Auf einem Schultrip durfte ich das erste Mal den Ärmelkanal überqueren, damals noch mit Reisebus und Fähre, und einen kleinen Einblick in eine für mich ganz neue Welt erhaschen.

Rote Doppeldeckerbusse, die sich im Linksverkehr durch die Straßen fädeln, Wolkenkratzer, die das Straßenbild ebenso prägen wie geschichtsträchtige Bauten, Straßenmärkte, Straßenkunst, U-Bahnen, die Tube heißen, und natürlich Fish and Chips auf die Hand, eingewickelt in eine alte Zeitung.

„In London fühlte ich mich das erste Mal frei“

Zwar absolvierte ich das normale Touri-Programm mit Big Ben, Tower Bridge, Madame Tussauds und Shoppen bei Harrods, doch irgendwie lag etwas Magisches in der Luft. London roch nach unbegrenzten Möglichkeiten und der großen Freiheit und für mich stand fest: Das ist meine Stadt!

Mein erstes wirkliches Abenteuer startete ich also genau dort: Mit Sack und Pack ging es für mich in der elften Klasse nach England, wo ich eine Mädchenschule besuchte und Englisch lernte. Der Nebeneffekt? Ich hatte genug Zeit, um auf Entdeckungstour zu gehen und London von vorn bis hinten zu erkunden.

Londons Musical- und Theaterlandschaft: So faszinierend!

Vor allem faszinierte mich die Musical- und Theaterlandschaft im West End, die zahlreichen Museen, in denen man oftmals keinen Eintritt zahlen muss, und dass hier ganz selbstverständlich Bänker neben Straßenmusikern und Punks neben Superreichen existierten.

Leo hat sich schon früh in die Straßen Londons verguckt.
Leo hat sich schon früh in die Straßen Londons verguckt. Foto: Leo Bartsch

Die einzige wichtige Regel, an die man sich in London halten muss, lernte ich schnell: Auf der Rolltreppe zur Tube rechts stehen und links gehen. An den typisch britischen Humor, die Begrüßung „Hello love“ vom Busfahrer, daran, dass „Are you alright?“ eigentlich keine Frage, sondern ein Gruß ist, und an kulinarische Besonderheiten wie „mushy peas“ (eine Art Erbsenpüree, das mit Fish and Chips gereicht wird) gewöhnte ich mich schnell.

London: So modern und doch so traditionell

Nichts prägte mich so sehr wie meine Monate in London, dieser pulsierenden, modernen, schnelllebigen, sich immer verändernden und doch wahnsinnig traditionellen Stadt. Und noch immer, 15 Jahre später, hat die Metropole denselben Effekt auf mich und erzeugt das Gefühl in mir, dass ich alles sein kann, was ich eben sein will.

vDie reisereporter Leo und Nils waren zum Dreh in London unterwegs.
Die reisereporter Leo und Nils waren zum Dreh in London unterwegs. Foto: privat

Gefunden habe ich dieses Selbstvertrauen in den Straßen von London, in denen sich mit großer Selbstverständlichkeit Moderne und Tradition die Hand geben. Die besungen wurden und Weltliteratur inspiriert haben. Die die Fashion-Szene extrem geprägt haben. Die Straßen, auf denen aber auch immer noch die Royals ihre Paraden abhalten und das Volk seiner Queen zujubelt.

vLondon: Hip, verrückt, und dann wieder traditionell.
London: Hip, verrückt, und dann wieder traditionell. Foto: Leo Bartsch

Und spätestens, wenn du am Nachmittag im Pub einkehrst, verstehst du, warum das in London alles gleichzeitig geht – am Ende des Tages möchten die Londoner auch nur ein kühles Guinness trinken.

Darauf kann man sich hier einigen, egal ob man für oder gegen den Brexit ist, ob man in der Bank arbeitet oder auf dem Wochenmarkt, ob man sich brennend für den Namen des neuesten königlichen Babys interessiert – oder eben nicht.