Knapp: Flieger in Indien landet 5 Minuten, bevor Kerosin ausgeht

Knapp: Flugzeug landet 5 Minuten, bevor Kerosin ausgeht

In Indien konnte eine Katastrophe gerade noch verhindert werden: Nur durch einen spontanen Wetterumschwung konnte eine Vistara-Maschine doch landen – das eigentliche Ziel hätte sie nicht mehr erreicht.

Vistara-Flugzeug in Indien.
Nur noch rund fünf Minuten hätte die Maschine von Vistara fliegen können, bevor der Tank leer gewesen wäre.

Foto: imago images/Nasir Kachroo

Planmäßig hob der Flug UK944 von Mumbai nach Delhi am 15. Juli ab, mit Extrakerosin, weil die Piloten schon von schwierigen Wetterbedinungen ausgegangen waren. Doch als Delhi erreicht war, konnte die Maschine mit 153 Passagieren an Bord nicht landen – das Wetter war zu schlecht, meldet die „Times of India“.

Mehr als eine halbe Stunde kreiste der Flieger der indischen Airline Vistara über Delhi, ehe sich die Piloten entschieden, den Ausweichflughafen Lucknow 45 Flugminuten entfernt anzusteuern. Doch auch dort war zu viel Nebel, um das Flugzeug manuell zu landen, die Sichtweite lag bei rund 475 Metern. Bei manueller Landung soll sie allerdings bei mindestens 600 Metern liegen.

Ausweichflughafen statt Autopilot-Landung

Die Piloten kreisten 15 weitere Minuten – bis das Kerosin auszugehen drohte. Dann funkten sie Alarm und entschieden sich, den Flughafen Allahabad anzusteuern, anstatt per Autopilot zu landen. Das geht aus einem veröffentlichten Schreiben von Maneesh Kumar, Direktor der Luftsicherheit bei der zivilen Luftfahrtbehörde, hervor.

Diese Entscheidung hätte fatal enden können, denn das Kerosin an Bord hätte eigentlich nicht gereicht, um den Flughafen von Allahabad, der 30 Flugminuten entfernt war, zu erreichen!

Nur durch Zufall konnte ein Unglück verhindert werden: Da sich das Wetter in Lucknow besserte, drehte die Maschine nach sieben Minuten um und konnte den näheren Flughafen sicher erreichen.

20 Minuten nach dem Wendemanöver landete die Maschine in Lucknow, nachdem die Fluglotsen eine priorisierte Landung ermöglichten. Untersuchungen ergaben, wie knapp das Manöver endete: In den Tanks befanden sich nur noch 260 Kilogramm Kerosin – das reicht gerade mal für fünf Minuten in der Luft. 

Die zivile Luftfahrtbehörde hat die beiden Piloten nun suspendiert, da die Entscheidung, trotz Warteschleifen und einem angeflogenen Ausweichflughafen noch einen weiteren Ausweichflughafen anfliegen zu wollen, leichtsinnig gewesen sei. Luftsicherheitsexperten kritisierten die Entscheidung der Piloten ebenfalls. 

Luftsicherheitsexperten sprechen von gefährlicher Entscheidung

Die Zeitung zitiert einen Insider: „Wir fragen uns alle, warum die beiden nicht mit Autopilot gelandet sind, wie man es normalerweise macht, wenn die Sicht eingeschränkt ist und das Flugzeug nur noch wenig Kerosin an Bord hat. Nach Allahabad zu steuern war gefährlich und skandalös.“ 

Für die Airline Vistara ist die Wettersituation am Flughafen in Lucknow schuld an der Problematik: Immerhin hatte die Luftsicherheit gemeldet, dass eine Landung dort möglich sei, weshalb die Piloten den Ausweichflughafen ansteuerten. 

Das Flugzeug erreichte schließlich mit reichlich Verspätung die Hauptstadt. Statt wie geplant um 17.20 Uhr waren die Passagiere erst acht Stunden später gegen 1.30 Uhr in Delhi – nachdem die Maschine in Lucknow ausreichend getankt hatte. 

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