Simba-Effekt: Tierschützer warnen vorm Kuscheln mit Löwen in Südafrika

Simba-Effekt: Tierschützer warnen vorm Kuscheln mit Löwen

Tierschützer befürchten, dass durch die Neuauflage des Films „Der König der Löwen“ vermehrt Touristen mit Löwenbabys kuscheln wollen. Doch diese werden dafür direkt nach der Geburt den Müttern entrissen.

Babylöwen in Gefangenschaft.
Die Löwenbabys werden der Mutter direkt nach der Geburt entrissen, um sie an Menschen zu gewöhnen.

Foto: imago images/Steffen Schellhorn

Sie sind aber auch zu knuffig: Löwenbabys, verspielt, so niedlich, und doch auch ein bisschen gefährlich. Ganz nach Simbas Motto: „Gefahr? Ich lach dir ins Gesicht. Ha ha ha ha.“ Und in einigen Ländern, darunter Südafrika, sind die Jungtiere auch eine beliebte Touristen-Attraktion. Ein Bild mit einem kleinen Löwen-Jungen, perfekt für Instagram. 

„Mit dem Start des Disney-Klassikers werden unsere gefangenen Löwenbabys noch mehr leiden müssen als sonst“, warnt nun aber Louise de Waal, eine Tierschützerin aus Südafrika, auf ihrem Blog „Green Girls in Africa“. „Der Film wird massenweise Leute dazu inspirieren, ein Löwenbaby genau so halten zu wollen, wie Rafiki Simba hält.“ 

Tiere werden von der Geburt an für Geschäfte missbraucht 

Die Tierschutz-Organisation Youth for Lion möchte die Aufmerksamkeit rund um den Filmneustart nutzen, um auf die Situation der Löwenbabys aufmerksam zu machen, und hat eine Aufklärungskampagne auf Facebook begonnen. 

Denn hinter den süßen Bildern, die sich auf Instagram und Co. finden, stecke eine Industrie, die in nahezu allen Fällen zum frühzeitigen Tod der Tiere führe. 

Die Löwenkinder werden ihren Müttern direkt nach der Geburt entrissen. Das hat für die Tierhalter zwei Vorteile: Die Löwenmama zeugt schnell erneut Nachwuchs, und die Babys werden früh an Menschen gewöhnt, die sie als Mutterersatz ansehen. 

An Menschen gewöhnt, sind Löwen leichte Beute für Trophäenjäger 

Sind die Tiere klein, werden sie zum Kuscheln an Touristen vermietet – obwohl Löwenkinder in der Natur fast den ganzen Tag schlafen, sind sie auf den „Cub Petting“-Farmen bis zu zehn Stunden am Tag wach.

Volunteers aus Europa zahlen zudem dafür, die Löwenbabys versorgen zu dürfen. Oft werde den jungen Leuten erzählt, die Tiere seien von ihren Müttern verstoßen worden.

Werden die Katzen größer – ab einem Alter von sechs Monaten müssen sie sediert werden, um Menschen nicht anzugreifen –, landen die meisten auf Jagdfarmen: Sie werden in Naturreservaten ausgesetzt, in denen sie sich, weil sie an Menschen gewöhnt sind, nicht vor Jägern verstecken.

Löwen bringen ihr ganzes Leben lang viel Geld ein 

Die Halter machen also gleich dreimal Kasse: einmal mit den Selfie-Touristen, einmal mit den Freiwilligen, die Tausende Euro für einen Aufenthalt bezahlen, einmal mit den Trophäenjägern. Für einen Löwen, den ein Jäger abschießen möchte, erhält die Farm je nach Exemplar 13.000 bis 55.000 US-Dollar. 

Ebenfalls beliebt sind Tötungen der Tiere, um ihre Knochen, Zähne und Tatzen nach Asien zu verkaufen. Diese gelten vor allem in China und Südostasien nach wie vor als Wunderheilmittel und Medizin.

Legal dürfen 800 tote Löwen im Jahr aus Südafrika exportiert werden, berichtet „All USA News“. Erst im April flog ein als Öko-Farm getarntes Löwen-Schlachthaus auf

Es gibt auch nachhaltige Arten, Löwen in Afrika zu beobachten

Bis zu 12.000 Löwen leben allein in Südafrika in Gefangenschaft, haben die Forscher von „Blood Lions“ ermittelt, das sind mehr als halb so viele, wie es weltweit in freier Wildbahn gibt. „Touristen unterstützen das System, indem sie in Südafrika Farmen besuchen, auf denen sie mit Löwenbabys spielen können“, schreibt der britische konservative Politiker Lord Ashcroft auf seiner Website. 

Dabei ist es auch möglich, auf nachhaltige Art dem „König der Löwen“ nachzufühlen. Den Königsfelsen aus dem Film, den gibt es beispielsweise wirklich: in Laikipia in Kenia. Dort können Touristen Safaris machen und vom Auto aus wilde Tiere​ beobachten. 

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