Mecklenburgische Seenplatte: Das musst du erleben | reisereporter.de

Mecklenburgische Seenplatte: Das musst du erleben

Das ländliche Mecklenburg-Vorpommern bietet einige Schätzchen: Seenlandschaften, ein bisschen Schweiz, den größten deutschen See nach dem internationalen Bodensee, Schlösser und Gutshöfe, verwunschene Gärten und viel Kunst.

Der Besuch von Schloss Ulrichshusen lohnt sich nicht nur während das alljährlichen Klassikfestivals. Es ist auch eine edle Bleibe für Reisende.
Der Besuch von Schloss Ulrichshusen lohnt sich nicht nur während das alljährlichen Klassikfestivals. Es ist auch eine edle Bleibe für Reisende.

Foto: Petra Rückerl

Grüne Felder, Baumalleen, Weite. Irgendwo da hinten sieht etwas aus wie ein größeres Gehöft. Ist es ein Gutshaus oder gar ein Schloss?

Und die vielen kleinen und großen Seen auf der Fahrt von Hamburg nach Usedom oder von Berlin nach Zingst: Schon mal überlegt, einfach die nächste Ausfahrt zu nehmen und zu schauen, was sich dort befindet? Man sollte es tun – denn es lohnt sich, besondere Menschen und Sehenswürdigkeiten zu entdecken.

Klassikfestival bringt Weltstars in die Gegend

Etwa Eckart Hübener, 66 Jahre alt, ehemaliger Bürgerrechtler und Pastor in so einer Art Ruhestand im 50-Einwohner-Dorf Rambow in der Mecklenburgischen Schweiz. Dort, wo Hübener wohnt, in einem gemütlichen Pfarrhaus mit viel Platz für Gäste und Besucher, da ist eigentlich nur touristische Hochsaison, wenn im benachbarten Ulrichshusen in der Festspielscheune das jährliche Klassikfestival stattfindet.

Wenn Weltstars wie Geiger Daniel Hope oder Cellistin Sol Gabetta vor 1.000 Zuhörern spielen und im Renaissance-Wasserschloss Ulrichshusen am See der Adelsfamilie von Maltzahn nebenan wahrhaft fürstlich nächtigen.

Anders übrigens als Dirigent Lord Yehudi Menuhin (1916 bis 1999), der am 6. August 1994 mit dem London Symphony Orchestra das ländliche Festival eröffnet hatte. Der wohnte damals nämlich bei Eckart Hübener in Rambow, gegenüber der kleinen Kirche, in der 2009 Moderatorin Barbara Schöneberger heiratete.

Pastor hat Kapellenweg entwickelt

„Damit unsere Region nicht mehr nur als Anhängsel der Mecklenburgischen Seenplatte gesehen wird, habe ich mal etwas recherchiert“, sagt der Pastor mit einem Schmunzeln. Über die Jahre hat er so viele Geschichten – auch Spukgeschichten – ausgegraben.

Aus der Fülle seines Wissens hat er den 34 Kilometer langen Mecklenburger Kapellenweg entwickelt, den man erwandern oder erradeln kann. Dabei stößt man auf eine alte Kapelle, ein untergegangenes Dorf oder Ruinen – mit Erklärungen, mit Bildhauerinnenkunst und einem Bibelspruch zur innerlichen Erbauung.

Pastor Eckhart Hübener hat den Mecklenburger Kapellenweg entwickelt und bietet Führungen an.
Pastor Eckhart Hübener hat den Mecklenburger Kapellenweg entwickelt und bietet Führungen an. Foto: Petra Rückerl

„Sieben Kapellen gab es hier, die wurden im Dreißigjährigen Krieg zerstört, ab 1750 waren die nicht mehr auffindbar – man hat die einfach untergepflügt. Das hat mich genervt“, sagt Hübener. Deshalb hat er den Kapellenweg entwickelt, „für einen Zehner“ führt der Pastor die Gäste auch gern selbst.

