Märchenhaft wirkt die Kulisse des Reschensees in Süditrol – der aus dem Wasser ragende Turm der Pfarrkirche St. Katharina hat durchaus seinen Anteil daran. Für Touristen ist das ein Postkartenmotiv, im Vinschgau erinnert der versunkene Turm jedoch an ein dunkles Kapitel der Geschichte. Was erzählt diese unterhalb der Wasseroberfläche?

Dorf in Südtirol überflutet – der Turm bleibt im See stehen

Die Kirche St. Katharina wurde im 14. Jahrhundert gebaut, doch seit mehr als 50 Jahren ist von ihr nur noch der Turm zu sehen. Grund dafür ist ein folgenreiches Projekt zum Bau eines Staudammes kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Der Reschen- und der Gra​unersee sollten um 22 Meter gestaut werden – die Bürger sollen kein Mitspracherecht gehabt haben.

Diese Aufnahme soll das Dorf Graun mitsamt der Kirche vor der Überflutung zeigen.
Diese Aufnahme soll das Dorf Graun mitsamt der Kirche vor der Überflutung zeigen. Foto: imago images/Arkivi

677 Hektar wurden 1950 überflutet, 163 Häuser gesprengt, der Ort Graun und die Kirche versanken im Wasser. Schätzungsweise 150 Familien verloren ihre Existenzgrundlage, die Hälfte davon wanderte gezwungenermaßen aus. 

Nur der Turm erinnert Besucher noch an das Atlantis von Südtirol. Er steht heute unter Denkmalschutz.

So kannst du den Turm im Reschensee besuchen

Aus der Nähe kannst du den Kirchturm bei einer Schifffahrt auf dem Reschensee betrachten. Der See ist sechs Kilometer lang, die „MS Hubertus“ fährt ab Mitte Juli bis Oktober täglich. Im Winter kann der See schon mal zufrieren – einige trauen sich dann auf die Eisfläche.

Außerdem zieht es jährlich Sportfans in die Region. Beim Reschenseelauf müssen Teilnehmer eine Strecke von 15,3 Kilometern und 90 Höhenmeter meistern. Fahrradtouren sind im Vinschgau auch beliebt.