren erlaubt?

Obwohl die E-Scooter in Städten wie Hannover erst seit Anfang August über den Asphalt rollen, ließen erste Negativschlagzeilen über Unfälle oder Wildparker nicht lange auf sich warten. In Berlin wird deshalb über ein Fahrtverbot  aller Sharing-Dienste auf Gehwegen diskutiert. Eine Überlegung sei, die grünen Tretroller auf die Busspur zu verbannen, berichtet das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“.

E-Scooter von Tier.
Spätzünder Hannover: Hier dominiert die Farbe Türkis vom Anbieter Tier (Platz drei). Foto: imago images/snapshot

Bis keine neuen Regelungen getroffen wurden, darfst du mit den E-Rollern auf Radwegen, Radfahrstreifen und in Fahrradstraßen düsen. Auf die Straße darfst du nur ausweichen, wenn entsprechende Wege fehlen, weist der „ADAC“ auf Verkehrsregeln hin.

Die Anmeldung ist ziemlich leicht: App des Anbieters herunterladen, Zahlungsmittel auswählen, QR-Code auf dem Roller mit dem Handy scannen – ab dann läuft die Mietzeit.