Forscher kritisiert: Kreuzfahrten haben in der Arktis nichts verloren

Kritik: Kreuzfahrtschiffe haben in der Arktis nichts verloren

Proteste gegen Kreuzfahrten in diversen Städten Europas und massive Kritik prasseln auf Reedereien und Kreuzfahrtpassagiere ein. Der Polarforscher Arved Fuchs stellt Arktis-Kreuzfahrten an den Pranger.

Passsagiere am Jonsfjord-Svalbard-Gletscher bei Spitzbergen.
Kreuzfahrten in die Arktis – für einen Polarforscher nur bedingt okay. (Symbolfoto)

Foto: imago images/blickwinkel

Er bezeichnet sie als Partyschiffe: Polarforscher Arved Fuchs kritisiert in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ offensiv den Kreuzfahrt-Tourismus.

Er selbst besucht die Arktis seit Jahren und sieht gerade dort die Auswirkungen der boomenden Branche. „Partyschiffe haben in der Arktis nichts zu suchen“, so das Plädoyer von Fuchs.

Große Kreuzfahrtschiffe: Inuit-Dörfer werden überrannt 

Ihm geht es um die großen Dampfer, die teilweise Tausende Passagiere in das fragile Ökosystem zwischen Eis und Eisbär, karren.

„Die Zahl der Kreuzfahrtschiffe steigt – das ist die Krux. Je größer die Schiffe, desto problematischer wird es.“ Zum einen seien es die Massen, die mit einem Mal aufs Land stürmen, zum anderen ihr Verhalten.

„Einige der kleinen Inuit-Dörfer werden regelrecht geflutet von Passagieren, die nur schauen und den Menschen vor Ort wenig zurückgeben. Es profitieren meist nur die Besucher – nicht die Einwohner.“

Plastikmüll in der Arktis bedroht Umwelt und Tiere

Was bleibt? Für Fuchs eine Menge Plastikmüll: „Selbst in Gegenden, wo im Umkreis von Hunderten von Kilometern nicht ein einziger Mensch lebt, sind die Küsten teilweise voll mit Plastikabfällen.“ Dabei handle es sich unter anderem um Cremedosen, Duschgels, Flipflops sowie Fischereiabfälle. Fuchs befindet sich gerade auf seiner Expedition „Ocean Change“ und befreit mit seiner Crew Strände von Abfall.

Die Vermüllung von schützenswerten Orten hat fatale Folgen für Natur und Tier. Das Plastik wird im Meer so stark zerrieben, dass es in die Nahrungskette gelangt und für erschreckende Bilder sorgt: Seevögel, die wegen eines mit Plastik vollgestopften Magens nichts mehr essen können, angespülte Wal-Kadaver.

Warum Kreuzfahrten dem Klima zusetzen

Dass Kreuzfahrten das Klima belasten, ist ein Fakt. Fuchs warnt, dass Gletscherschmelze und das Auftauen des Permafrostbodens ein Frühsignal für den hausgemachten Klimawandel seien. „Das, was dort passiert, geschieht später überall auf der Welt.“ Teilweise sollen bereits jetzt ganze Siedlungen evakuiert und umgesiedelt worden sein.

Anstieg des Meeresspiegels und Küstenerosion: Damit werden Städte wie Venedig und Dubrovnik nach Prognosen von Experten auch konfrontiert werden – und ohne Klimaschutz-Maßnahmen könnten diese und weitere 47 Unesco-Welterbestätten womöglich irgendwann im Meer versinken.

Auch Küstenstädte wie Kiel sehen sich bedroht: Dort protestierten zuletzt im Juli Menschen gegen Kreuzfahrten, gleiche Szenen gab es in Venedig. Polarforscher Fuchs begrüße, dass der Klimawandel in der Bevölkerung einen so hohen Stellenwert habe.

Diese Lösungsansätze gibt es bereits – Polarforscher fordert mehr von der Politik

Aber was ist sein Lösungsvorschlag? Kreuzfahrten ganz verbieten? Für die Arktis macht Fuchs da Unterschiede: „Kleine Expeditionskreuzfahrten mit einer interessierten Klientel, geführt von ausgebildeten Guides und Lektoren an Bord, erlauben eine weitgehend sensible Annäherung an die Natur.“

Großes Vorbild will die norwegische Reederei Hurtigruten sein. Die „MS Roald Amundsen“ mit Batterie-Antrieb ist im Juli in See gestochen, das Schiff ist extra auf Expeditionen in Polarregionen ausgelegt. Durch die norwegischen Fjorde darf aber nur unter strengen Auflagen gefahren werden: Schiffe, die mit Schweröl fahren, sind verbannt worden.

Zudem darf kein Abfall an Bord verbrannt werden. Bergen will 2026 nachziehen und nur noch mit Strom oder Wasserstoff betriebene Schiffe erlauben.

Polarforscher Fuchs fordert mehr: gesetzliche Verpackungskriterien. Das in der EU beschlossene Strohhalm-Verbot sei ein Beispiel.

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