Fliegen mit Kind: Airlines oft nicht für Notfälle ausgestattet

Fliegen mit Kind: Airlines oft nicht für Notfälle ausgestattet

Übelkeit, Fieber oder akute allergische Reaktionen – medizinische Notfälle, mit denen Eltern auf Reisen mit Kind rechnen sollten. Was aber, wenn das im Flieger passiert? Airlines schneiden schlecht ab.

Eine Mutter mit ihrem Kind im Flugzeug.
Krank werden auf dem Flug: Wie gut sind Airlines auf Notfälle mit Kindern vorbereitet? (Symbolfoto)

Foto: imago images/Westend61

Notfall im Flieger: Wenn sich der Gesundheitszustand des Kindes schlagartig verschlechtert und Eltern mit der eingepackten Reiseapotheke nicht weiterkommen, hoffen sie, sich auf die medizinische Ausstattung der Airline verlassen zu können. 

Doch Forscher der Gesundheitsorganisation Duke Health enthüllen nun: Die Erste-Hilfe-Versorgung bei amerikanischen Airlines ist nicht immer kindgerecht – und reicht im Notfall oft nicht aus.

Studie: Medikamente bei Airlines nicht für Kinder geeignet

Der Blick in die Sets zeigte: Medikamente waren nicht immer auf die Verabreichung speziell an Kinder geeignet. So soll es Schmerzmittel nur in Tablettenform gegegeben haben – Medikamente in flüssiger Form wären für Kinder wegen möglicher Schluckbeschwerden jedoch besser. Bei schweren allergischen Reaktionen habe die Ausstattung oft ebenfalls nicht genügt.

So oft kommt es zu medizinischen Notfällen mit Kindern im Flugzeug

Selten sind die Zwischenfälle nicht: „Kinder machen fast 16 Prozent aller medizinischen Notfälle bei Airlines aus“, sagte Alexandre Rotta, Chef der Abteilung für pädiatrische Intensivmedizin an der Duke University School of Medicine. Er selbst sei auch Pilot und deshalb schon oft mit einer entsprechenden Notsituation konfrontiert gewesen.

In 33,9 Prozent der Fälle litten Kinder an Bord unter Übelkeit und Erbrechen, in mehr als jedem achten Fall (22,2 Prozent) bekamen die Kinder Fieber oder Schüttelfrost, in 5,5 Prozent kam es zu einer akuten allergischen Reaktion. Bauchschmerzen (4,7 Prozent) und Magen-Darm-Grippe (4,5 Prozent) wurden auch als Notfall gewertet.

Genaue Zahlen, bei welchen Airlines das am häufigsten der Fall war, führt die Studie nicht auf. Auf Anfrage des reisereporters erklärte Dr. Alexandre Rotta als einer der Hauptautoren der Studie jedoch, dass in etwa der Hälfte jeder der Top-5-Diagnosekategorien keine Medikamente in einer kindgerechten Dosierungen zur Verfügung standen.

In 86,6 Prozent der Krankheitsfälle konnten die Kinder von der Crew während des Flugs mit dem vorhandenen Equipment behandelt werden, während bei neun Prozent die Hilfe eines Arztes, der zufällig als Passagier an Bord mitflog, beansprucht wurde.

Nach der Landung benötigten einige Kinder weitergehende medizinische Behandlung (16 Prozent), für eine unverzügliche Hilfe mussten Flieger sogar zu anderen Flughafen umgeleitet werden (0,5 Prozent).

Die Daten wurden zwischen Januar 2015 und Oktober 2016 erhoben. In diesem Zeitraum untersuchten die Forscher rund 11.200 medizinische Notfälle bei 77 internationalen Airlines, die Menschen bis 19 Jahre betrafen. Die Hälfte der Kinder war unter sieben Jahre alt.

Krankes Kind im Flieger: So bereiten sich Airlines wie Lufthansa vor

Auf was müssen sich Eltern also einstellen, wenn sie mit ihren Kindern in den Flieger steigen? Die Lufthansa führt keine genaue Statistik, in wie vielen medizinischen Notfällen Kinder involviert sind. 

„Grundsätzlich kann man sagen, dass sich bei circa 17.000 Flügen pro Tag im Schnitt zwischen zehn und 15 medizinische Zwischenfälle ereignen“, sagte eine Sprecherin dem reisereporter. Meistens handle es sich dabei um kleinere medizinische Ereignisse wie Nasenbluten oder Kopfschmerzen, die mit dem Erste-Hilfe-Set an Bord gut behandelt werden könnten. 

„Fälle, in denen Material oder Medizin zur Behandlung von Notfällen an Bord bei Kindern gefehlt hätten, sind uns nicht bekannt“, fügte die Lufthansa-Sprecherin hinzu.

Das Kabinenpersonal wird für solche Einsätze ausgebildet und jährlich nachgeschult, wie es die Leitlinien des European Rescuscitation Councils (ERC) fordern. Auch Notfälle an Bord mit Kindern gehören zum Standard der Schulungen und Auffrischungs-Kurse. 

Was ist bei der Lufthansa im Erste-Hilfe-Set drin?

Zur Behandlung stehe an Bord eine umfangreiche Ausrüstung zur Verfügung: Notarztkoffer (Doctor’s Kit/Emergency Medical Kit), ein automatisierter externer Defibrillator sowie mehrere Erste-Hilfe-Koffer (First Aid Kit).

Das Inventar reicht von Schmerzmitteln über Beatmungsgeräte bis hin zu Adrenalin. „Die Inhalte werden regelmäßig und unter Berücksichtigung der stattgehabten Notfälle an Bord, an geltende Standards und neue Entwicklungen in der Medizin angepasst. Damit geht die Ausrüstung über die Anforderungen der European Union Aviation Safety Agency (EASA) hinaus“, heißt es in dem Lufthansa-Statement. 

Die meisten Medikamente seien auch gut bei Kindern anwendbar, so zum Beispiel Dimenhydrinat-Zäpfchen (vielen bekannt als Vomex) gegen Übelkeit, Diazepam zur rektalen Gabe bei einem Krampfanfall, Paracetamol-Zäpfchen bei Fieber oder auch Kortisonzäpfchen. 

Eltern sollten eigene Reise-Apotheke für Notfälle ausstatten

Davon abgesehen raten die an der Studie beteiligten Wissenschaftler Eltern, immer alle Medikamente mit dabeizuhaben, von denen sie glauben, dass ihr Kind sie benötige – auch im Handgepäck. Im Zweifelsfall den (Kinder-)Arzt vor einer Reise konsultieren.

Im gleichen Atemzug wollen sie mit ihren Ergebnissen eine Diskussion anstoßen, einer der Vorschläge: eine Art Einkaufsliste, die den unbedingt notwendigen Inhalt des Erste-Hilfe-Kastens aufschlüsselt.

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