Sonne, Strand und Meer – eigentlich ein schöner Dreiklang. Der Sommer hat jedoch auch Schattenseiten, mit dem warmen Wetter steigt die Infektionsgefahr mit Vibrionen-Bakterien in der Nord- und Ostsee deutlich. Durch hohe Wassertemperaturen vermehren sich die Bakterien besonders stark. Betroffen sind dabei aber nicht nur Badegäste im Meer.

Wo kommen Vibrionen vor?

Vibrionen können sowohl in Salz- als auch in Süßwasser vorkommen und befinden sich bei niedrigen Temperaturen vor allem im Meeresboden. Kurz gesagt: Das gefährliche Bakterium schlummert auf der ganzen Welt. 

Auch in Deutschland wurden Infektionen bereits an der Ost- und der Nordsee nachgewiesen. Zudem vermehrten sich die Bakterien in den vergangenen Jahren stark in den Flussmündungen von Elbe, Weser und Ems. Die deutsche Ostsee zählt wegen ihres geringen Salzgehalts sogar zu den gefährdetsten Gebieten im Sommer.

Ab einem Salzgehalt von 0,5 Prozent oder weniger und einer Wassertemperatur von über 20 Grad Celsius vermehren sich Vibrionen stark. Gerade im Sommer verbreitet sich der Erreger daher besonders schnell, in Deutschland stellen Vibrionen er also eher ein saisonales Problem dar.

Wie gefährlich ist eine Vibrionen-Infektion?

Das kommt darauf an. Menschen mit einem schwachen Immunsystem sind prinzipiell gefährdeter, sich zu infizieren. Doch auch wer mit offenen Wunden baden geht, sollte sich des Risikos bewusst sein. Gelangen die Bakterien in die Blutbahn, kann das zu schweren Wundinfektionen und Organschäden führen.

Die Krankheit kann im schlimmsten Fall tödlich enden, teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Dort schreibt es: „Ein frühes Symptom ist ein lokaler Schmerz, der angesichts der sichtbaren Wunde überproportional stark erscheint. Zudem können Fieber, Schüttelfrost und Sepsis auftreten. Chirurgische Behandlungen bis hin zur Amputation von Gliedmaßen können die Folge sein. Schwere Erkrankungen können tödlich verlaufen.”

Vibrionen: Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Laut RKI beträgt die Inkubationszeit zwischen vier und 96 Stunden und hängt vom Erreger ab. Die relativ kurze Inkubationszeit führt dazu, dass Betroffene oftmals schon am Urlaubsort erkranken und behandelt werden müssen.

Vibrionen in Austern: Wie gefährlich ist der Verzehr von Meeresfrüchten?

Doch nicht nur Strandurlauber laufen Gefahr, sich mit dem gefährlichen Erreger zu infizieren. Besonders in Japan ist die Infektionsrate hoch. Aber: Nicht etwa, weil die Japaner häufiger baden gehen als Menschen anderswo, sondern weil das Vibrionen-Bakterium auch über die Nahrung aufgenommen werden kann. Der hohe Konsum von rohem Fisch und Meeresfrüchten in Japan ist hier der Grund.

Meeresfrüchte sind aber auch in Deutschland beliebt. Vor allem bei Austern und anderen roh verspeisten Meeresfrüchten sollte deshalb darauf geachtet werden, woher sie ommen. Bei Austern, die aus warmen Gewässern stammen, ist Vorsicht geboten.

Um einem Magen-Darm-Infekt vorzubeugen, empfiehlt es sich, Meeresfrüchte vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten abzukochen.

Vibrionen-Infektion behandeln: Was hilft?

Wer schnell reagiert, kann eine Infektion mit Vibrionen über Antibiotika behandeln. Eine zu spät oder gar nicht erfolgte Behandlung kann chirurgische Eingriffe bis hin zu Amputationen erfordern.

Vibrionen-Meldepflicht in Deutschland

In Deutschland gilt seit dem 1. März 2020 eine Meldepflicht für Vibrionen-Erkrankungen. Laut RKI ist die Meldung wichtig, um "räumliche Fallhäufungen zu erkennen" und im Ernstfall "Interventionsmaßnahmen zu ergreifen". Die Gesundheitsämter der Bundesländer übermitteln erhaltene Meldungen direkt an das RKI.