Venedig will Kreuzfahrtschiffe aus der Altstadt verbannen

Venedig will Kreuzfahrtschiffe aus der Altstadt verbannen

Overtourism, Umweltverschmutzung und zuletzt ein Crash: Venedig will in Sachen Kreuzfahrt die Reißleine ziehen. Die Stadt will offenbar bald die Schiffe aus dem historischen Zentrum verbannen.

Riesiger Kreuzer vor kleinen Booten in Venedig. Die Lagunenstadt ist unter den Spitzenreitern bei der Luftverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe.
Ein Kreuzfahrtschiff in Venedig, das die Häuser überragt – gehört dieses Bild bald der Vergangenheit an?

Foto: imago images/viennaslide

Gewaltige Kreuzfahrtschiffe, die den Markusplatz in Venedig überragen: Dieses Bild ist vielen Einwohnern ein Dorn im Auge und es könnte tatsächlich bald der Vergangenheit angehören. Eine Konsequenz des Kreuzfahrt-Crashs im Juni?

Damals rammte die „MSC Opera“ ein kleines Touristenboot und den Pier, fünf Menschen wurden verletzt. Im Juli konnte eine weitere Kollision nur knapp verhindert werden. Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnano forderte danach, dass die Kreuzfahrtschiffe vom Zentrum der Lagunenstadt weggeleitet werden müssen.

Venedig: Kreuzfahrtschiffe sollen umgeleitet werden

Nun greift die Stadt offenbar durch. Der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli hatte in einem im Juli auf Facebook veröffentlichten Video angekündigt: „Ab jetzt werden diese schwimmenden Paläste beginnen, anderswo zu fahren.“

Die italienische Zeitung „The Vision“ schreibt, dass bereits in den nächsten Wochen einige Schiffe, die mehr als 40.000 Tonnen wiegen, nicht mehr in den Giudecca-Kanal einfahren dürfen. Sie sollen zu weitläufigeren Liegeplätzen umgeleitet werden, die zwar noch in der Lagune, aber nicht mehr im historischen Zentrum liegen.

Das sei aber nicht genug: „Ziel ist es, bis 2020 rund ein Drittel der Kreuzfahrtschiffe, die Venedig ansteuern, auf neue Liegeplätze umzuleiten“, sagte Toninelli einem Bericht von „CNN“ zufolge. Als Alternativhäfen dienen könnten Chioggia und Lido San Nicolo am Eingang der Lagune. Toninelli weiter: „Wir reden seit 15 Jahren über große Schiffe, und es wurde nichts unternommen.“

Kreuzfahrt-Bann Venedig? Nicht der erste Vorstoß

Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, das teilte der Branchenverband Clia Europe mit. Clia halte nach wie vor die Fahrt über den Canale Vittorio Emanuele III für die geeignetste Lösung, das sagte Tom Boardley vom Verband mit. 

Diese Pläne waren im Jahr 2017 angestoßen worden: Demnach sollten die Schiffe eine andere Route fahren und dann in Marghera – einer weniger glamourösen Industriestadt – am Festland halten. Der Bau für das dafür nötige Terminal hat jedoch nach wie vor nicht begonnen, er würde auch mehrere Jahre dauern.

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Venedig: Kreuzfahrtschiffe legen direkt am historischen Zentrum an

Mehr als 1,5 Millionen Kreuzfahrt-Touristen kamen im vergangenen Jahr nach Venedig. Bislang legen selbst die größten Schiffe direkt am historischen Zentrum der italienischen Lagunenstadt an, die Passagiere erreichen beispielsweise den Markusplatz in nur wenigen Gehminuten.

Venedig ächzt nicht nur unter den Touristenmassen, sondern auch unter der Umweltverschmutzung. Die Luft in der Hafenstadt ist einer Studie zufolge durch die Abgase der Kreuzfahrtschiffe stark verdreckt. 

Venedig richtet Anti-Kreuzfahrt-Appell an Hafenstädte

Zuletzt richtete der Chef der Hafenbehörde für die nördliche Adria in Venedig, Pino Musolino, einen Appell an acht Hafenstädte in Europa: Amsterdam, Barcelona, Dubrovnik, Hamburg, Málaga, Marseille, Palma de Mallorca und Zeebrugge müssten ihre Kräfte bündeln.

Nur so könnten Reedereien dazu gebracht werden, Schiffe einzusetzen, „die mit unseren Gegebenheiten und der Umwelt vereinbar sind“, so Musolino. 

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