Ohne zu zögern, löst Adam Wickström seinen Karabiner, der ihn auf einem Turm in rund 50 Metern über dem Boden sichert, setzt sich in seinen Sicherheitsgurt und macht einen beherzten Schritt ins Leere. Die Rolle, die an dem 17-Jährigen befestigt wurde, summt laut los, als sie über das Stahlseil saust und den Guide so auf bis zu 75 Kilometer pro Stunde über den Baumwipfeln der südschwedischen Region Småland beschleunigt.

„Das erste Mal über die Kante des Turms zu treten, ist für jeden angsteinflößend. Man muss erst einmal dem Material vertrauen, aber danach macht es nur noch Spaß“, erklärt der junge Tourenführer aus Växjö.

Adam Wickström arbeitet die erste Saison auf Schwedens einziger und Europas längster Seilbahn – der „Little Rock Lake Zipline“ in Klavreström.

Video: So fühlt sich die Fahrt auf Schwedens Zipline an

Schwedens Zipline: Fünf Bahnen auf vier Kilometern

Auf fünf Bahnen mit insgesamt vier Kilometern Seil im tiefen Wald können 5- bis 99-Jährige rasant von Turm zu Turm durch die Luft rutschen. Gesichert mit einem Gurt, Handschuhen, Helm, einem Tuch für lange Haare und Ohrenstöpseln geht es dann mit zwei Guides von Station zu Station.

Dabei werden Schluchten und Bäche überflogen, während du eine tolle Aussicht auf den See hast. Je nach Strecke bist du so eineinhalb bis vier Stunden unterwegs.

„Es ist der beste Sommerjob, den ich je hatte“, sagt Adam. Insgesamt 20 Guides arbeiten in der Saison an der Seilbahn. Sie kommen unter anderem aus Schweden, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland.

reisereporterin Ann-Christin traut sich – sie vertraut auf die Anweisungen von Adam Wickström.
reisereporterin Ann-Christin traut sich – sie vertraut auf die Anweisungen von Adam Wickström. Foto: Ahlers

Auf der roten Strecke ist der 17-Jährige an diesem Tag mit Samuel Rööst unterwegs. „Wir kommen beide aus Växjö, sind quasi Nachbarn. Dass wir nun hier zusammen arbeiten, ist super.“ Unterschiedliche Schwierigkeitslevel gibt es bei den Bahnen nicht, sie unterscheiden sich nur im Adrenalinniveau und in der Länge.

Adam ist während der Tour der Vordermann. Das bedeutet, er erklärt den Teilnehmern die einzelnen Bahnen – wie die Höhenunterschiede der Stationen, wie lang die Seile sind oder wie schnell du auf der Strecke wirst. Dann fährt er voraus, um einen nach dem anderen im Ziel in Empfang zu nehmen.

Samuel schickt hingegen einen – oder je nach Bahn auch mal zwei Fahrer gleichzeitig – in die Seile und kommt als Letzter nach. Gekonnt zeigt er dabei, was er draufhat: nimmt zum Beispiel die Füße über den Kopf oder noch einmal ordentlich Geschwindigkeit auf.

Beim Zippen sind feste Schuhe Pflicht

Zippen – so wird diese Aktivität genannt – kann im „Little Rock Lake“ jeder, der sich traut. Will man aber alleine auf die Bahnen gehen, muss man mindestens 35 Kilogramm wiegen. Kinder, die weniger wiegen, zippen im Tandem mit einem Guide. Das Höchstgewicht beträgt 125 Kilogramm.

Um perfekt auf die rasanten Fahrten vorbereitet zu sein, muss festes Schuhwerk angezogen werden. Zudem werden lange Hosen empfohlen. Die Touren kosten pro Person zwischen 38 und 82 Euro für Kinder sowie zwischen 93 und 165 Euro für Erwachsene.