Adria-Tipps: 7 Insider für die italienische Insel Grado

7 Insider-Tipps für die italienische Insel Grado

Was für Deutsche die Nord- und die Ostsee sind, ist für Österreicher die Adria. Der Küstenstreifen in Norditalien ist eine extrem beliebte Urlaubsregion. Abseits der Massen gibt es eine Insel, die anders ist: Grado.

reisereporterin Jasmin war für euch auf der Insel Grado und hat jede Menge Tipps im Gepäck.
reisereporterin Jasmin war auf der Insel Grado und hat jede Menge Tipps im Gepäck.

Foto: Jasmin Kreulitsch

Gebettet zwischen der Lagune von Grado und dem Adriatischen Meer im Norden Italiens, hatte die Insel Grado schon immer eine Sonderstellung. In unmittelbarer Nähe befinden sich auf dem Festland bekannte Badeorte: Lignano, Bibione und Caorle sind nur drei von ihnen.

Wenn deutsche Jugendliche ihre Ferien an der Nord- oder der Ostsee verbrachten, fuhren österreichische Kinder an die obere Adria und schwammen im Meer, wo jeder Deutsch kann und man völlig selbstverständlich seine Nachbarn aus dem Heimatdorf trifft.

Noch heute unkt man gern über die „Hausmeisterstrände“ an der oberen Adria. Aber Grado ist anders. Zwar sind es noch immer vorwiegend Österreicher, die hier Urlaub machen, doch Grado ist eine Insel. Und das bedeutet: Es gibt nur beschränkt Platz.

Gerade mal 8.000 Menschen leben dort, Urlaubern stehen in etwa 30 Hotels, vier Campingplätze und um die 40 bis 50 Restaurants und Kneipen zur Verfügung. Das ist charmant, von Massentourismus ist die Insel bisher verschont geblieben. Während Lignano, Bibione oder Caorle wachsen können, bleibt Grado, wie es ist. Anders. Authentisch. Außergewöhnlich. Hier kommen meine Tipps für die Insel:

1. In die Città vecchia in Grado eintauchen

Die Insel, die an der Nordküste der Adria auf einer Küstendüne am äußersten Ende des Golfs von Venedig liegt, hatte seit jeher eine Sonderstellung und war früher nur mit dem Schiff erreichbar. Heute führt der Weg auf die Insel über eine fünf Kilometer lange Dammstraße, die 1936 erbaut wurde.

Sobald du die Insel erreichst, offenbart sich nicht nur der ellenlange Strand, sondern auch die malerische Altstadt. Die Città vecchia ist das historische Zentrum Grados und ein zauberhaftes Labyrinth mit engen Gässchen, antiken Sehenswürdigkeiten, zahlreichen Shops und hervorragenden Restaurants.

Wie gemalt wirken die engen Gassen. Typisch: die vielen Hängepflanzen.
Wie gemalt wirken die engen Gassen. Typisch: die vielen Hängepflanzen. Foto: Jasmin Kreulitsch

Hier spielt sich das pralle Leben ab – und nur, wenn du dich mindestens einmal verirrt hast, bist du wirklich auf Grado angekommen.

Besonders schön ist die Altstadt, wenn noch alles schläft: Wenn du um 6 Uhr morgens durch die schmalen Gassen schlenderst, hast du die Città vecchia ganz für dich allein.

Mit leichtem Gepäck geht es auf Erkundungstour durch Grados verwinkelte Altstadt.
Mit leichtem Gepäck geht es auf Erkundungstour durch Grados verwinkelte Altstadt. Foto: Jasmin Kreulitsch

Tipp: Die besten und vor allem authentischsten Restaurants verstecken sich in den engen Gässchen. Es lohnt sich, einfach herumzuspazieren und zu schauen, wo ein paar Tische versteckt stehen. Je kleiner, desto uriger!

Spannend sind die neu eröffnete Enoteca Santa Lucia (Via Orseolo 19) in einem engen Durchgang oder auch das Androna und das Santa Lucia (beide in der Calle Porta Piccola). 