Galerie Teterow lockt an den Bahnhof

Dort, wo die Mecklenburgische Schweiz in etwa beginnt, da gibt es ein Städtchen namens Teterow. Den einen ist es bekannt durch Schildbürgerstreiche, vielen anderen aber wegen seines Bahnhofs. Der ist nicht nur Haltestation für Regionalbahnfahrer, sondern beherbergt seit 2013 die Galerie Teterow mit ihrem gleichnamigen Kunstverein. „Hier war vorher alles verschmiert, ganz viel kaputt – wie das eben damals so war“, sagt Chefin Sylvia Henschel und schaut stolz auf das mittlerweile schmucke Gebäude.

Die 62-Jährige, die mit dem Bildhauer Friedemann Henschel und seinen füllig-frivolen Tonfiguren seit 1988 im Künstlerdorf Panschenhagen lebt, hat hier ein lebendiges Netzwerk von Künstlern, Gastronomen und Gutsbesitzern geknüpft. Auch um den Tourismus anzukurbeln.

Die gebürtige Ost-Berlinerin stellt auf 250 Quadratmetern wechselnde Ausstellungen unter anderem mit Werken von Feliks Büttner (dem Kussmund-Maler der Aida-Schiffe), dazu Keramiken, Schmuck, Fotografie und Porzellan verschiedener Künstler aus.

Friedemann Henschel, der für seine drallen, frivolen Figuren bekannt ist, lebt im Künstlerdorf Panschenhagen.
Friedemann Henschel, der für seine drallen, frivolen Figuren bekannt ist, lebt im Künstlerdorf Panschenhagen. Foto: Petra Rückerl


Wer sich erschöpft von der kreativen Fülle im Terrassencafé niederlässt, bekommt Kalten Hund, einen Kuchen aus Keksen und Schokolade, zum Espresso. Und erfährt vielleicht vom nächsten hochwertigen Töpfermarkt, den Henschel ebenfalls nach Teterow geholt hat.

Oder lässt sich von Sylvia Henschel nach Kummerow schicken – zum See und zum Schloss, wo der Berliner Kunstsammler Torsten Kunert seine beeindruckende Privatsammlung präsentiert: prominente zeitgenössische Fotografie sowie bewegende DDR-Fotografie.

Im alten Kornspeicher nebenan ist Hotel Raketa untergebracht, eine Dauerausstellung mit mehr als 300 Holz- und Silikonfiguren des niedersächsischen Künstlers Uwe Schloen. Dafür sollte man sich Zeit nehmen: Manches ist nicht leicht verdaulich.

Im Hotel Raketa ist die Dauerausstellung mit Figuren des Künstlers Uwe Schloen zu sehen.
Im Hotel Raketa ist die Dauerausstellung mit Figuren des Künstlers Uwe Schloen zu sehen. Foto: Petra Rückerl

Sich Zeit zu nehmen empfiehlt sich auch für die Galerie von Ines Diederich etwa eine Stunde Fahrzeit entfernt im Weiler Vogelsang (vier Einwohner) nahe Fürstenwerder im Naturpark Feldberger Seenlandschaft. Die international bekannte Bildhauerin führt Besucher selbst durch die Kunstwerkstatt und ihren mit eindrucksvollen Skulpturen, Bienenblumen und Kräutern bestückten Garten. Vogelgesang inklusive. „Mehr als 30 Jahre bin ich hier, also fast einheimisch“, sagt die 61-Jährige lächelnd.

Ines Diederich lädt in Vogelsang, etwa eine Stunde Autofahrt von der Insel Usedom entfernt, in ihre Galerie ein.
Ines Diederich lädt in Vogelsang, etwa eine Stunde Autofahrt von der Insel Usedom entfernt, in ihre Galerie ein. Foto: Petra Rückerl

Schriftsteller Hans Fallada lebte in Carwitz

Im etwa 20 Kilometer entfernten Carwitz war einst der Schriftsteller Hans Fallada (1893–1947) heimisch. Hier empfing er seinen Verleger Rowohlt und diskutierte mit seinen Schriftstellerkollegen die Zeichen der Zeit. Der schwer nikotinabhängige Workaholic schluckte hier aber auch Unmengen Kaffee zum Arbeiten und zu viel Morphium zum Runterkommen. Eine Führung durch sein Haus, mittlerweile ein Museum, ist allemal spannend und interessant. Wer danach herunterkommen will, geht ins Café Sommerliebe, wo man bei selbst gebackener Torte darüber nachdenkt, ob man Falladas Roman „Wer einmal aus dem Blechnapf isst“ vielleicht doch endlich mal lesen sollte.

