„Chernobyl“: Warum seit der Serie alle nach Litauen wollen

„Chernobyl“: Warum seit der Serie alle nach Litauen wollen

Massenhaft Touristen strömen Richtung Tschernobyl, vor allem seit der HBO-Serie „Chernobyl“. Und auch Litauen erlebt seither einen erheblichen Zulauf, denn im Atomkraftwerk dort wurde gedreht.

Wissenschaftler Waleri Legassow (gespielt von Jared Harris, rechts) wurde nach der Reaktorexplosion als Experte hinzugezogen und arbeitete eng mit dem Leiter der Regierungskommission, Boris Schtscherbina (Stellan Skarsgård), zusammen.
Wissenschaftler Waleri Legassow (gespielt von Jared Harris, rechts) wurde nach der Reaktorexplosion als Experte hinzugezogen und arbeitete eng mit dem Leiter der Regierungskommission, Boris Schtscherbina (Stellan Skarsgård), zusammen.

Foto: Stills©Sky UK Ltd/HBO

Vor 33 Jahren erschütterte die bislang größte Atomkatastrophe der Geschichte die ganze Welt: Am 26. April 1986 explodierte im Kernkraftwerk Tschernobyl der Reaktor in Block 4, es kam zur Kernschmelze. Die Stadt Prypjat wurde evakuiert, Tausende Menschen verloren ihr Zuhause, Menschen starben.

HBO hat die Katastrophe verfilmt, in der Mini-Serie „Chernobyl“. Und seither erfährt nicht nur die Geisterstadt Prypjat einen enormen Zulauf an Dark-Tourism- und Serien-Fans, sondern auch Litauen.

Litauen: Hier wurde „Chernobyl“ gedreht

Stadtviertel von Vilnius, das architektonisch Prypjat ähnelt und daher als Drehort für die HBO-Serie ausgewählt wurde.
Stadtviertel von Vilnius, das architektonisch Prypjat ähnelt und daher als Drehort für die HBO-Serie ausgewählt wurde. Foto: Stills©Sky UK Ltd/HBO

Das Land diente als Drehort für die Serie, vor allem die Hauptstadt Vilnius, die rund 750 Kilometer vom Katastrophenort Tschernobyl entfernt liegt.

Der Stadtteil Fabijoniškės stellt darin die Stadt Prypjat dar, weil er ihr architektonisch sehr ähnelt. Die Formen sind klar, Beton und graue Farbtöne dominieren. Es gibt dort sogar Führungen zu den Drehorten.

Litauen: Atomkraftwerk vom gleichen Typ wie Tschernobyl

Außerdem steht in Litauen das Kernkraftwerk Ignalina. Und das ist vom gleichen Typ wie jenes in Tschernobyl und verfügt über dieselben Reaktoren. Und im Gegensatz zum Unglücksort kann Ignalina, das Ende 2009 stillgelegt wurde, besichtigt werden. 

Das Atomkraftwerk Ignalina ist seit rund zehn Jahren stillgelegt.
Das Atomkraftwerk Ignalina ist seit rund zehn Jahren stillgelegt. Foto: imago images/bonn-sequenz

Touristen können, ausgestattet mit Strahlenmessgeräten, Kunststoffhelmen und weißer Kleidung, durch Reaktorhallen, Turbinenhangars und Gänge laufen. In der Leitstelle können sie sogar den roten Knopf drücken, der im Schwesterkraftwerk Tschernobyl kurz vor der Explosion betätigt wurde.

Litauen entwickelt sich als Atom-Tourismus-Ziel

All das kommt an, Litauen wird langsam zum Top-Ziel für Atom-Tourismus. Oleg Volkov von der Tourismusorganisation Lithuania Travel spricht von einem „massiven Anstieg der Popularität“ des stillgelegten Atomkraftwerkes.

In diesem Jahr seien bereits mehr als 1.600 Menschen im Kraftwerk gewesen, davon kamen 800 nur im Juli. Demgegenüber stehen rund 2.000 Besucher im gesamten vergangenen Jahr. Die Kapazitäten sollen ausgebaut werden, um dem gestiegenen Interesse gerecht zu werden.

In Vilnius gibt es inzwischen Stadtführungen zu den Drehorten der Serie Chernobyl.
In Vilnius gibt es inzwischen Stadtführungen zu den Drehorten der Serie Chernobyl. Foto: Stills©Sky UK Ltd/HBO

Übrigens: Der Unfall hatte auch Folgen für Litauen. Denn weil das Land damals wie die Ukraine auch zur Sowjetunion gehörte, wurden Tausende Einheimische nach Tschernobyl geschickt, um bei der Beseitigung des Chaos zu helfen. Viele von ihnen starben an den Folgen der radioaktiven Strahlung.

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