2. Am Hafen von Grado abhängen

Die Gradeser sind stolz auf die Geschichte ihrer Insel. Denn Grado war lange vor Venedig berühmt und diente als Anlegehafen für Schiffsleute. Der Hafen befindet sich direkt im Zentrum, zwischen der Città vecchia und der Fußgängerzone. Früher war die westliche Hafenseite die Grenze zum Meer, doch dann sorgten die Habsburger für den Ausbau des Hafens.

Heute ist der Porto Y-förmig gestaltet und ragt liebevoll mitten in die Stadt hinein. Etliche Boote ankern hier und schaukeln auf dem Wasser, rundum befinden sich Cafés und Bars – und auch Grados Taxiboote und das Personenschiff „Nuova Cristina“ starten vom Hafen aus ihre Touren in die Lagune von Grado.

Eine große Portion Inselromantik bekommst im Hafen von Grado.
Eine große Portion Inselromantik bekommst im Hafen von Grado. Foto: Jasmin Kreulitsch

Tipp: Das authentische Hafenleben entdeckst du, wenn du zum Frühstücken kommst, am besten gegen 7 Uhr morgens. Dann sind im Hafen lediglich die Fischer am Werk, die in ihren Booten sitzen und ihre Netze entwirren.

Die Hafencafés öffnen früh, sodass du das Treiben in Ruhe beobachten kannst, am besten im Café Bomben (Via Campiero 10): Hier gibt’s den besten Kaffee in der Stadt. Nachmittags ist das Fifty Bar (Calle Tunisi 2) eine super Adresse: Das hippe Lokal ist ein perfekter Ort für den ersten Aperitivo!

3. Am Strand von Grado spazieren gehen

Die Strände von Grado sind etwas ganz Besonderes: Alle Strände sind komplett nach Süden ausgerichtet, sodass alle Sonnenstunden des Tages genutzt werden können.

Kein Wunder, dass Grado auch als Sonneninsel bekannt ist. Dazu kommt: Sie hält den Langzeitrekord unter den prämierten Badeorten von Friaul-Julisch Venetien, vor allem die umweltfreundliche und nachhaltige Arbeit steht im Vordergrund.

Auch das ist natürlich Italien: Sonne satt gibt es am Strand von Grado.
Auch das ist natürlich Italien: Sonne satt gibt es am Strand von Grado. Foto: Jasmin Kreulitsch

Die kann sich wirklich sehen lassen: Das regionale Projekt „Plastic Free“ sorgt dafür, dass Einwegprodukte aus Plastik vermieden werden, mehrere Strandbäder erzeugen Energie mit Solarzellen, und für SUP-Paddler gibt es sogar Paddel mit Haken, um Abfälle aus dem Meer fischen zu können. Der Haupt-Strandbereich ist rund drei Kilometer lang, die Strände sind enorm flach. Im Sommer zahlt man bis 17 Uhr Eintritt (3 Euro).

Tipp: Abends am alten Strand von Grado spazieren und am äußersten Ende der Spiaggia Azzurra bis zum Leuchtturm gehen – und vielleicht noch mal in die Wellen hüpfen. Der alte Strand gilt nämlich vor allem bei den Gradesern als Insidertipp.

4. Auf der „diga“ von Grado chillen

Zwischen dem Strand Spiaggia dell’Imperatore im Osten und dem Strand Costa azzurra im Westen liegt die berühmte „diga“ Grados. Im 18. Jahrhundert wurde ein Damm errichtet, um die Altstadt vor Sturmfluten zu schützen, der Lungomare Nazario Sauro. Die Gradeser nennen diesen Bereich nur „diga“.

Einst als hölzerne Struktur entstanden, ist die Promenade am Meer heute eine Art in den Ton gerammter Zaun, den Gradeser wie Touristen liebend gern entlangschlendern. Wer jung und hip ist, kommt auch hierher zum Schwimmen, denn tagsüber ist es hier viel ruhiger als an den Stränden. Einfach über die Felsen klettern und ins Meer springen.