Das Haus von Hans Fallada in Carwitz ist ein weiterer Anziehungspunkt in der Region.
Das Haus von Hans Fallada in Carwitz ist ein weiterer Anziehungspunkt in der Region. Foto: Petra Rückerl

Carwitz, Vogelsang, auch Liepen mit seinem voller Kunst hängenden Gutshaus zum Einmieten – diese Orte suchen Touristen eher gezielt auf. Doch auch im längst touristisch erschlossenen Gebiet rund um die Müritz eine Autofahrstunde entfernt gibt es noch immer Geheimtipps für Reisende – für den guten einfachen, aber auch den exklusiven Geschmack.

Gasthof Zu den drei Linden bietet authentisches Flair und frische Küche

Natürlich kann man im renovierten Gutshaus Ludorf aus dem 17. Jahrhundert hervorragend essen und trinken, wenn man dort ohnehin wohnt. Man kann allerdings auch ein paar Kilometer weiter nach Buchholz fahren (mit dem Auto oder dem Boot) und in den Gasthof Zu den drei Linden einkehren. So wie heute wird der Gastraum und der angeschlossene Konsumladen auch während der DDR-Zeit ausgesehen haben. Der Gasthof ist aber schon seit 1866 ein Familienbetrieb.

Der Gasthof Drei Linden in Buchholz erinnert an längst vergangene Zeiten.
Der Gasthof Drei Linden in Buchholz erinnert an längst vergangene Zeiten. Foto: Petra Rückerl

Die Gerichte sind superfrisch: Mehr als drei gibt die Karte nicht her, meist ist Zander mit selbst gemachtem Piepensalat (Kartoffelsalat) dabei, eine schmackhafte Soljanka sowieso, es gibt genau einen Weiß- und einen Rotwein. Und drei Gastgeber: Chef Jürgen Reupricht mit seiner 85-jährigen Mutter und Kellnerin Carmen Zander, die seit 20 Jahren den Laden schmeißt. Dennoch oder vielleicht genau deswegen sollte man reservieren, denn hier sagen sich nicht nur Fuchs und Igel, sondern auch Einheimische und Touristen gute Nacht.

Tipps für deine Reise nach Mecklenburg-Vorpommern

Anreise: Ein Auto sollte man schon haben, wenn man die ländliche Mecklenburgische Seenplatte entdecken möchte. Die Gutshäuser und Schlösser sind oft eher abgelegen.

Tipps für Unterkünfte: Schloss Ulrichshusen: Seestraße 14, Ulrichshusen.
Im Gutshaus Ludorf sind Fans von Slow Food willkommen. Chef Manfred Achtenhagen bietet aber auch launige Führungen an.
Das Herrenhaus Liepen (Am Gutspark 6, Liepen) mit einem schönen Park kann von größeren Gruppen gemietet werden, für die Verpflegung muss selbst gesorgt werden.
Pfarrer Eckart Hübener bietet im alten Pfarrhof Rambow drei Ferienwohnungen an.

Attraktionen: Die drallen Tonfiguren und andere Skulpturen des Künstlers Friedemann Henschel kann man in dessen Garten bewundern. Töpfergut Panschenhagen, Von-Hahn-Allee 8, Panschenhagen.
Schloss Kumerow: Dorfstraße 114, Kumerow.
Bildhauerin Ines Diederich (Vogelsang 1, Woldegk) führt Gäste gern durch ihre offene Galerie und den Garten.
Galerie Teterow: Bahnhof 1, Teterow.
Hans-Fallada-Museum: Zum Bohnenwerder 2, Feldberger Seenlandschaft.

Essen: Café Sommerliebe, Carwitzer Straße 37, Feldberger Seenlandschaft; Gasthof Zu den drei Linden, Dorfstraße 45, Buchholz

Weitere Informationen: Eine Auflugskarte zu 100 Guts- und Herrenhäusern gibt es online.


Die Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Foodies & Genießer
Das könnte dich auch interessieren