Badesachen sind auch in deinem Urlaub auf Grado ein Muss – Einheimische und andere Urlauber machen’s vor.
Badesachen sind auch in deinem Urlaub auf Grado ein Muss – Einheimische und andere Urlauber machen’s vor. Foto: Jasmin Kreulitsch

Die Promenade, wie sie heute steht, wurde von den Österreichern im Jahr 1885 errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden dann entlang der „diga“ viele kleine Hotels und Villen im Jugendstil.

Tipp: Eines der schönsten kleinen Hotels mit der besten Terrasse ist das Hotel Marea (Via dei Provveditori 6). Wer hier eincheckt, sitzt jeden Morgen und jeden Abend direkt an der „diga“ und staunt nicht nur über malerische Sonnenuntergänge, in erster Reihe barfuß, sondern auch über die ausgezeichnete Küche des Restaurants. Das hausgemachte Tiramisu ist ein Gedicht!

5. Auf der Promenade von Grado flanieren

Nicht nur die Promenade an der „diga“ ist einen Spaziergang wert, sondern auch die Strände im Zentrum. Hier spürst du erneut die Anwesenheit der Habsburger, die viel dazu beigetragen haben, Grado als Badeort berühmt zu machen.

Als die Österreicher nämlich erkannten, dass die Insel über ein besonders mildes Klima, ionisierte Meeresluft und mineralienreichen Sand verfügt, kamen sie alle, der Habsburger Adel genauso wie die österreichischen Touristen. Der Badetourismus startete schon im Jahr 1854 – als „Kur- und Badeanstalt Grado“.

                               Auf Grado flanierst du an diesen Prunkbauten vorbei.
Auf Grado flanierst du an diesen Prunkbauten vorbei. Foto: Jasmin Kreulitsch

Kaiser Franz Joseph verlieh den Titel als kaiserlich-königliches Seebad und war auch einer, der Grado immer förderte, obwohl er selbst nie da war – auch wenn eine Geschichte der Stadt etwas anderes erzählt. Dort, wo sich die schönsten Jugendstilvillen befinden – allen voran die Ville Bianchi (Viale Dante Alighieri 50) in typischem „Schönbrunner Gelb“ gestrichen, wie die Wiener gern sagen – liegt an der Promenade ein kleines, schmiedeeisernes Tor.

Siehst du genauer hin, findest du die Initialen von Kaiser Franz Joseph. Warum? Einst war sein Besuch angekündigt, also kreierten die Gradeser ein eigenes Tor und somit einen persönlichen Strandzugang für den Kaiser. Leider kam er nie, aber noch heute erzählt man sich gern, dass er doch hier war und jenes Tor – die Kaisertür – benutzte.

Es ist übrigens bis heute immer verschlossen – denn die Geschichte beinhaltet auch die Wendung, dass der Schlüssel seit damals verschollen ist.

Tipp: In der Fußgängerzone, nur wenige Schritte von der Promenade entfernt, ist das Cristallo (Via Dante Alighieri 35) ein super Treffpunkt. Hier kommt jeder Urlauber oder Gradeser mindestens einmal am Tag vorbei. Ein Shoppingtipp um die Ecke ist das Tirelli Due (Viale Europa Unita 41).

6. In die Lagune von Grado schippern

Wer Urlaub in Grado macht, muss sich auch unbedingt die Zeit nehmen, in die Lagune von Grado einzutauchen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Lagune von Grado ist ein einzigartiges Ensemble aus Kanälen, Inseln, Sümpfen, Wasserflächen und Sandbänken zwischen Land und Meer.

Es gibt rund hundert verschieden große und kleine Inseln, die von den Gradesern als „mota“ bezeichnet werden. Die berühmteste befindet sich im Osten der Lagune: Die Insel Barbana ist ein uralter Marienwallfahrtsort, den man besuchen kann.

Vom Hafen aus fahren mehrmals täglich Schiffe los. Spannend ist auch die „mota“ Safon: Hier drehte Pier Paolo Pasolini vor genau 50 Jahren mit Maria Callas Teile seines Films „Medea“. Das Jubiläum wird diesen Sommer gefeiert, deshalb startet zweimal pro Monat donnerstags eine cineastische Bootstour mit dem Titel „I Luoghi di Medea“.

La dolce vita!
La dolce vita! Foto: Jasmin Kreulitsch

Und auf der „mota“ Anfora ganz im Westen der Laguna gibt es in der Trattoria ai Ciodi ein tolles Fischrestaurant – und ein kleines Hotel, das einzige in der Lagune!

Tipp: Die Stadt Grado startete 2018 ein spannendes und vor allem leckeres Projekt: Einmal monatlich wird ein Fish Nic auf der Mota Valle del Moro organisiert. Wer mitfährt, entdeckt nicht nur die Lagune von Grado bei der Hin- und Rückfahrt, sondern erlebt auch ein kulinarisches Abenteuer:

Mehrere Restaurants tischen auf der kleinen Insel auf und füllen die Picknickkörbe der Gäste, die auf Decken verspeist werden. Nächster Termin ist der 8. September 2019. Die Veranstaltung dauert von 10.30 Uhr bis circa 16.30 Uhr und kostet 80 Euro pro Person (Essen und Getränke inklusive).

7. Die Spezialitäten Grados kosten

Eine der größten Überraschungen Grados spielt sich in den Restaurants ab. Denn anders als in vielen anderen Badeorten sind Pommes rot-weiß, Döner und Schnitzel eher selten. Die Stadt hat kulinarisch ein enorm hohes Niveau und tischt am liebsten das auf, was die Adria hergibt.

Fischgerichte stehen auf jeder Speisekarte, auch die vielen Pasta-Variationen drehen sich meist um Fisch und Meeresfrüchte. Es ist so gut wie unmöglich, in Grado nicht gut zu essen. Die bekannteste lokale Spezialität ist der „Borate alla grades“.

Früher bekannt als Hauptnahrungsmittel der armen Fischer, ist das Fischgericht heute eine Spezialität, die aus Heilbutt, Polenta, Essig, Pfeffer und Knoblauch besteht. Ganz typisch sind auch „Spaghetti ai Frutti di Mare“ oder „Vongole“, verschiedene Muschelgerichte.

 Dinner mit Meerblick – dazu fangfrische Muscheln.
Dinner mit Meerblick – dazu fangfrische Muscheln. Foto: Jasmin Kreulitsch

Als ein Geheimtipp gilt beispielsweise die Trattoria de Toni (Piazza Duca Dastan 37), die mitten in den engen Gässchen der Altstadt liegt. Es ist eines jener Lokale, die sich der Vereinigung „I ristornier del Centrum“ angeschlossen haben. Die Mitglieder verpflichten sich, die kulinarische Tradition der Stadt von Generation zu Generation weiterzugeben.

Tipp: Italien ohne Eis ist unmöglich, deshalb hat natürlich auch Grado jede Menge Eissalons. Einer, der besonders spannend ist, ist La Gioiosa (Viale Dante Alighieri 44). In die verschiedenen Eissorten kommen viele lokale Zutaten: friaulische Milch und Schlagobers, Bio-Eier und regionale Früchte, zum Beispiel Erdbeeren aus Fossalon oder Zitronen von Sizilien. 

Anreise nach Grado

Eurowings fliegt seit Juni und noch bis Ende Oktober 2019 jeden Donnerstag und Sonntag von Köln nach Triest, von wo du nur etwa 30 Minuten nach Grado brauchst. Die Alternative ist ein Flug nach Venedig; die Fahrt nach Grado dauert rund eine Stunde.

Wer nachhaltig anreisen möchte, nimmt den ICE in Richtung Venedig und steigt in Udine (circa 50 Kilometer entfernt von Grado) aus beziehungsweise um: entweder ins Taxi oder in den Zug nach Cervignano-Aquileia-Grado (circa 15 Kilometer entfernt von Grado).

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